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Jener weiter.Selbst eine schöne, junge Frau kannst Du haben Du brauchst nur zuzugreifen."

Des Grafen Antlitz verfinsterte stch bei diesen Worten nur noch mehr.

Alles, was Du da sagst, ist ja sehr wahr, mein Freund," versetzte er,und doch kann ich Dir versichern, daß ich gern Titel, Rang, Reichthum und Alles, was ich in dieser Welt be­sitze, hingeben würde, wenn ich dadurch frei von einer gewtffen Fessel würde I"

Frei wovon?" fragte Herbert erstaunt.

Der Graf erwiderte nichts und die Züge seines Gefährten nahmen einen ernsteren Ausdruck an.

Freund," Hub er nach einer kurzen Pause wieder an, hast Du mir einmal so viel gesagt, so vertraue Dich mir ganz an und sage mir, was Dich bekümmert."

Das will ich Dir sagen," entgegnete der Graf,ich weiß ja, Du bewahrst mein Geheimniß treu in Deiner Brust. Sieh', ich soll ein Mädchen, ein gutes, liebenswürdiges, edles Mäd­chen heirathen, während ich eine Andere leidenschaftlich liebe."

Das ist eine schlimme Geschichte," sprach Herbert von Kalborn nach längerem Ueberlegen;ich dachte, Du wolltest nächstes Jahr Deine Cousine Melanie von Selten heirathen?"

So ist es auch bestimmt," versetzte der junge Graf mit einem tiefen Seufzer,und wenn es nicht Unrecht ist, ein Mäd- chen zu heirathen, wenn Einen das Gesicht einer Anderen weder bei Tag noch bei Nacht verläßt, wenn das nicht Unrecht ist, dann wird Melanie nächstes Jahr auch meine Frau."

Aber sprich, in wen auf der Welt hast Du Dich denn so leidenschaftlich verliebt?" fragte Herbert.

Ja, wenn ich Dir das sagen könnte," gab der Graf seufzend zur Antwort,in eine Fee, in eine entzückende, namenlose Erscheinung."

Aber das ist ja Thorheit wo sahst Du sie?"

Das will ich Dir sagen," erwiderte der Graf.

Und er erzählte seinem Freunde ausführlich von seiner Begegnung in den Bergsdorfer Wäldern.

Und Du kennst nicht ihren Namen, weißt nicht, wer sie war?" fragte Herbert, als Jener schwieg.

Nein, im Walde begegnete ich keiner lebendigen Seele, die ich darnach hätte fragen können, und die junge Dame selbst wollte ich nicht nach Namen und Stand fragen, denn dies kam mir bei der ersten Begegnung frech vor."

Was gedenkst Du nun zu thun?"

Was kann ich thun?" erwiderte Curt von Roddeck un­geduldig.Ich muß mich in mein Schicksal fügen; ich muß suchen, sie zu vergesien und Melanie heirathen."

Das wäre aber nicht edel gehandelt; Deine Cousine ver­dient ein ganzes Herz."

Es bleibt mir nichts Anderes übrig. Doch genug da­von; ich habe Dir mein Geheimniß anvertraut, nun trage es eine Weile geduldig mit mir- Wir Roddecks sind nun einmal dazu verurtheilt, unglücklich zu lieben."--

Die Gräfin von Roddeck, Curts Mutter, hatte es sich in den Kopf gesetzt, ihr Sohn müffe ihre Nichte, Melanie von Selten, der sie von ganzem Herzen zugethan war, heirathen. Melanie war elternlos und schon früh als junge Waise in das Haus ihrer Tante gekommen und von dieser erzogen. Beide Kinder, Melanie sowohl wie Curt, waren in derselben Idee aufgewachsen.

Frau von Roddeck sprach thörichterweise öfter von der Zeit, wo Melanie Curts Frau sein würde; diese liebte ihren Vetter und hatte keinen Gedanken, keinen Wunsch, der stch nicht auf ihn bezog, während Curt das Ganze für eineab­gemachte Sache" hielt. Sehr characteristisch war eine Be­merkung, die er eines Tages machte, als er mit einigen Freun­den über die Zukunst sprach.

Ich brauche mir einmal keine Mühe bei den Damen mit Hofmachen zu geben," sagte er,Ihr wißt ja, ich heirathe meine Cousine Melanie."

Sechstes Capitel.

Curt von Roddeck war stets höflich und liebenswürdig gegen feine Cousine und als feine Mutter ihm eines Tages sagte, daß es nun wohl Zeit für ihn sei, zu heirathen, da warb er bei Melanie in aller Form um deren Hand; doch da der junge Graf noch ein Jahr seine volle Freiheit genießen wollte, hielt man auch noch mit der Veröffentlichung der Ver­lobung zurück.

Als Curt einst aber von einer weiteren Tour in die Berge zurückkehrte, nahm Melanie von Selten eine große Verände­rung an ihm wahr. Er hatte seinen heiteren, frohen Sinn verloren, der ihn sonst nie im Stich ließ, und oft gab er sich dumpfem Brüten hin, aus dem nichts ihn zu reißen vermochte.

Er war freundlich und gütig gegen feine Mutter und seine Braut; gegen alles Andere aber schien er gleichgültig ge­worden; er hatte für nichts mehr Interesse, an nichts mehr Vergnügen.

Eines Tages war er außerordentlich beschäftigt, sein Rechtsanwalt war da, mit dem er über Vielerlei Rücksprache zu nehmen hatte, dabei vermißte er ein wichtiges Papier. In einer Verlegenheit wandte er sich an seine Cousine.

Liebe Melanie," sagte er,Du könntest mir einen großen Gefallen thun, ich habe den Plan zu den neuen Wirthschasts- gebäuden verlegt, würdest Du in meinem Arbeitszimmer wohl einmal darnach suchen? Die Schlüssel liegen auf dem Schreib­tisch."

Melanie suchte überall vergebens nach dem verlorenen Plane; weder auf den verschiedenen Tischen in Curts Zimmer, noch auf seinem Schreibsecretär war derselbe zu finden. Da bemerkte sie noch ein kleines Schubfach, das ihr bisher ent­gangen war, sie öffnete es und fand verfchiedene Papiere darin. Das eine war der gesuchte Plan, das andere ein Bild, in Papier geschlagen, das Melanie sofort an der ganzen Manier als eine Skizze ihres Verlobten erkannte. Die Zeichnung stellte ein junges Mädchen dar, das, von glänzenden Sonnenstrahlen beschienen, unter hohen, schattigen Bäumen stand; ihr reizendes Gesicht war über einen Strauß Glockenblumen geneigt, den sie in den kleinen weißen Händen hielt- Melanie meinte, nie etwas Schöneres, Anmuthigeres gesehen zu haben. Wer konnte sie sein? Warum hielt Curt sein entschieden bestes Product so geheim?

Als sie ihm den gewünschten Plan brachte, war er zu beschäftigt, als daß sie des Bildes erwähnen konnte, doch nre die Zwei an dem Abend eine kurze Zeit allein waren, sagte Melanie ernst:Curt, wie ich heute Morgen den Plan suchte, fand ich in dem Schubfach ein Bild, offenbar eine Zeichnung von Deiner Hand. Wen stellt es dar? Noch nie in meinem Leben habe ich ein so schönes Gesicht gesehen."

Aufmerksam beobachtete sie ihren Vetter und es entging ihr nicht, daß seine Züge sich leicht verfärbten.

Das kann ich Dir nicht sagen," lautete seine verlegene Antwort,ich sah das Bild auf meinen Reisen und fand es so entzückend, daß ich mich nicht enthalten konnte, es zu copiren."

Das ist Dir herrlich gelungen," entgegnete Melanie. Curt wandte sich mit ein paar gleichgültigen Worten ab. Melanie« Augen folgten ihm mit ernstem, traurigem Blick. Was hatte ihn so verändert?

Ihr Verlobter begab sich in sein Arbeitszimmer, nahm das Bild aus dem Schubfach, wickelte es sorgfältig ein und verschloß es an einen sicheren Ort. Am Abend aber zeigte er sich herzlicher gegen Melanie, gleichsam, als wolle er ein ihr unwillkürlich zugefügtes Unrecht wieder gut machen.

Man hört ja Wunderdinge von einer jungen Dame, die seit Kurzem in der Gesellschaft aufgetaucht ist," sagte Herbert von Kalborn eines Tages im Laufe des Gesprächs zur Gräfin von Roddeck-

Wer ist sie?" fragte diese.

Gräfin Scherwiz stellt sie als ihre Adoptivtochter vor; wer sie eigentlich ist, weiß Niemand. Uebermorgen, zum großen Subscriptionsball, wird man sie wohl sehen."

(Fortsetzung folgt-)