KWMM-Mcks ^A^EAWW-WMAW WGKBW^W
LWMö
q_^——H—gxa---+---<r-E-i------r^s------*--jx9—w----
Untevhaltrrngsblatt jum Gretzenev Anzeigen (Gensval-2lnzeigev)
" — .. ■.jgfg^BKSfe, ^srse-üuä'-ja» ._______ .'
Dienstag, den 7. November.
Herzenskämpfe.
Roman von Theodor Schmidt.
(Fortsetzung.)
In dieser verhängnißvollen Stunde lernte Werner Horst den Werth der Liebe seiner Gattin kennen.
Als der Tag des Verhörs kam, richteten sich viele Augen voll Neugier und Mitleid auf das schöne bleiche Gesicht Magdalenens, auf dem tiefste Seelenangst und Verzweiflung lag. Ihre Augen blickten wie festgebannt auf ihn und ihre Lippen erbebten bei jedem Wort, das gegen ihn sprach.
Als das Urtheil auf zwei Jahre Zuchthaus lautete, da ertönte durch den Gerichtssaal ein Schrei, den Die, welche ihn hörten, nicht sobald vergaßen, und Magdalene Horst sank leblos zu Boden.
Als sie wieder aus ihrer Ohnmacht erwachte, sah sie sich allein in der großen Residenzstadt — allein mit ihrem Kinde. Heim zu den Eltern wollte sie nicht, dort würde man beständig von dem unglückseligen Manne reden, den sie liebte, und sie hätte nicht immer Worte des Tadels gegen ihn hören können. So blieb sie zwei Jahre in der Residenz und arbeitete rastlos, um sich und ihr Kind zu erhalten.
Während dieser Zeit starben Magdalenens Eltern, und die junge Comtesse Leontine kehrte mit ihrem jungen Gemahl, dem Grafen Scherwiz, aus dem Süden nach dem gräflichen Schlosse zurück.
Nach Abbüßung feiner Strafe war ihr Mann verschwunden und Magdalene war der Verzweiflung nahe. Da erhielt sie einen Brief von ihrem Mann. Er hatte sich mit Hilfe eines früheren Freundes nach Amerika begeben, hatte dort ein neues besseres Leben angefangen und schrieb seiner Frau, zu ihm zu kommen. Aber sie hatte nicht die Mittel dazu. Noch ein Monat verstrich und Magdalene setzte ihren Stolz bei Seite und begab sich nach Bergsdorf. Dort fand sie ihre einstige Milchschwester, die Gräfin Scherwiz, in tiefster Trauer; dieselbe hatte den Gatten und ihr geliebtes Kind in einer kurzen Stunde verloren. Beide waren durch das Umschlagen eines Bootes im See ertrunken. Sie stand am Ufer und mußte sie Beide vor ihren Augen sterben sehen, ohne ihnen Hilfe bieten zu können; sie sah das goldene Haupt ihres Töchterchens in den düsteren kalten Wassern verschwinden und sah, wie ihr Gatte vergebens kämpfte, sich und das Kind zu retten.
An demselben Tage, wo der Graf und die junge Gräfin zur letzten Ruhe gebettet wurden, langte Magdalene Horst in
dem Häuschen an, in dem sie ihrs einfache, glückliche Jugend verlebt hatte.
Drei Wochen lang mußte sie warten, bis die Gräfin sie zu sehen vermochte; dann nahm sie die kleine Martha an die Hand und begab sich in das Schloß.
Kummer und Krankheit hatten die Gräfin so verändert, daß ihre Milchschwester sie kaum wieder erkannte; und die Begrüßung war kalt und theilnahmslos, bis ihre Augen auf das Kind fielen, da ward ihr bleiches Gesicht noch bleicher und ihre Hände zitterten.
„Ist das Ihr Kind, Magdalene?" fragte sie. „Ist das Werner Horsts Tochter?"
Auf Magdalenens bejahende Antwort führte die Gräfin sie in ihr Boudoir, wo das Portrait eines Kindes hing, das der kleinen Martha nicht unähnlich war.
„Sehen Sie, Magdalene," sprach sie, „wie Ihr Kind bent meinen gleicht; dieselben dunkelblauen Augen, dasselbe goldblonde Haar, Sie miiffen es mir geben. Sie brauchen Geld, Magdalene," fuhr die Gräfin nach einer kleinen Pause fort, „Geld, um zu Ihrem Manne zu kommen; Sie sollen haben, so viel Sie wollen, wenn Sie mir nur das Kind lassen."
Anfangs war Magdalene gegen alle Bitten taub, dann aber gewann die Liebe zu dem fernen Gatten die Oberhand in ihrem Herzen.
Er, den sie liebte, hatte ihr wiederholt geschrieben, daß sie zu ihm kommen solle, das bestimmte sie, endlich nachzugeben und der Gräfin ihr Kind zu überlassen. Es war ein harter Kampf, wie hart, wußte Niemand so, wie ste selbst.
Viertes Capitel.
Zehn Jahre verstrichen und verursachten große Veränderungen in Bergsdorf. Graf Elkens und seine Gemahlin ruhten bei ihren Vorfahren in der Familiengruft. Die junge Gräfin Scherwiz war alleinige Besitzerin des Schlosses und eines großen Vermögens. Ein einziges Mal hörte sie von Magdalene Horst. Dieselbe theilte der Gräfin nur in Kürze mit, daß sie in Amerika ihren Mann gefunden habe und, ihrem Versprechen gemäß, demselben nicht gesagt habe, wem sie ihr Kind anvertraut.
Mit jedem Tage gewann die Gräfin ihre Adoptivtochter lieber. Weder Kosten noch Mühe wurden für deren Erziehung gespart; sie bekam die besten Lehrer, bald konnte sie fließend englisch und französisch sprechen, sie malte und musi- eirte, besonders aber zeichnete sie sich durch eine herrliche Stimme aus.
In stiller Zurückgezogenheit wuchs sie auf dem Schlosse von Bergsdorf gleich einer seltenen Blume in stillem Garten


