Ausgabe 
7.1.1893
 
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einem Wattebäuschchen etwas Ricinusöl verrieben, jedesmal aber nur so viel, daß das Leder nicht fettglänzend wird, son­dern das Oel ganz aufsaugt, sonst setzt sich der Staub darin fest und das Leder bekomnlt dauernd eine graue, unsaubere Farbe. Durch diese Behandlung werden nicht allein Schuhe und Stiefel wasserdicht, sondern auch sehr haltbar und dem lästigen Knarren und Krachen des Schuhwerks wird vorgebeugt.

Apfelthee. Dieses wohlfeile und gesunde Getränk, das dem chinesischen Thee insofern vorzuziehen ist, als der Apfel­thee nicht aufregend wirkt und die Verdauung fördert, wird auf folgende Weise bereitet: Man nimmt eine Quantität frische oder abgetrocknete Apfelschalen (bessere Tafelsorten), brüht die­selben kurz ab, um sie zu reinigen und läßt sie dann mit einem in Scheiben geschnittenen frischen Apfel durch Uebergießen mit kochendem Wasser 15 Minuten bis eine halbe Stunde, je nach dem Quantum, gut durchziehen. Für einen solchen Apfelthee, der besonders auch Magenleidenden angelegentlichst empfohlen werden kann, weiter den Magen niemals belästigt, emsfehlen sich besonders unsere beliebten Reinettensorten wie: Muskat-, Graue-, Gold-Reinetten, sowie auch die beliebten Borsdorfer Sorten, Gravensteiner, weil bei diesen Früchten der Gehalt des Zuckers in gutem Verhältniß zur Fruchtsäure steht und der Thee einen sehr angenehmen gewürzigen Geschmack erhält. Dieser Thee kann mit Rum oder Arac einen Kaffeelöffel voll in eine große Tasse und Zucker nach Bedürfniß piccm- ter gemacht werden.

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Schnittbohne» den dumpfen Geschmack zu benehmen. Legen Sie die Bohnen über Nacht in's kalte Wasser, was ja so wie so geschehen muß, ehe man sie kochen kann; geben Sie ziemlich viel Pfefferkraut hinein und versuchen Sie, ob sie dann zu genießen sind, sonst läßt sich dagegen nichts machen. Smd die Bohnen sehr dumpfig, so wird Ihnen wohl nichts weiter übrig bleiben,* als dieselben fort zu schütten.

Flanell- und Wolldecken in einen Eimer Wasser getaucht, welches einen Löffel Ammoniak und ein wenig Seifen­brühe enthält, macht dieselben ohne vieles Reiben weiß und rein.

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Pflanzen in Zimmern. Es ist eine durch nichts bestätigte irrige Behauptung, daß Pflanzen in Wohnzimmern schädlich seien Rur sehr stark riechende Blumen, wie Hya- cinthen, Levkoyen, Veilchen, Lilien u. s. w., können des Nachts durch ihren betäubenden Duft schädlich wirken. Im Allgemei­nen aber absorbirm gesunde Pflanzen eine Menge Kohlensäure und machen bie Luft rein und angenehm Sie sind in der That das beste Lustreinigungsmittel, das man anwenden kann.

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Kraule Topfpflanzen. Diese können auf einmal ganz currrt werden, wenn man sie mit heißem Wasser (40 bis 50 Grad R) vollständig begießt, so daß das Wasser unten abläuft. Meistens ist eine Versäuerung der Erde die gewöhn­liche Ursache der Erkrankung. Die Pflanzen erholen sich in kurzer Zeit. Selten ist eine Wiederholung des Begießens noihwendig. Sind Würmer vorhanden, so kommen sie sicher durch das heiße Wasser an die Overfläche und werden dadurch vertilgt. ________

Vermischtes.

Eigene Auffassung. Vater der Braut:Wie, zehn­tausend Mark Schulden haben Sie? Das ist ja ganz unge- heuert Bewerber (geschmeichelt):Nicht wahr, Schwieger- Papachen, so viel Credit hatten Sie mir gar nicht zugetraut!" * * *

Zu viel verlangt. Reisender:Ich war schon ver­schiedene Male hier ..." Kaufmann:Oho, soll wohl für Sie extra einen Hausknecht dahin stellen?'

Ein Feind der Lüge. Student:Kellner, ich muß zahlen!" Philister:Aber so sagt man doch nicht man ruft doch: Kellner, ich möchte zahlen." Student:So! Zu dieser Höhe der Verlogenheit habe ich mich bisher noch nicht emporschwingen können."

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Veränderte Ansicht.*Richter:Hierhelfen all' Ihre Verdrehungen, Ihre Ausreden nichts. Recht muß Recht bleiben." Angeklagter:Da haben Sie vor vier Jahren auch noch anders denkt, wie Sie mich beim damaligen Ein­bruch so famos vertheidigt haben!"

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Einfalt. Hausfrau:Hier in den beiden Zimmern sollten doch sechzehn Grad Wärme sein; statt dessen sind hier nur acht." Dienstmädchen:Nun, drüben sind doch auch acht!" _____________

Unser täglich Brod.

Der Mensch lebt nicht vom Brod allein, und doch- was wäre er, ohne dieses schlichte tägliche Brod, das dem Armen wie dem Reichen Nahrung giebt? Wer das Brod- backen erfunden kein Denkmal, keine Feder künden es, und doch verdiente der Name ein unsterblicher zu fein. Nur soviel ist bekannt, daß man das Brod als tägliches Bedürfniß schon seit altersgrauer Zeit gekannt, geschätzt bei den alten Aegyp- tern und Assyrern, wenn auch das, was man damals so titu- lirte, uns Kindern einer andern Zeit wie Traum erscheint auf Alles, was uns Brod heißt, denn das Brod des frühen Alterthums bestand aus einer Mischung von Mehl, Oel und Gewürzen, als beliebte unentbehrliche Beigabe der täglichen Mahlzeiten. Auch die alten Griechen verstanden sich darauf, Brod zu backen und zu essen, und zwar sind sie die eigent­lichen Autoren des Brodes, wie wir heute es kennen und be­reiten. Diesmal kennt man den Erfinder es war: der Zufall! In die Gestalt eines Sklaven zu Athen gehüllt, ver­anlaßte er, daß derselbe aus Vergeßlichkeit den Rest des an­gerührten Weizenteiges in dem irdenen Gefäße etliche Tage stehen ließ, und dann, als er ihn entfernen wollte und dabei überrascht wurde, schnell aus Furcht vor Strafe dazu schüttete. Wie aber wurde ihm, als der ganze Teig beim Vermischen geheimnißvoll sich hob und gährte, und als sein Herr und dessen Gaste vor Staunen schier außer, sich gerieten über das locker, leckere Brod, das aus diesemverdorbenen" Teig hervorging. So ward das erste rechte Brod entdeckt und ganz Athen war davon so begeistert, daß bald einige Brodmacher sich dort etablirten und die Zubereitung sich immer wehr verbesserte, die Brodsorten sich vermehrten und das Brod zu Athen für das beste galt in ganz Griechenland. Von dort gelangte die Kunst Brod zu backen zu den Römern, welche bei Beginn der christlichen Zeitrechnung schon ca. % Dutzend Arten aufzuweisen hatten. Von den Römern lernten die Ger­manen bie Brodbereitung kennen und mehr ober minder mäch­tige Backöfen blieben lange Zeit hindurch das Wahrzeichen von dem Haus und der Gemeinbe, bis dieselben in der neueren Zeit mit dem Wachsen der Gewerbethätigkert mehr und mehr vom Schauplatze verschwanden. Auch das selbstgebackene Brod hat sich nur einige Heimstätten vorzüglich auf dem Lande und in kleineren Orten noch bewahrt, denn wo wäre gegenwärtig Mangel an Bäckern, Feinbäckern, groben und feinen Brodsorten aller Art? So besitzen wir denn ver­schiedene Roggenbrode, Weizenbrod, Maismehlbrod, Reisbrod, Schrot- ober Grahambrot» (bas Brob der Vegetarianer), Kommisbrod und westfälischen Pumpernickel, Soda-, Milch- nnd Eierbrod, schwarzes und weißes Brod, feines Kümmel- und grobes Maurerbrod ergoSchusterjungen". Dafür ist das schlichte, kräftigeHausmannsbrod" immer seltener geworden, und Mancher hält's wohl heut zu Tage mit jenem Kinde, das, als es in seinem Nachtgebet an die Stelle ge­langte: , Unser täglich Brad gieb uns heute!" geschwind hin­zusetzte:Und recht viel Butter darauf!"

Rebaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.