Ausgabe 
7.1.1893
 
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Las Du erbaut hast, Hans. Adieu! Mein Leben ge­hört Dir, Alles, was ich bin und habe, gehört Dir."

Der Baron geleitete seinen scheidenden Gast bis vor die Hausthüre, und erst als die Hufschläge des Pferdes auf dem Kieswege verhallt waren, kehrte er zu den Tanzenden in den Saal zurück.

Der Donner rollte und der Sturm schüttelte die Bäume im Park, daß Wolken von gelben Blättern durch die Alleen wirbelten. Während die meisten Gäste unbekümmert wnter tanzten, rüsteten Andere zum schleunigen Aufbruch; der ganze Himmel war mit schwarzen Wolken dicht bedeckt, es sah ans, als werde die eigentliche Schwere des Unwetters noch erst los­brechen.

Schade um das Feuerwerk!" hieß es allgemein.Nichts Herrlicheres als der Blick vom Königshügel über Wald und See, wenn die Schwärmer steigen und Alles mit farbigen Lichtern überfluthen!"

Noch regnet es ja nicht I" rief übermüthig Frau Bürklin. Mögen einmal Blitze und Raketen mit einander wetteifern. Wo ist der Baron? Er soll dem Pyrotechniker seine Befehle geben."

Mehr als eine Stimme widersprach.Das hieße doch den Himmel versuchen!" sagte Jemand.

Wenn man ein Feuerwerk abbrennt? Ein ganz neues Dogma!"

Und die schöne Frau lachte spöttisch.Ich würde jede Zündschnur getrost selbst in Brand setzen," rief sie blitzenden Auges.Wer von den Herren begleitet mich?"

Ich!" tönte es rings umher.Und ich! Ich!"

Das kecke schwarze Auge der Dame suchte den Gutsherrn von Dornau.Und Sie, Herr Wolfram?"

Ich möchte mir den Anblick des Gewitters nicht gern durch einige Raketen verkümmern lasten, gnädige Frau."

Ach wie phantastisch! Ich werde also in aller meiner profanen Freude an der Kunstfertigkeit des Pyrotechnikers ohne Ihre werthe Gesellschaft fürlteb nehmen müssen. Kommen Sie, meine Herren!"

Eine Hand hatte in diesem Augenblick den Vorhang zurückgezogen.Es regnet!" hieß es.

Die Tropfen fallen schwer auf das Glasdach."

Und wie der Donner rollt!"

Es gab jetzt schon einige Damen, die das Gesicht in den Kisten der Sophas oder hinter ihren eigenen vorgehaltenen Händen verbargen, achselzuckende Ehemänner und weinende Frauen. Die Musik war nicht niehr im Stande, das Toben der Elemente zu übertönen.

Unmuthig wandte die schöne Königin den Kopf; wie eine schillernde Schlange glitt die rothe Schleppe ihr nach durch den Saal.

Meinen Wagen!" befahl sie dem Diener.

Der Baron suchte den schnellen Entschluß zu entkräften. In diesem Wetter, gnädige Frau?" sagte er sehr erstaunt- Wollen Sie nicht noch warten?"

Das Gewitter schreckt mich nicht!" war die kühle Ant­wort.Ich erfreue mich außerordentlich starker Nerven!"

Eine unangenehme Stille folgte dieser Auseinandersetzung. Baron Moldt war bei der schönen Frau offenbar in Ungnade gefallen. Das fühlten Alle und am meisten er selbst, aber während dieser deutlichen Empfindung brannte in seinem Herzen die geheime Wunde nur um so stärker. Er war vernarrt in diese sprühenden Blicke, diese spöttischen Lippen mit dem feinen lebhaften Purpur.

Ein Diener näherte sich ihm.Herr Baron, dürfte ich bitten!"

Hans Adam fuhr auf; gegen Untergebene war er immer ein gütiger, rücksichtsvoller Gebieter.

Nun, Fischer, was gibt es?"

Frau Consul Bürklin sind in einem Miethwagen gekom­men," antwortete der Lakai,und der Kutscher desselben ja, als er das Fest in der Scheune mit ansah da"

Blieb er hier und ist ein wenig angetrunken, nicht wahr?"

Sehr, Herr Baron, sehr."

Hans Adam lächelte.Lasten Sie ihn vorfahren, Fischer. Das Weitere findet sich."

Frau Bürklin hatte unterdessen in der Damengarderobe ihre Toilette vervollständigt; sie trat jetzt, die Schleppe über dem Arm und mit der Rechten den Federhut haltend, in die Vorhalle des Schlosses hinaus. Klatschende Regentropfen schlugen ihr entgegen, der Sturm pfiff und der Donner rollte unaufhörlich. Vorn auf dem Bocke des Wagens saß nickend im halben Schlafe der Kutscher, dessen Pferd bei jedem Blitz aufsprang und unruhig den Kopf zur Seite waif. Der be­trunkene Mann brummte dann einige unverständliche Worte, die das Thier zu kennen schien, denn es ließ sich bei aller Furcht doch befehlen, wenigstens nicht auf- und davonzugehen.

Baron Moldt klopfte den Rücken des Braunen.Ein ganz junges Pferd, gnädige Frau," sagte er,es erfordert eine feste Hand und einen ruhigen Blick, um bei derartigem Wetter glücklich den Berg hinabzukommen. Sehen Sie den Kutscher an und gestatten Sie mir, Sie nach Hause zu fahren."

Behüte! Wie dürfte ich Sie Ihren Gästen entführen!" Und die Frau im königlichen Gewände trat hinaus, um den Rosselenker prüfend zu betrachten, dann runzelte sie ärger­lich die Stirn.

Ich werde selbst fahren!"

Sie, gnädige Frau? Und in diesem Anzuge?"

Das ist wahr. Fräulein Aßmann muß mir ein Kleid leihen."

Sie ging im Mantel und Hut, unbekümmert um die er­staunten Blicke der Anwesenden, quer durch den Saal und suchte die junge Schwägerin des Schloßherrn, der sie ihre Bitte vortrug.

Ich kann mich mit der Schleppe nicht auf den Kutsch­bock setzen, liebe Ruth. Möchten Sie also die Königin in ein Aschenbrödel verwandeln? Das geschieht ja wohl im Leben sehr häufig, denke ich."

Die beiden Damen verschwanden im Schlafzimmer des jungen Mädchens und kehrten nach einiger Zeit auf einem Um­wege zur Vorhalle zurück. Das seidene Kleid und die Perlen­coiffure lagen oben auf Stühlen und Tischen und Frau Anna stand im grauen, ihr viel zu langen Gewände, mit Regen­mantel und Kapuze im strömenden Regen.

Sie ergriff die Peitsche und berührte mit dem Stiel der­selben den Arm des betrunkenen Kutschers.

Herunter!"

Der Mann öffnete schläfrig die Augen. Er sah das blasse, zornige Gesicht der Dame und ihre entschlossene Haltung, er hörte den Ton des kurzen, gemessenen Befehles und durch sein umnebeltes Begriffsvermögen ging die Erinnerung an beträcht­liche Hiebe, welche er bei Gelegenheiten wie diese schon früher erhalten hatte. Schwerfällig kletterte er vom Bock und lehnte sich gegen die Mauer des Schlosses, um sicher zu stehen.

Zwei Lakaien nahmen ihn im Fluge mit sich fort, wäh­rend Frau Bürklin gewandt wie ein Turner den verlassenen Thron erklomm.

Bitte jetzt, Herr Baron."

(Fortsetzung folgt.)

GsMZinnNtziges«

Das Schuhwerk der Schulkinder. Im Herbste und Winter und überhaupt zur Regenzeit ist es eine ost ge­hörte Klage, daß das Schubwerk der Kinder nicht wasserdicht ist, sie deshalb mit durchnäßten Füßen in der Schule sitzen müssen und mit Recht für Erkältungen der Grund in diesem Uebelstande gesucht wird. Demselben läßt sich aber mit ge­ringer Mühe und geringen Kosten abhelfen, wenn man neue Schuhs und Stiefel, ehe sie getragen sind, folgendem Verfahren unterwirft: Man bestreicht die Sohlen mittels eines Pinsels mit gekochtem lauwarmem Leinöl und läßt dasselbe in der Sonne einziehen. Auf dem Oberleder wird wiederholt mit