Ausgabe 
7.1.1893
 
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Ziel! Denke Dir, man hat mir zweitausend Thaler Gehalt bewilligt!"

Diese filzigen Dividendenschlucker! Wie willst Du mit der geringen Summe auskommen, armer Kerl?"

Mit zweitausend Thalern? Wir können ja nicht Alle Rittergüter besitzen und als Millionäre durch die Welt gehen, Hans. Ich sage Dir, Mieze und ich bauen unser Nest in einem wahren Freudenrausch, wir tragen jedes Einrichtungs­stück, jeden Fetzen Leinwand zusammen wie die Hamster. Und erst meine alte Mutter! Die Arme, sie hat bis jetzt in der großstädtischen Dachstube geseffen und um einen Hungerlohn gearbeitet; nun soll sie dafür das beste Zimmer haben, den Blick auf Felder und Gärten, sie soll nur noch spazieren gehen und schlafen. Hans, Hans, und all' dies unsagbare Glück ver­danke ich Dir!"

Warum nicht gar! Ihr habt also die Wohnung schon

gemiethet?"

Ja. Mama und Mieze sind hier, um Alles einzurichten. Wie die Kinder treiben wir es, Eins immer noch toller als

das Andere. Gemüsebeete will Mama anlegen, ohne ein Blumengärtchen thut es Mieze auf keinen Fall und was mich selbst betrifft, so möchte ich wohl einen Hund haben, so einen ganz großen am liebsten sogar zwei-"

Der Schlvßherr lachte laut heraus.Du kannst junge Ulmer Doggen von mir bekommen, Willibald, ein ganzes Nest voll. Alles, was Deine Frau Gemahlin später säen oder pflanzen möchte, steht ihr bei meinem Gärtner zu Diensten. Wo liegt übrigens Eure neue Wohnung?"

An der Tannhäuserstraße. Das kleine Nest mit dem Epheu und dem Geranks von rothen Rosen."

Aha, ich weiß. Wenn Du meiner Frau"

Einen Augenblick," unterbrach der Director.Laß mich Dir, ehe ich es vergesse, eine Frage vorlegen. Die Baronin ist eine geborene Aßmann, nicht wahr?"

, Ja-"

",Hat sie in Frankfurt am Main einen Verwandten?"

Der Schloßherr wurde plötzlich aufmerksam.Gewiß!" rief er.Ein Bruder ihres verstorbenen Vaters lebt dort, Leopold Aßmann; er ist Bankier und soll sehr reich sein."

Willibald hatte seine Brieftasche hervorgezogen.Der ist es," bestätigte er.Wir standen zu der Firma in dauernder Beziehung, aber jetzt kann ich Dir mittheilen, daß der alte Herr alle Geschäfte aufgegeben hat und daß er lebensgefähr­lich erkrankt ist- Ein Herzleiden, wie ich hörte."

Auf dem Gesichte des Barons kam und ging die Farbe. Also schwer krank?" sagte er wie zu sich.Willibald, mein alter Junge, hast Du eine Ahnung, wie viel Vermögen da vorhanden fein mag?"

Der Director zuckte.die Achseln.Ich weiß leider gar nichts, Hans. Die Baronin und Fräulein Ruth werden ver- muthlich Alles erben."

Ja. Eben darum."

Kennst Du den alten Herrn, Hans?"

Ich habe ihn ein einziges Mal persönlich gesehen. Leo­pold Aßmann lebte seit einem Menschenalter in Californien; er war mit seinem Bruder, dem Vater meiner Frau, schon aus fernen Jugendtagen her vollständig entzweit natürlich eines Mädchens wegen und nahm auch, als ihm der Tod mei­nes Schwiegervaters angezeigt wurde, von diesem Briefe keine Notiz, ebensowenig bekümmerte er sich um die in sehr bedräng­ten Verhältnissen zurückgebliebene Wittwe; dann aber, als auch diese starb, erwachte doch wohl bet ihm das Gewissen- Er kam hierher und hat ein Testament zu Gunsten seiner beiden Nichten hinterlegt; ich selbst war einer der Zeugen-"

Und Du erfuhrst über die Höhe der Hinterlassenschaft nichts Sicheres?" .

Keine Andeutung. Das Testament hat nur drei Zeilen, es enthält lediglich die Bestimmung, daß das gefammte vor­handene Vermögen zu gleichen Thetlen meiner Frau und meiner Schwägerin zufallen soll; weiter nichts."

Willibald zuckte die Achseln-Im Grunde ist das genug, nicht wahr, Hans? Du selbst bist ein reicher Mann, den es

schwerlich interessirt, wie viele Tausende seinem Besitze hinzu­kommen."

O! Bester Junge, welche Illusionen! Wenn sich in diesem Augenblick Jemand fände, der mir einmalhundertund- achtzigtausend Mark vorstrecken könnte, ach, wie glücklich wäre ich!"

Der Bankdirector erschrak.Aber ich bitte Dich, Hans, welch' eine Unsumme!" rief er aus.

Hans Adam lächelte.Von Deinem Standpunkt gesehen, Willibald. Bedenke aber, daß Moldt mit allen seinen Lände­reien einen Werth von über zwei Millionen besitzt. Dagegen verschwindet jene Summe zum Nichts."

Ja, aber"

Du meinst, wozu ich das viele Geld gebrauchen will? Nun, zunächst, um meine drängenden Gläubiger zu befriedigen, dann aber auch eines Lieblingsplanes wegen- Ich habe eine Idee, die mich fchon seit Jahren beschäftigt, die nie weichen will und von deren Verwirklichung ich mir einen enormen Gewinn verspreche. Aber zur Anbahnung des Geschäftes ge­hören größere Baarsummen, und die fehlen mir."

Darf man fragen, an was Du bei diesen Worten denkst, Hans?"

Natürlich, alter Junge, es ist eine Bernsteingräberei, die ich im Auge habe, großen Stils, wie Du begreifst, Willibald, mittels durchaus verschiedener Maschinen. Der Gewinn könnte fürstlich werden."

Sind denn am Strande auf Deinem Gebiete schon Spuren des vorhandenen Bernsteins entdeckt worden?"

Bei jedem Sturm, jeder Springfluth. Es ist meine feste Ueberzeugung, daß in der Tiefe der Dünenkette ein ungeheures Lager verborgen liegt, Hunderttausends an Werth, aber gleichsam bewacht von einem feurigen Drachen- Man kann da ohne Geld nichts anfangen."

Dann solltest Du eine Actiengesellschaft gründen, Hans!"

Damit diese Leute den Gewinn in ihre eigenen Taschen stecken? Prosit! Eines Tages komme ich selbst auf irgend eine Weise zu Vermögen bis dahin liegt der Schatz im Dünen­sand sicher geborgen."

Aber", fügte er, die dritte Flasche aus dem Kübel hebend, mit seinem bestrickenden Lächeln hinzu,davon wollen wir uns nicht unterhalten. Auf das Wohl Deiner liebenswürdigen Braut, Willibald! Selbstverständlich wird Eure Hochzeit hier auf Moldt gefeiert."

Hans Du wolltest"

Natürlich, Fräulein

Bühring!" half der Director ein.

Fräulein Bühring hat ja keine Eltern mehr, nicht wahr ?"

Nein. Sie ist während der langen Jahre unseres Braut­standes als Gouvernante in fremden Häusern gewesen da­her ja gerade das unermeßliche Glück der Erlösung- O, Hans, wie herzinnig danke ich Dir- Käme es eines Tages darauf an, für Dich das Leben in die Schanze zu schlagen, ich thäte es."

Unsinn, Willibald. Sahst Du eben den Blitz, der über den Himmel zuckte, gerade, als Du das unkluge Wort sprachst?"

Der Director lachte.Es blitzt schon feit längerer Zeit, Hans. Hast Du das nicht bemerkt? -- Wie blaß Du nur geworden bist."

Der Schloßherr zauderte.Es sah aus, als fahre der glänzende Pfeil gerade zwischen Dir und mir durch die Luft. Vielleicht bin ich ein wenig abergläubisch, mein Alter."

Und er stürzte hastig zwei Gläser Wein nacheinander hinab.Fischer, lassen Sie die Glaswände schließen, rasch!"

Die Dienerschaft hatte fchon Hand angelegt und jetzt er­hob sich noch Willibald, um den Rückweg zur Stadt anzutreten. Ich habe ein Miethspferd im Stalle," sagte er.Es muß sein, Hans. Mama und Mieze würden sich auf jeden Fall ängstigen."

Und das darf nicht geschehen, ich weiß es. Hoffentlich ist meine arme Cilli in den nächsten Tagen so weit wieder her­gestellt, daß Du Deine Damen hierher bringen kannst. Ihr zieht nach Moldt, bis Du verheirathet bist und dann in das Haus mit Rosen, in Euer Paradies!"