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Nr. 3
1893
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Nntevh«ltttngsblatt zunr Giefzenev Anzeigev (Genev^l-Anz-igev)
Samstag, den 7. Januar.
Dämon Gold.
Original - Roman von W. Höffer.
(Fortsetzung).
Ein Schauer ging durch die schlanke Gestalt des Mädchens, die Wimpern senkten sich, wie um ein Geheimniß zu verbergen, aber über die bebenden Lippen kam keine Sllbe.
„Bringen Sie mich hinaus, Adele," hauchte die Baronin. „Und Du, Hansi, geh' zu den Gästen, tanze, sei froh — laß Niemand etwas bemerken."
Er zögerte noch. „Aber Schatz, Du siehstzschlecht aus!" „Geh! Geh! — Ich will es!"
„Fräulein Malten, ich überlaste Ihnen die Sorge für meine Frau!"
„Gewiß, Herr Baron!"
Hans Adam legte sanft die Halbohnmächtige in die Arme des jungen Mädchens, dabei berührten sich zufällig seine und ihre Hand; er bückte sich, um in seiner ritterlichen Weise diese bebenden Fingerspitzen zu küsten. „Tausend Dank, Fräulein Malten!"
Dann öffnete er eine Seitenthür und winkte einem Diener. „Rufen Sie das Kammermädchen, Fischer!"
Der Lakai verschwand, und während Hans Adam die Thür wieder schloß, brach die Baronin ohnmächtig zusammen. Die Gesellschafterin konnte nur gerade schnell genug zugreifen, um den leichten Körper der jungen Frau auf ein Ruhebett zu legen.
Es war ein seltsamer Blick, mit dem Adele auf die Ohnmächtige hinabsah. Wie unheimlich es in den dunklen Augen aufblitzte, wie sich die ruhigen Linien des Gesichtes verändern konnten.
Ehe der Lakai mit dem Kammermädchen zurückkehrte, erhob Adele, allein mit sich und der Bewußtlosen, ihre eigene Hand zu den heißen, bebenden Lippen. Sie küßte leidenschaftlich die Stelle, welche vorhin der Mund des Barons secunden- lang in flüchtigem Drucke berührt hatte, ihre Brust hob und senkte sich wie im gewaltsam bekämpften Schluchzen.
Als der Baron in den Saal zurückkehrte, kam ihm Ruth mit ängstlicher Miene entgegen. „Ist Cäcilie krank?" fragte sie hastig. „Soll ich zu ihr gehen?"
Er schüttelte abwehrend den Kopf. „Das laß nur, Kleine. Fräulein Malten ist bei ihr. Cilli selbst bat mich ausdrücklich, keine Störung zu verursachen."
Ruth fah ihn an. „Fräulein Malten ist bei ihr," wiederholte sie. „Damit scheint für Dich Alles gesagt zu sein, Hans.
Was Du doch an dieser Persönlichkeit nur so hoch schätzest? Ich verabscheue sie."
Der Baron lachte. „Ich habe mich mit der jungen Dame in Gedanken nie beschäftigt, kleine Ruth," versetzte er. „Cilli ist an ihre Nähe gewöhnt und hält große Stücke auf sie — voilä tont!"
„Ich mag sie nicht!" beharrte Ruth. „Ihre Hände sind immer kalt wie Schlangenhaut, das ist ein schlechtes Zeichen."
„Meinst Du? — O weh, und ich habe vor fünf Minuten diese geschmähte Hand noch geküßt!"
„Hans! — Du?"
Und Ruth sah aus, als sei etwas Entsetzliches geschehen. „Du?"
Er nahm ihren Kopf zwischen seine beiden Hände und tätschelte sie, wie man es einem kleinen Kinde thut. „Laß doch Fräulein Malten!" sagte er lachend. „Was ist uns Hekuba? — Komm', wir wollen tanzen."
„Nein, nein, Hans! Du lieber Gott, ich vergaß das Hauptsächlichste. Es ist ein Herr da, der Dich sucht."
Der Baron biß sich auf die Lippen. „Kennst Du ihn, Ruth?"
„Nein — aber hier ist seine Karte."
„Willibald!" rief nach dem ersten Blick der Baron. „Willibald, mein lieber, alter Junge — wo finde ich ihn?"
Und er stürmte durch das Gewühl, um den Fremden zu suchen. Wenige Augenblicke später hatte er ihn aus einer Ecke hervorgezogen und begrüßte ihn nun auf das Lebhafteste. „Wie freue ich mich, Willibald! Jetzt darfst Du aber so bald nicht wieder an die Abreise denken."
„Oho!" lächelte der Andere, eine angenehme männliche Erscheinung von etwa dreißig Jahren, „ich muß morgen meine neue Stellung antreten, Hans. Gott vergelte Dir, daß Du sie mir durch Deinen Einfluß verschafftest. Ich bin wohlbestallter Director an der Bankfiliale in der Stadt geworden."
Baron Moldt schüttelte ihm kräftig die Hand. „Da gratulire ich Dir, Willibald! Das ist doch einmal eine recht frohe Botschaft. Komm', wir wollen auf Dein Wohl eine Flasche Sect trinken!"
Er zog bei diesen Worten den Andern in eine grün umsponnene Nische und schon nach wenigen Minuten klangen die Kelche aneinander. „Sei glücklich, Willibald — Du und Die, welche Dir theuer find! Bist Du bereits verheirathet?"
Der junge Bankdirector schüttelte lächelnd den Kopf. „Noch nicht, Hans, aber meine Mieze und ich bereiten Alle» zur Hochzeit. Wenn Du das Glück sähest, die immer neue, jubelveoll Freude! Zehn Jahre verlobt und nun endlich am


