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Wirkt das Briesmarkensammeln in der Familie erziehlich oder verdirbt es den Character?
Das ist eine Frage, die von Verschiedenen verschieden beantwortet werden wird- Es wird gesagt, daß die Jugend da» durch zu geographischen Kenntnissen gelangt. Meiner Erfahrung nach sind die durch den Briefmarkensport erworbenen Kennt« nisie in Geographie ziemlich oberflächlicher Art. Ich stellte Nachforschung an in Bezug aus Argentinien, deffen Marken in der letzten Zeit „gefragt" waren, und erfuhr bei dieser Ge« legenheit, daß man eigentlich nur den Namen des Landes kannte. Von seiner Lage, seiner Bodenbeschaffenheit, seinem Klima, seiner Bewohnerschaft, feiner so sehr intereffanten Fauna und Flora, wie von seinen nicht ganz geordneten Finanzen wußte man so gut wie gar nichts. Ebenso verhielt es sich in Bezug auf verschiedene andere Staatengebtlde der alten und neuen Welt. Nun, es ist ja von Nutzen, auch nur die Namen der verschiedenen Länder kennen zu lernen. Diese aber prägt sich der junge Sammler leichter aus seinem Briefmarkenalbum ein als aus dem Handbuch der Geographie. Nach und nach fetzt sich doch bei ihm fest, was für Länder es in den verschiedenen Welttheilen gibt und er erhält vor allem, was für ihn nur von Nutzen fein kann, einen Begriff von der ungeheueren Ausbreitung und Macht des Britenvolkes. Uebrigens führt der Briefmarkensport leicht auch zu einer oberflächlichen und einseitigen Anschauung politischer Ereignisse. Wird irgendwo eine Regierung gestürzt, so begrüßt man das stets mit Freude, weil man hofft, daß die neue Regierung neue Briefmarken einführen wird. Darüber nachzudenken, ob die Ver« änderung der politischen Verhältnisse dem Lande, in dem sie stattgefunden hat, zum Fluche oder zum Segen gereichen wird, fällt dem eifrigen Sammler gar nicht ein. Den Sturz wie die Erhebung eines Tyrannen betrachtet er nur vom Sammeler« standpunkt aus. Das ist aber doch ein Standpunkt, den der zukünftige Staatsbürger, auch wenn er noch in der Quarta sitzt, nicht mehr einnehmen sollte. Es ist wahr, daß in Briefmarken viel Geld angelegt wird, das sonst für Näschereien draufgehen würde. Das Markensammeln ist daher vielleicht in sanitärer Beziehung von günstigem Einfluß. Eine Masse Geld wandert fortwährend zum Briefmarkenhändler, der vornehmlich durch die Schuljugend zum wohlhabendem Mann gemacht wird. Ich möchte wissen, wie groß in der letzten Zeit der Umsatz in den neuen Columbusmarken, „die Jeder haben muß", gewesen ist. Alles, was neuerdings von guten Onkeln und Tanten zu Geburtstagen oder sonst an Nickel und Silber gespendet ward, wurde zur Anschaffung dieser kleinen, allerdings recht niedlichen Werthpapiere verwendet. Ich bewundere fast unsere Jungen. In meiner Jugendzeit waren wir nicht so, wenn ich mich recht erinnere. Für Sammlungen hatten wir nicht viel übrig. Wir hätten nicht um einer Briefmarke willen auf alle Genüsse, die man sich sonst für einen Silbergroschen verschaffen konnte, verzichtet. Ich gebe zu, daß das Briefmarkensammeln den Verstand schärft. Der Markenhandel ist ein Geschäft wie Pferde- und Weinhandel: man muß dabei sehr vorsichtig sein, sonst bekommt man Neudrucke in sein Album oder sonstige werthlose Waare. Es liegt aber im Markensammeln eine große Gefahr für den Character wie in allem Sammeln, wenn es zur Leidenschaft geworden ist. Bekannt ist ja, daß eine kleine Muschel, die ihm gerade noch fehlt, eine seltene Pflanze, die er lange schon zu besitzen wünscht, bei einem Sammler den festesten Vorsatz, immer Treu und Redlichkeit zu üben, ins Schwanken bringen kann- Und nur zu leicht macht sich im Briefmarkenverkehr eine schlechte Geschäftspraxis geltend. Zu nicht geringem Theil beruht das Markensammeln auf dem Tauschgeschäft und beim Tauschen sucht selbst unter Verwandten und Freunden einer de« andern gern zu überoortheilen. Das führt mitunter zu kleinen Zerwürfnissen. Da kommt Lottchen z. B- seelenver
gnügt angesprungen und sagt: „Ich habe meine Chocolade an Fritz gegen Belgier (so sagt man in Sammlerkreisen) ver-i tauscht". Also Lottchen klebt ihre Marken ein und Fritz ißt die Chocolade auf: nach einer Welle wird Lottchen nachdenklich und niedergeschlagen. Auf die Frage, was ihr fehle, erwidert sie: „Chocolade schmeckt doch zu gut — und dann . . ." „Und dann?" — „Und dann — wer weiß, ob Belgier wirklich so selten sind, wie Fritz gesagt hat".
Vermischtes.
Der geprellte Dieb. Kellner: „Ach, Herr Müller, es ist etwas Schreckliches passirt, ein Dieb hat Ihren Ueber- zieher vom Kleiderhaken gestohlen". Stud. Müller: „Schad't nichts, den krieg' ich schon wieder, der Dieb wird ihn jedenfalls versetzen wolle«, jeder Pfandleiher in der Stadt weiß, daß er der meinige ist l"
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Der kleine Hans: „Weißt Du, Mama, das ist recht komisch, wie Schwester Adelheid und Alfred Keck, wenn er bei uns zu Besuch ist, Limonade machen I" — Mama: „So? Wie machen sie denn das?" — Der kleine Hans: „Schwester Adelheid drückt die Citrone und Alfred Keck drückt Schwester Adelheid."
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Neuestes aus Amerika. Ein amerikanischer Farmer, der einer Kuh statt des gewöhnlichen Futters eine Zeit lang Malz und Hopfen zu fressen gab, sah seine Bemühungen end« sich mit Erfolg belohnt, indem die Kuh Bier anstatt Milch gab. Die Entdeckung hat unter amerikanischen Bierbrauern einen allgemeinen Schrecken hervorgerusen, der sich bald auch nach Europa verbreiten wird. Denn offenbar sind die Bierbrauer dieser Concurrenz nicht gewachsen, und sobald einmal die Wirthshausschilder „Bier frisch von der Kuh" an- kündigen, wird es mit ihnen vorbei sein. Der Wirth hat in Zukunft statt des Schanktisches mit der Pumpe nur einen sauberen Kuhstall hinter der Gaststube einzurichten, das Bier ist unter allen Umständen frisch, Nachtwächter und die schlimme Saison, in der es kein Lagerbier gibt, sind vorüber. Wer probirt's?
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Kaltblütig. „Warum riechen Sie denn so oft an der Wurscht?" — Gast: „Weil sie schlecht riecht!" — „Na, da sollten Sie aber erscht recht nicht daran riechen!"
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Bestätigt. Sonntagsreiter: „Und wie der Gaul parkt, solltest Du sehen; er steht wie eine Mauer!" — Freund: „Ich hab'« diesen Morgen gesehen; er stand ja fast eine halbe Stnnde so!" * *
Hoston- Hofmarschall: „Wie fanden Sie Seine Hoheit?" — Medicinalrath: „In hohem Grade nervös." — Hof« marschall: „Bitte, in Allerhöchstem Grade."
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Auf dem Balle. Erster Lieutenant: „Haben sehr heiß, Kamerad! Tanzt denn Ihre Dame so schwer?" — Zweiter Lieutenant: „Furchtbar! Man glaubt, sie schleppe ihre ganze Kaution in Nickeln mit sich herum!"
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Heroismus. Sie: „Lieber Karl, bevor wir heiratheten, hast Du oft gewünscht, eine Heldenthat zu begehen, um mir Deine Liebe zu beweisen! Denkst Du noch so?" — „Natürlich!" — Sie: „Nun, dann geh' in die Küche und kundige unserer Köchin!"
Nedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


