Ausgabe 
6.7.1893
 
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Eben deshalb I" erklärte er mit gepreßter Stimme.Ich will Sie nie Wiedersehen; denn ich kann nicht um Sie an­halten ich habe Schulden"

Das schadet nichts," widersprach sie eifrig,ich habe Geld genug! Erna hat gleich bei der Heirath 100,000 Thaler erhalten! Dasselbe kann ich auch beanspruchen! Reicht das nicht?" fragte sie bestürzt, da er ernst den Kopf schüttelte. Hilflos wie ein bittendes Kind blickte sie ihn an, die Augen voll Thränen-

Er zog ihre Hände an die Lippen und sprach bewegt: Ich danke Ihnen für Ihre Güte, für Ihre Liebe; die Er­innerung daran wird mein höchstes Glück sein in einsamen Stunden. Ich kann nicht, darf nicht anders handeln. Eines muß dem Mann höher stehen, als Alles, auch als das Mäd­chen seiner Liebe: die Ehre!" Er ließ ihre Hände sinken und wandte sich schnell zum Gehen. Ec durfte sie nicht länger ansehen, wollte er nicht seinen Vorsätzen untreu werden.

Aufschluchzend barg Asta ihr Gesicht in das Sophakisien.

So fand sie Herr von Schönholz. Erschrocken begehrte er zu wissen, was vorgefallen sei.

Papa, er will mich nicht!" jammerte sie.

Um Himmelswillen, Du hast Dich ihm wohl gar an­geboten ?" Er schlug die Hände zusammen.Was muß man nicht Alles an seinen Kindern erleben! Und da wünschte ich mir noch Söhne zu den Töchtern!"

Asta schnellte in die Höhe. Ihre Thränen versiegten für den Augenblick.Er liebt mich, Papa," vertheidigte sie sich mit Würde,aber er hat Schulden!"

Daran stößt Du Dich? Dann liebst Du ihn auch nicht!" entschied Herr von Schönholz.

Ach, Papa, Du verstehst mich nicht, weil er Schulden hat. Er ist ja so schrecklich stolz! Seine Ehre verbietet es ihm!" Sie weinte von Neuem.Und das Schlimmste ist, Papachen, nun bin ich ihm erst recht gut!" Bitterlich schluchzend schlang sie die Arme um den Hals ihres Vaters.Ach, mein lieber Papa, nun muß ich eine alte Jungfer werden!"

Herr von Schönholz lächelte beruhigt.Ach, so stehen die Sachen? Nun, dann hat es keine Noth! Er wird schon mit sich reden lasten!"

Nein, Papa, nein," wiederholte Asta mit trauriger Resig­nation,er ist ja so schrecklich stolz!"

Hans unterbrach sie. Er meldete seiner Frau Besuch für den Nachmittag an. Er kam von seiner Cousine. Es stände sehr schlecht um Strehlen, berichtete er, sein Zustand laste das Schlimmste befürchten, wenngleich der Geheimrath noch voll Zuversicht scheine, ihn durchzubringen. Die Feldner hätte keine. Sie habe ihm gegenüber eine derartige Andeutung fallen lasten und sie habe schon viele Typhuskranke unter den Händen ge­habt. Er sprach feierlich ernst und gemessen, als spräche er schon von einem Tobten.

In seinen Gedanken zählte er auch Strehlen nicht mehr zu den Lebenden, denn für ihn knüpften sich tausend Hoffnungen an dies Hinscheiden und was der Mensch hofft, das glaubt er auch- Mit Erna hatte Hans eine harte Auseinandersetzung gehabt; das WortTrennung" war ihm dabei entschlüpft. Sie war nicht außer sich gerathen, sondern hatte es hingenom­men wie etwas Selbstverständliches. Voraussichtlich würde sie also gern in die Scheidung willigen. Er wurde dadurch ein freier Mann, dem sich die beglückendsten, glänzendsten Aussichten eröffneten. Leonore war schöner und begehrenswerther als je. Sie war dann Wittwe und Erbin eines unermeßlichen Reich- thums. Sie hatte ihm Alles verziehen, sie liebte ihn noch immer! Erst die letzte Stunde hatte ihm neue Beweise dafür geliefert. Sie würde schriftlich bei Tante Anna nichts aus­richten, hatte sie ihm an der Thür des Krankenzimmers zu­geraunt, ihren kranken Mann könne sie nicht, auch nicht auf noch so kurze Zeit verlassen; zudem würde die Tante sie nicht empfangen.

Wenn er nur eine Abschlagszahlung leisten könne, hatte er darauf gemeint.

Sie hatte geseufzt. Freies Geld habe sie nicht zur Ver­fügung, wenigsten» nicht eine Summe, die annähernd genügen

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würde. Die laufenden Ausgaben mußten doch bestritten werden.

Er hatte sie nicht weiter gedrängt; aber fein Gesicht mußte ihr wohl verrathen haben, welchen Eindruck ihm der abschlägige Bescheid machte.Es hängt Alles davon ab, armer Hans?" hatte sie vor sich hingemurmelt.

Ja, Leonie," bestätigte er düster.

Da hatte es in ihren Augen freudig aufgeblitzt. Ein rettender Gedanke war ihr gekommen; ihre Schmucksachen, ihr kostbares Perlencollier waren ihr eingefallen.

Der Oberst rief sie eben. Sie hatte rasch in die Tasche gegriffen.Da nimm, Han»! Der kleinere der beiden Schlüssel ist für das Juwelenschränkchen!" bedeutete sie ihn hastig.Es steht auf dem Barocktisch in meinem Boudoir. Nimm Alles, nur den Hochzeitsschmuck, den ich von Ludwig erhielt, rühre nicht an, Du kennst ihn ja, und ein altmodisches Medaillon mit Brillanten in einem buntbeklebten Pappkästchen. Laß Dir beim Bankier, bei Friedberg, Geld darauf leihen. Das Collier ist sehr werthvoll! Du wirst hinreichend genug erhalten für die Anzahlung!"

Konnte er noch mehr Belege dafür verlangen, daß er ihr theuer war?

* * *

Frau von Schönholz konnte schon wieder aufstehen. Sie lag im weichen, kissenbelegten Stuhl. Sie war noch sehr matt und angegriffen und mit ihrem Denken ging es langsam. Weshalb Erna so lange weggeblieben, hatte man ihr ver­schwiegen. Asta hatte auf des Arztes Weisung die Ausrede gehabt, Erna sei nicht ganz wohl gewesen.

Ein Wagen rollte und hielt vor der Thür.

Der Geheimrath wird gleich kommen, Mamachen!" Asta hatte vom Fenster aus da» wohlbekannte Gespann mit den Grauschimmeln daherbrausen sehen.

Sie sind ja beinahe blühend!" scherzte der Geheimrath. Er mußte guter Laune sein.Diese zarte, junge Röthe hat kaum eine Sechzehnjährige. Der reine Johannistrieb! Sie merken mir wohl an, ich bringe eine frohe Kunde? Sehen mich so gespannt an? Ja, er ist gerettet!" Er rieb sich vergnügt die Hände und ließ sich schwer in den Sessel fallen.Wir haben das Fieber glücklich untergekriegt, die Feldner und ich! Die gnädige Frau nicht zu vergessen und vor allen Dingen Den da droben, ohne Den wir alle nichts können! Es war ein harter Kampf! Wir haben ihn dem Tode buchstäblich ab­gerungen I" Dankend nahm er den von Asta dargereichten Wein und ließ sich's gern gefallen, daß man auf fein Wohl anstieß.

Onkel Strehlen wird gesund. Die Freude, Papachen! Ach, laß mich zu Leonie!" quälte Asta.

Nichts da, es wird hier geblieben!" gebot Herr von Schönholz.Ich muß jetzt ausgehen. Setz' Dich dort zu Mama auf den Schemel, flunkere ihr etwas vor und vertreibe ihr die Zeit bis zu meiner Rückkehr!" Er schmunzelte dabei und nickte seiner Frau geheimnißvoll zu, und Frau von Schön­holz lächelte vergnügt in sich hinein und blickte überlegen und halb mitleidig auf Asta. Sie betrachtete sich mit großer Auf­merksamkeit ihre Hände und schob den Trauring am Finger auf und ab bis zum Gelenk.Ich bin recht mager geworden; der Ring sitzt sehr lose," bemerkte sie, aber mit einer vergnüg­ten Miene. Es schien ihr dies eine recht angenehme Entdeckung zu sein.

Asta schüttelte den Kopf. Es war nicht Alles ganz richtig; es mußte irgend etwas im Werke fein, eine lieber- rafchung, von der die Mama wußte und welche sie schlau genug war, für sich zu behalten. Eine Weile darauf Asta hatte gegrübelt und vergebens versucht, die Mama auszuholen, kehrte Herr von Schönholz zurück.

Hab' ich doch richtig mein Taschentuch im Salon liegen lassen!" brummte er verdrießlich.Du holst es mir wohl!"

(Fortsetzung folgt.)