1893.
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Dienstag, den 5. December.
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Dunkele Mächte.
Novelle von H. v. Limpurg.
(Fortsetzung.)
Und er bot, jeden Widerspruch abschneidend, dem schönen Mädchen den Arm, führte es zum Flügel und übernahm, nachdem ein Lied gewählt, die Begleitung.
Therese hatte sich, um irgend welche Scene zu vermeiden, mit vollster Energie gefaßt und begann das schwermüthig-schöne Lied aus dem Trompeter:
„Es ist im Leben häßlich eingerichtet. Daß bei den Rosen gleich die Dornen steh'n."
Voll und weich brauste ihre wundervolle Altstimme durch den Salon; Arthur Fels lehnte mit verschränkten Armen am Fensterpfeiler und schaute starr vor sich hin. Er wußte, daß ihm allein die süßen Liebesworte galten und dennoch legte der todestrübe Refrain sich wie ein Alp auf feine Brust:
„Behüt' dich Gott, es mär' so schön gewesen, Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein!"
„Herr Doctor," sagte plötzlich halblaut eine tiefe Stimme neben ihm, „ich muß Ihnen einige Worte sagen, die mich schwer bedrücken."
Die Gräfin stand vor ihm und ihre schönen, ernsten Augen blickten den jungen Mann eigenthümlich an. „Frau Gräfin," sagte Arthur bewegt, „Sie zürnen mir —"
„Nein, das thue ich nicht, ich bedauere Sie ebenso wie mein armes Kind! Ihnen Beiden ist der erste Glücksschimmer aus dem Leben mit rauher Hand fortgewischt; gebe Gott, daß die Wunde nicht allzu tief ist. Arthur — Sie müssen entsagen, gerade weil Sie Therese so wahr und treu lieben!"
„Frau Gräfin!" —
Wie ein dumpfer Wehlaut rang es sich von den bärtigen Manneslippen, doch die Dame blieb fest.
„Seien Sie muthig, Arthur, Gott mag Ihnen helfen; Sie machen Therese unglücklich, wenn Sie nicht von ihr lassen 1 Mein Mann gibt niemals die Verbindung mit Ihnen zu, eher verstößt er sein einziges Kind."
„Aber, Frau Gräfin, wollen Sie denn zugeben, daß Therese an der Seite jenes Mannes, dem der Lebemann auf der Stirn geschrieben steht, unglücklich wird?"
„Wir Frauen müssen uns fügen, mein Freund," seufzte die bleiche Frau. „Glauben Sie denn, daß ich meines Herzens Neigung folgte, als ich mit Graf Weilern vor den Altar trat? Ich habe gelitten und gerungen, wie so manches Weib vor mir und — ich habe überwunden! Daß mein armes Kind das
selbe Weh erleben muß wie ihre Mutter, schneidet mir wie ein Schwert in die Seele, aber sie wird es ebenfalls durch- kämpfen, sie hat eine starke Seele!"
„Ich kann nicht so ohne Weiteres entsagen, Frau Gräfin, geben Sie mir Frist."
„Bis morgen, Herr Doctor, es gibt keinen Ausweg — Sie müssen entsagen —"
„Wir wollen uns jetzt empfehlen," tönte des Oberförsters Stimme beinahe noch hinein in die Worte der Gräfin. — „Komm', Arthur, es wird Zeit."
Des Oberförsters Blick flog von der Gräfin zu dem Sohne, feine Verabschiedung war kühl und steif. Als Vater und Sohn vor dem Schlosse standen, frug ersterer, sich beinahe drohend zu Arthur wendend: „Was sollten jene Worte der Gräfin bedeuten, mein Sohn? Ich habe heute Abend eine ganz eigenthümliche Entdeckung gemacht."
„Nun denn, lieber Vater, so kann meine Erklärung Dich keineswegs sehr befremden. Ich liebe Gräfin Therese Weilern und werde auch von ihr geliebt."
Der Oberförster schritt schweigend vorwärts und Arthur konnte im Dunkeln nicht sehen, wie es in des Vaters Antlitz zuckte und arbeitete. Nach einer Weile sagte der Oberförster kalt: „Die Gräfin hatte übrigens Recht, Arthur, es gibt keinen anderen Ausweg in dieser Frage, als den, daß Du entsagen mußt."
„Ich vermag es aber nicht, Vater," erwiderte der junge Arzt entschieden.
Da blieb der Oberförster vor dem Sohne stehen, seine Faust ballte sich, die Zornesader an seinen Schläfen schwoll hoch an und er frug mit grollender Stimme: „Bist Du ein Mann, Arthur, der also spricht? Siehst Du denn nicht ein, welch' ein Abgrund gähnt zwischen der Comteß von Weilern und dem schlichten, bürgerlichen Arzt, dessen Vater in den Diensten des Grafen steht? Du hast schon Unrecht gehandelt, daß Du gegenüber der Comteß von Siebe gesprochen hast, denn daß dem so ist, sagten mir Eure Blicke bei Tische gang unverhohlen. Nun aber mache Deinen Fehler rasch wieder gut und reiße Dich los von dieser unglücklichen Neigung, damit die Comteß nicht mit Dir elend wird. Du weißt doch wohl, was Gott der Herr sagt vom Gehorsam der Kinder gegen die Eltern."
„O, Vater, Du hast hier nicht ganz Recht. Darf den« der Graf sein Kind unglücklich und elend machen, wenn er sie zwingen wird, jenen serbischen Fürsten zu heirathen?"
„Das ist nicht unsere Sache, mein Sohn. Reiß' Deine Liebe aus dem Herzen, wenn es auch bluten mag; Gott gebe Dir Kraft dazu!"


