Ausgabe 
5.10.1893
 
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Donnerstag, den 5. Oktober.

1893

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Dunkle Mächte.

Novelle von B. Corony.

(Fortsetzung.)

Nachdem die auserlesenen Erfrischungen servirt waren, begab sich die Gesellschaft wieder in den Garten. Würziger Duft stieg von den Wiesen auf, erquickend wehte es von dem Teiche her. Die marmornen Nymphen und Tritonen hoben stch in schimmernder Weise aus dem von Wasserrosen und Schilf umstandenen Gewässer, auf welchem Schwäne majestätisch dahin zogen.

, Auch Fräulein v. Waldau nahm sich wie ein stolzer, königlicher Schwan aus. Die letzten Strahlen der sinkenden Sonne woben einen Glorienschein um das blonde Haupt. Zwischen allen ihren jugendlichen Gefährtinnen ragte sie her- vor, und wer sie an Erich v. Degenfelds Seite erblickte, mußte unwillkürlich ausrufen:Welch' ein schönes Paar!"

Um ihren Gästen Zerstreuung und angenehme Unterhaltung zu bieten, brachte Rafaele immer wieder neue Spiele in Vor» schlag, aber bei aller zuvorkommenden Höflichkeit klang es doch, als ertheile eine Souveränin ihre Befehle.

Frank, der ernste Mann, betheiligte sich nicht an diesem Zeitvertreibe. Trotz aller Bitten, die von lieblichen Lippen an ihn gerichtet wurden, verhielt er sich höflich ablehnend, wußte es aber so einzurichten, daß er stets in der Nähe Rafaelens und Erichs blieb und sie überwachen konnte, jedoch ohne daß seine Absicht bemerkt wurde.

Als man die Beiden zu einem Pfänderspiele abrief, ver­harrte er an seinem Platze, ein junges, vorübereilendes Mäd­chen bemerkte jedoch, daß er sich bückte und etwas aufhob.

Was für einen Schatz fanden Sie denn, Herr Doctor?" rief sie ihm lachend zu.

Mein gewöhnliches Mißgeschick verfolgt mich, gnädiges Fräulein," erwiderte er.Ich meinte, ein Juwel im Sande flimmern zu sehen, und mußte mich überzeugen, daß es nur eine werthlose Glasperle war."

Ohne Störung verlief das heitere Fest. Bier Wochen später erkrankte jedoch Frau v. Waldau in bedenklicher Weise, nachdem sie mehrere Tage hindurch versucht hatte, die Mädchen über ihren leidenden Zustand zu täuschen.

Jetzt erst fühlte Rafaele, mit welch' unendlicher Zärtlichkeit sie an der Mutter hing.

Die ersten Autoritäten müssen zu Rathe gezogen werden!" rief die Tiefbesorgte und nannte einige der glänzendsten Namen.

Nein, nein," wehrte die Leidende ab.Ich vermöchte zu Niemand Vertrauen zu fassen, als zu Frank."

So wurde denn nach dem jangen Arzte depeschirt, welcher den nächsten Zug benutzte und auf der Bahnstation bereits den Wagen vorfand, der ihn nach Clauswitz führte. Dort ein­tretend, begrüßte er in dem kleinen Salon Erich v. Degenfeld, der ebenfalls von der plötzlichen und schweren Erkrankung ge­hört hatte und gekommen war, um Erkundigungen einzuziehen.

Sprachen Sie schon eine von den jungen Damen?" fragte Georg.

Nein," wurde ihm erwidert.Sie weilen Beide bei Frau v. Waldau. Ich warte schon ziemlich lange hier und vermag meine Unruhe kaum mehr zu bezwingen."

Der Arzt schritt, ohne sich aufzuhalten, an ihm vorbei und in das Krankenzimmer.

Ich finde keine directe Gefahr," erklärte er nach längerer sorgfältiger Untersuchung, fügte aber, indem er Rafaele, die schon zwei Nächte gewacht hatte, aufmerksam betrachtete, hinzu: hingegen bemerke ich, daß Sie sehr angegriffen aussehen und muß bitten, sich Ruhe zu gönnen."

Bon dem Lager der Mutter entferne ich mich nicht!" entgegnete sie entschieden.

Wenn ich es für nöthig erachte"

Auch dann nicht! Ich weiß, war ich mir zumuthen darf, und die Sorge würde mich doch hindern, des Schlummers zu genießen."

Ich gebe Ihnen ja mein Wort, daß keine Ursache zu ernsten Befürchtungen vorliegt."

Dessenungeachtet werde ich bleiben."

Das wirst Du nicht, mein Kind," sagte die Leidende. Deine Anwesenheit könnte mich nur beunruhigen. Schon in vergangener Nacht fuhr ich immer wieder von meinen Kissen empor, weil es mich ängstigte, Dich so bleich und müde neben mir zu wissen."

Wenn Jemand, so bedarf Ihre Frau Mutter festen und sanften Schlafes," rief Frank mit einer gewissen Strenge. Darf ich hier nicht das Nöthige anordnen, so wird es besser sein, wenn ich mein Amt in die Hände eines Anderen lege."

Das dürfen Sie mir nicht anthun," bat die alte Dame mit matter Stimme.

Magda sprang jetzt von dem niederen Schemel, auf dem sie kauerte, empor und umschlang die Freundin.Bin denn ich nicht da, Du Liebe, Thörichte?" flüsterte sie, den zierlichen Kopf an die Schulter der Blondine schmiegend.Mir kannst Du Dein Mütterchen doch anvertrauen! Ich weiche nicht secundenlang von ihr und jeden Athemzug will ich treu be»