Ausgabe 
5.9.1893
 
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mit Beerenfrüchten bepflanzen; die Cultur derselben erfordert nicht viel Arbeit und der Ertrag ist ein reichlicher; gibt es doch kein wohlschmeckenderes und der Gesundheit zuträglicheres Nahrungsmittel, als das Beerenobst. Und was kann man nicht Alles aus Beeren machen? Einen ausgezeichneten Wein, Gon* serven^ Gelee rc. Daß sich die Beerencultur für den Mary auch bezahlt, ist schon oft durch Beispiele bewiesen worden- Ich meine in erster Linie die Stachel* und Johannisbeeren. Diese beiden Beerensträucher sind unter allen Obststräuchern hinsichtlich des Bodens die anspruchslosesten, wenn man ihnen nur von Zeit zu Zeit eine Düngung zukommen läßt.

Vermehrung von Buchsbaum. Es kommt zu­weilen vor, daß eine nie beschnittene, verwilderte, alte Buchs­baumeinfassung das Material liefern soll zur Anlage einer neuen Einfassung. Der alte Buchs ist sehr schlecht geeignet, denn er ist vom Boden bis fast auf ein Fuß Höhe kahl und aus den langen, dünnen, kahlen Stengeln würden keine neuen Wurzeln ausschlagen, wenn man sie abtrennen und einpflanzen wollte. Da ist nun ein einfaches Verfahren zu empfehlen. Man gräbt die alten Sträucher mit fämmtlichen Wurzeln gut und tief aus, und pflanzt sie bis an die untersten Blätter in den Einschlag ziemlich dicht. Hier bilden sie aus den Stengeln neue Wurzeln und können, sobald sie nur den Ansatz dazu zeigen, getheilt und zum Anpflanzen neuer Einfasiungen be­nutzt werden.

Blumentopferde zu verbessern. Bekanntlich wird die Topferde leicht sehr fest, dadurch unzugänglich für die Luft und sauer. Infolge dessen mangelt es den Wurzeln an Lust zur Athmung und die Pflanze kränkelt dann. Gutes Gegen­mittel ist außer Beimischung von grobem Sand und einer un­gefähr 2 Centim. starken Sandbedeckung der Zusatz von gerie­benem getrocknetem Moor und HMohlenpulver.

Gehäkelte Schleppenhalter. Da trotz Allem, was dagegen geschrieben wurde, die kleine Schleppe an Straßen­kleidern dennoch in Aufnahme gekommen ist und das Tragen des Kleides bei schlechtem Wetter oft sehr lästig wird, hat man natürlich auch wieder zu den Schleppenhaltern seine Zuflucht nehmen müssen. Heutzutage gibt es aber kaum einen Toiletten- gegenstand, dessen sich die Mode nicht sofort bemächtigte, um ihn durch Handarbeit auszuschmücken. So begnügt man sich nicht mit der dicken Seiden- oder Wollschnur, an deren einem Ende die metallene Klammer, am andern ein Keiner Knebel zum Schluß in der Taille befestigt ist, man häkelt auch Auf- schürzer in schwarzer Cordonnetseite über Ringformen. Man braucht dazu etwa 60 Ringe von I Vr Centim. Größe, welche mit einer Tour fester Maschen umhäkelt werden. Durch die Ringe wird dann eine paffende, ziemlich starke Seibenlitze ge­leitet, welche man in der Weise an jeden einzelnen Ring fest­näht, daß die Ringe schuppenartig übereinander liegen. Die mit Schieber versehene, oben erwähnte Klammer das System ist natürlich immer dasselbe wird am einen Ende befestigt, der am anderen Ende befindliche Knebel wird durch eine in Taillenweite angebrachte Oese aus Litze gezogen und vermittelt dadurch die Befestigung des Halters.

Kaffeeflecken aus Kleidern zu entfernen. Fünfzig Gramm Kochsalz löst man in 1 Liter kaltem Waffer auf und wäscht hiermit die Flecken aus.

Eichenholzmöbel zu reinigen Schmutzige, fleckige und staubige Eichenholzmöbel werden durch Abwaschen mit warmem Bier so rein wie neu. Sollte die Glätte der Möbel schon abgenutzt sein, so kocht man ein Stück Wachs von der Größe eines Hühnereies mit halb so viel Zucker und einem Viertelliter Bier, bestreicht die Möbel mittelst eines Pinsels mit dieser Mischung und reibt sie, wenn sie völlig trocken sind, mit einem wollenen Lappen blank.

Vermischtes.

Aus der Volksschule. Fritze Schulze hat die schlech­teste Censur in der Klaffe und dabei natürlich eine gründliche Ermahnungsrede vom Herrn Lehrer zur Befferung erhalten. Höllischbeteppert" verläßt er das Schulgebäude. Seine Kame­raden gehen neben ihm her nach Haufe. Fritze hat den Kopf gesenkt und ist fehr kleinlaut. Plötzlich scheint ihm ein Ge­danke aufzublitzen. Er wendet sich zu seinem Nachbar Heinrich Müller und sagt hoffnungsfroh:Vielleicht verhaut mir Vater!" So," sagt Heinrich,und bet frit Dir noch?"Nee, bet nich, aber nachher schenkt mir Mutter immer en Jroschen." Hermann Piefke hat wegen mangelhaften Kopfrechnens brummen müffen unb ben üblichen Nachsitzezettel mit nach Hause bekommen, ben er mit bet Unterschrift bes Vaters zurückbringen muß. Sein Vater ist ein biederer Klempnermeifler, der über feinen Jungen ein strenges Regiment ausübt. Hermann über­gibt dem Lehrer den Zettel mit sehr gesenkten Augen. Die Unterschrift lautet nach berühmten Mustern:Gelesen und ge­wichst. C. Pieske."

Aus dem Gerichtssaal. Untersuchungsrichter (zur Angeklagten):Machen Sie nicht solche Ausflüchte! Bekennen Sie sich doch einfach schuldig!" Angeklagte:Nun ja! So einem hübschen jungen Herrn, wie Sie, kann man ja nichts ab- schlagen!" * ,

Erbauliche Verteidigung. Dame:Nanni, feit etlichen Tagen sehen Sie so aus, als wenn unser Kohlenträger Ihnen seine Zärtlichkeit beweisen würde." Köchin:Etliche Tage nur darf Unseroaner vergessen, sich's G'sicht und die Händ' zu waschen, so hat gleich der Kohlenträger die Schuld."

Auf der Vicinalbahn. Handwerksbursche:Jetzt fahrt'« amal weiter, sonst geht mir mein Reisepaß aus!"

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Höchster Optimismus. Studiosus (in der Kneipe): Wer kann mir denn zwanzig Mark borgen? > - . Aber schreit nicht Alle so durcheinander!" *

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Unangreifbar.So ein kleiner Knirps und rauchen 1 Warte, das werde ich Deinem Vater sagen."Meinem Vater? He, der raucht ja selber."

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Auch ein Grund.Wie, Fräulein Hedwig, Sie haben Italien besucht und waren nicht in Rom?"Nein! An der Stelle waren int Bädecker gerade mehrere Seiten heraus- geriffen!"

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Heirathsgesuch. Ein armer Teufel sucht einen reichen Engel.

Eine Ehe zwischen Zahlen und Buchstaben.

1-am verirrt im tiefen Tann Die Gräfin saß, ver-L-felt schier I Da trat ganz 3-st ein Jägersmann Hervor aus dichtem Waldre-4. Ms er die junge Grä-F.and, Die sich ganz trostlo-8-altirt Benahm, bot er ihr seine Hand, Die V-etzt mit Zähren, Und hat sie 8-sam weggeführt; Sie ließ ihn gern gewähren.

Beim Abschied gab die Schöne, Um die Bekanntschaft zu er-9, Nach dieser ersten S-Ltt-e Dem Jägersmann ein Stelldichein. Es trafen sich im stillen Hain Der Jäger und die ILe Am andern Tag um 18-eI

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.