Ausgabe 
5.9.1893
 
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Unterbrochenem Schweigen dem Pastor, bis die ersten Häuser von Willnick dicht vor ihnen lagen. Da blieb Erich stehen, während er leise und doch mit fester Stimme sprach:Sie glauben an mich, Herr Pastor, trotz Allem, was Sie gegen mich gehört haben. Das danke ich Ihnen von Grund meiner Seele, und es ist mir deshalb doppelt schmerzlich, daß ich mein Urtheil dem Ihren in dieser Frage nicht unterwerfen kann. Mein Vater muß meine Unschuld erfahren."

Und meinen Sie, daß ich Ihnen dar Recht, ja die Pflicht bestreite, ihm die Wahrheit zu bekennen?" fragte der Pastor zurück.Alles, was ich wünsche, weil Sie mir lieb sind, ist, daß Sie frei von Bitterkeit und niedriger Rachsucht handeln, Gott und der Gerechtigkeit zur Ehre, und dazu bedürfen Sie der Sammlung und der Gebetes, Erich Hagen."

Wieder entstand eine Pause, dann seufzte Erich aus ge­preßtem Herzen.So ist es denn, ich will mich Ihrem Willen unterwerfen, aber machen Sie meine Prüfungszeit nicht zu lang."

Wir wollen gemeinsam erwägen, was das Beste ist," war die Antwort des Pastors, und er drückte herzlich die bittend aurgestreckte Hand des Seemanns.

Zwischen den Häusern des Dorfe» entlang, deren kleine, mit einfachen Sommerblumen geschmückte Vorgärten an die Straße stießen, gingen sie dem Pfarrhause zu. Es lag seit- wärt» von dem mit einer niedrigen Steinmauer umgebenen Friedhöfe, aus dessen Mitte die kleine, "altersgraue Kirche her­vorragte. Durch die Fenster des Hauses zwischen den Wein- blättern hervor, die es von oben bis unten bezogen, schimmerte freundlich einladendes Licht. Der Pastor blieb stehen und legte ferne Hand auf Erichs Arm.Kommen Sie mit mir herein, I lieber Freund," sagte er liebevoll,auch meine Hausfrau wird Ihnen em freundliches Willkommen bieten, wenn sie Alles ge- hört hat."

! ^u: »Es war gegen Abend ein Boote aus

Grashagen hier. Mit dem alten Manne scheint es zu Ende

I 9efen,,,er läßt Dich bitten, zu ihm zu kommen und ihm das Abendmahl zu rerchen."

Der Pastor ging in lebhafter Bewegung im Zimmer auf und ab.Ich werde sogleich gehen," sagte er dann, und Erich, unter diesen Umständen müßte er mich begleiten Aber vielleicht ist es besser, wenn ich ihm zuvorkomme?dam?t 1 ich

Erich!" rief die Frau Pastorin erregt.War es Erich Hagen, von dem Du vorhin erzähltest, der ungeratene Sohn der verlorene Mensch, der Schimpf und Schande über die Semen brachte?"

Martha," antwortete der Pastor sehr ernst,der Mensch stehet, was vor Augen ist, Gott siehet das Herz an Es ist ihm bitteres Unrecht geschehen und unser Werk muß sein es gut zu machen, soweit wir e» vermögen."

Sie schüttelte den Kopf und sah sehr ungläubig aus.

Thue mir die Liebe, Dein Mißtrauen zu überwinden" sagte er bittend und faßte ihre Hand.Er ist jetzt auf den Kirchhof gegangen zum Grabe seiner Mutter, nimm ihn freund- lich auf, wenn er kommt und sage ihm, daß ich ihm bei seinem Vater den Weg bereiten will. Er mag mir nach Grashagen folgen und dann dort warten, bis ich ihn zu dem Sterbenden rufen werde."

Sie nickte nur, aber ihre Miene hatte sich nicht erhellt. Dann half sie ihrem Manne das Amtskleid anlegen, nahm die schon vorher zugerüsteten und in ein schmales Kästchen ver­packten heiligen Geräthe und geleitete ihn zur Thür. Als er aber die Hand ausstreckte, sie selbst zu fassen, schien ihr ein neuer Gedanke zu kommen.Ich werde Bertha rufen," sagte sie,Du wirst immerhin fast eine halbe Stunde gehen, da könnte sie Dir behilflich sein." Aber er wehrte es ihr. , Du wirst sie zu Hanse nöthig haben," sagte er etwas zaudernd, wenn Du das Gastzimmer zurecht machst. Es kann sein, baß e» besser ist, wenn Erich Hagen wieder mit mir zurückkehrt."

Frau Martha ging senkend in das Haus zurück. War es ihr, der practischen Hausfrau, die sonst gern bereit war ihren Mann auch in seiner geistlichen Wirksamkeit zu unter- stützen, zu verargen, wenn dieser Wunsch fast ihre Kräfte über­stieg? Ihr Haus einem Manne öffnen, den er von der Land­straße zu ihr führte, das hätte sie vermocht; aber hier sollte sie in ihrem freundlichen Oberzimmer Den beherbergen, von dem Jedermann wußte, daß er ein Verbrecher war! Willy zwar glaubte es nicht, aber war es denn nicht möglich, daß fein Urtheil auch einmal in die Irre geführt werden konnte? Jedenfalls würde aber eine Weigerung von ihrer Seite ihn bitter gekränkt haben, so stieg sie denn freilich nicht ohne ein bedenkliches Kopfschütteln die Treppe hinauf und bereitete das Gastzimmer. (Fortsetzung folgt.)

Aber Erich schüttelte trübe den Kopf.Ich will Ihnen folgen, wenn Sie es erlauben, Herr Pastor, und mit herzlichem Dank, wenn" er schwieg einen Augenblick und setzte dann fast verlegen hinzu:Meine Mutter schläft dort drüben, und es zieht mich heute mehr zu ihr, als sonst. Ihr Herz würde nie an mir gezweifelt haben, wie es das meines Vaters gethan hat, und mein erster Gruß soll ihr gelten.«

Der Pastor schaute ihm nach, wie seine hohe Gestalt durch die schmale Pforte des Kirchhofs trat und verfolgte sie, bis sie in dem Schatten des Gebäudes den Blicken verschwand Es war ihm im Grunde ganz lieb, daß er Zeit fand, die An­kunft des unerwarteten Gastes im Haufe erst zu melden, denn wenn er auch an dem guten Herzen seiner Hausfrau, sobald

Einern Rothleidenden zu helfen, nie zweifeln konnte, so schien es ihm doch gerathen, sie auf den Eintritt dieses Fremd- lings vorzubereiten. Was würde sie dazu sagen, daß er ihre Theilnahme für den Vielverurtheilten, Vielbesprochenen in An­spruch nehmen wollte!

Sobald er die Hausthür öffnete, kam sie ihm aus dem Hintergründe des Hauses entgegen.Ich habe mich um Dich gesorgt, Willy," sagte sie lebhaft,Gott sei Dank, daß Du hier bist."

Er zog sie lächelnd in seine Arme.Und nicht einmal allein, mein Lieb. Ich bringe Dir einen Mann, der int kleinen Boote stundenlang den wildesten Wellen des Meeres ausgesetzt gewesen ist. Du wirst ihm eine freundliche Aufnahme zu Theil werden lassen, nicht wahr? Es ist eine wunderbare Geschichte, die er zu erzählen hat."

Sie waren in das Zimmer getreten, während er sprach, und sie lachte heiter.Ich weiß, in welchem Rosenlicht Du die Helden wunderbarer Geschichten zu sehen pflegst," meinte sie neckend,und kann nur hoffen, daß der Fremde sich nicht als ein ganz gewöhnlicher Sterblicher und seine Erzählung als Seemannsbericht entpuppen wird. Ich werde mein Bestes I thun, zu hören und zu glauben, denn ich fürchte, er wird sich mit meiner und der Kinder Unterhaltung begnügen müssen, die freilich mit offenen Augen und Ohren alle feine seltsamen Aben­teuer vernehmen werden, denn Deine Ruhezeit, mein Lieber, ist leider für heute noch nicht gekommen." Er sah sie fragend !

Gemeinnütziges.

Goldfische im Aquarium. Es ist ein sehr Zweifel- Haftes Vergnügen und oft sehr mühevolles Geschäft, Goldfische in der gewöhnlichen kleinen Glasglocke für längere Zeit gesund und am Leben zu erhalten. Bedingung des besseren Gedeihens ist, sie annähernd in Verhältnisse zu versetzen, welche ihrer natürlichen Lebensweise entsprechen. Diese sind sich selbst rei­nigendes, sauerstoffreiches Wasser das durch die Vegetation von Wasserthieren erzielt wird und Besetzung mit kleinen Süßwasserpflanzen, z. B. Schnecken, deren Eier den Fischen als Nahrung dienen. Ist dies in richtigen Verhältnissen ge­schehen, so hat man einen richtigen Standpunkt des Aqua­riums vorausgesetzt, d. h. ein kühles Zimmer und Schutz vor zu grellem Sonnenlicht weder für die Fütterung, noch um eine Erneuerung des Wassers ängstlich Sorge zu tragen.

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Cmpfehlenswerthe Beerensträucher. Ein j** Grundbesitzer sollte bei seinem Hause ein kleine» Stück Land