Ausgabe 
5.8.1893
 
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schlagen hat." t , ,,

In einem sehr liebenswürdigen Ton, der bei ihrer stolzen Erscheinung ganz besonders herzgewinnend klang, hatte sie ihre Bitte vorgebracht. Der Doctor aber mußte die Gewährung derselben doch wohl nicht für ein gar so geringfügiges ßw geständniß ansehen; denn er machte ein sehr ernstes, ;a VA nahe trauriges Gesicht und richtete einen vorwurssvollen Bit« auf Edithas schönes, lächelndes Gesicht-

Sie sind selbstverständlich die freie Herrin Ihrer Ent« schlüfle, gnädiges Fräulein," sagte er mit etwas gepreßt ttinzen der Stimme,und es ist natürlich, daß Sie sich für Da,- jenige entscheiden, was Ihnen das meiste Amüsement verspr chr.

Sie that, als habe er sie mit freudigster Bereitwilligkeit

jüngere Schwester gleichsam im Schatten stand, obwohl man | sie oder ihren Besitzer hier nichts irgendwie Bedeutsames mehr auch ihr ohne schmeichelnde Uebertreibung hätte zugestehen vor sich gehen kann. So viel ich weiß, ist der Herr doch von können, daß sie recht hübsch sei. Es war nur Alles beschei- Niemandem eingeladen worden.

dener, anspruchsloser, ja, man durfte fast sagen: schüchterner, Der Schlitten war unterdessen herangekommen und sem als bei Editha, die in jedem Blick und in jeder Bewegung Lenker, ein noch junger Herr in einem Pelz von fernstem Kam. verrieth, daß sie daran gewöhnt sei, vor allen Anderen bemerkt schatkabtber, ließ, nachdem er die Pferde auf eme sehr elegante und bewundert zu werden. und schneidige Weise parirt hatte, dem hinter ihm sitzenden

In diesem Augenblick schien die ältere Tochter des grau- Kutscher die Zügel. Als er auf den Schnee sprang, sah man bärtigen, aus einem verwitterten Soldatengesicht gutmüthig daß seine große, breitschulterige^Gestalt durchaus im«richtigen dreinschauenden Obersten nicht eben in besonders fröhlicher Berhältniß zu dem mächtigen Kopfe unddemrundemrothen Laune. Es war ein kleiner Schatten auf ihrer weißen Stirn nur mit einem kleinen dunklen Schnurrbartchen bewachsenen und ihre schönen, dunklen Augen flogen mehr als einmal wie Antlitz stand. Er lüftete gegen die Gesellschaft im Allgemeinen suchend die Straße hinauf, während sie auf einige Fragen den Hut und wandte sich dann, wie es wohl als eine natür- ihrer Schwester zerstreute und einsilbige Antworten gab. I liche Pflicht der Höflichkeit erscheinen mußte, gegen Denjenigen,

Da trat aus einer anderen, lebhaft debattirenden Gruppe auf dessen Grund und Boden er sich befand. r ein etwa zweiunddreißigjähriger Herr mit blondem VollbartIch habe für mein Eindringen um Entschuldigung zu und goldener Brille auf sie zu, höflich seinen Hut gegen die bitten, Herr Oberst/ sagte er sehr verbindlich,aber ich hoffe. Drei lüftend, den offen bewundernden Blick jedoch einzig auf man wird mir gestatten, mich nut meinem Gefährt dem Aus- Edithas schöne Erscheinung gerichtet. fluge anzuschließen. Es war ohnedies meine Abstch^ Fräulein

Guten Tag, Doctor Asmus I" sagte der Oberst, indem Editha für diesen Nachmittag zu einer kleinen Schlittenfahrt er ihm die Hand schüttelte.Ein seltenes Vergnügen, Sie einzuladen." ra ihnen

auch einmal bei solchem Unsinn zu sehen. Es muß ja vor- In demselben Moment, dader neue Ankömmttngsichihnen trefflich um die Gesundheit dieser guten Stadt bestellt sein, genähert hatte, war Doctor Asmus um «nen Schritt zuruck wenn sie sich entschloffen haben, ihr auf so und so viele Stun- getreten. Etwas wie eine Wolke besMißmuthShattefich auf den den besten ihrer Aerzte zu entziehen." seinem Gesicht gezeigt, und er hatte auch nicht gleich den

Vielen Dank für die gute Meinung, Herr Oberst," er- Nebligen den allgemeinen Gruß des eleganten Herrn in dem widerte der Doctor, der seine Augen noch immer nicht von Biberpelze erwidert. Der Oberst aber und seine Töchter Editha losmachen konnte, lächelnd.Aber in Wahrheit würde schienen nur angenehm überrascht. Es gab von Seiten des mich diese glorreiche Schlittenpartie schwerlich unter ihren Theil- Herrn von Hasselrode eine sehr freundliche Begrüßung und nehmern gesehen haben, wenn ich nicht ohnedies nach Eberbäch Editha sagte lebhaft. Ein wie prach^ges Gespann S müßte. Ich habe da eine Patientin," haben, Herr Neukamp I - Es muß wahrhaftig em Vergnügen

Um die feingeschwungenen Lippen Edithas zuckte es wie sein, darin über den SHnee zu sausen.

in leisem Spott. »Ein Vergnügen, das Sie sich hoffentlich recht oft bereiten

Ist das etwa noch immer die heldenmütige Stellmachers- werden, mein gnädiges Fräulein," S°b er galan zurück.Sie tochter, von der Sie uns neulich erzählten?" nehmen doch auch jetzt den freien Platz in meinem Schlitten

Er mußte die Ironie in der Frage wohl überhört haben, selbstverständlich an?

da er ganz treuherzig antwortete:Allerdings! - Ich wünschte Editha bejahte Kell, und erst °uf ein^e,se Mahnung freilich, daß ich das arme Ding schon längst wieder hätte auf ihrer Schwester hin schien sie sich zu besinnen daß ne vo die Beine (.ringen können; aber es wird mir bei dieser Ge- wenigen Minuten einemAnderen dl-selb Zusage « * legenheit am Ende nicht zum ersten Mal zum Bewußtsein ge* Mit einer Bewegung, die trotz des Unmuths, den sie ausdrü bracht, wie armselige Stümper wir Heilkünstler doch mit all' sollte, noch graziös und reizend^war, war«sie den Kopf zurück, itnferen mäcktiae« Waffen sind"Ah, wahrhaftig! Aber es war nur em yaives

Na na!" machte der Oberst.Wenn ich an meinen sprechen und er wird mich davon entbinden, wenn ich^ ihm Er-

Rheumatismus und an Ihren Kurerfolg denke" fatz schaffen kann. . ?^ber Herr Doc or, s g J

Um Gotteswillen, nur keine Krankengespräche, Papa!" hinzu, indem sie den abseits S ehendenmit einewallerttebsten

fiel Editha ein.Ich glaube, es braucht ohnedies nicht mehr Lächeln heranwinkte,Sw müssen eine That edter ^e u

viel, mir die Laune völlig zu verderben. Fahren Sie in Verleugnung vollbringen. Herr Neukamp hatte so^ Ihrem eigenen Schlitten, Herr Doctor?" - übrigens, die Herren sind

Ja! - Es ist nicht gerade ein Prachtexemplar; aber Der Doctor verzog keine Miene; der Andere aber neig

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" Sie zauderte einen Augenblick, dann sagte sie leichthin: als wenn er diese Bemerkung nicht gehört hätte-Worin soll Warum nicht? Ich weiß zwar nicht, wem mich der Herr sie bestehen?" . _

Assessor zugedacht hatte; aber da nun doch einmal Alles um»Sie sollen mir erlauben, die Einladung des Herrn Neu aestoßen ist kamp anzunehmen. Sehen Sie nur selbst, mit einem rote

In diesem Augenblick wurde in der Ferne abermals prächtigen Gespann er da alle Anderen aus dem Felde g Schellengeläute vernehmlich und auf dem Grunde von Edithas 1 "

Augen leuchtete es eigenthümlich auf, als aus jener Richtung, in die sie während der letzten Minuten so ost suchend gespäht hatte, ein schon von weitem durch seine mächtigen weißen Schneedecken auffallender Schlitten daherkam. Er war mit zwei Rappen bespannt und der gleichmäßige Hufschlag der scharf trabenden Thiere verrieth einem geübten Ohr zur Ge- niige, daß sie nicht unter die von Doctor Asmus eben so geringschätzig erwähnten Miethgäule zu zählen seien.

Durch die Gesellschaft in dem verschneiten Vorgarten ging eine kleine Bewegung und das ohnedies schon recht lange Ge­sicht des Assessors Valentini wurde noch länger.

Wenn mich nicht Alles trügt, sind das die Pferde des ,

Herrn Hugo Neukamp," faßte er bissig;es scheint, daß ohne I sreigegeben.