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dem ersten Worte, das er an sie richtete, hob ste erstaunt die Augen zu ihm empor.

Zuerst that er ein paar Fragen über den nächsten Weg nach dem Schlöffe und allmälig erfuhr er Magdalenens Namen und ihre einfache Lebensgeschichte.

Von der Stunde an gewann die Gegend einen neuen Reiz für Werner Horst.

Kein Tag verstrich, an dem er Magdalene nicht im Schatten der Waldbäume traf.

Er tändelte in seiner Flatterhaftigkeit erst nur mit dem Mädchenherzen, wie so mancher Müßiggänger, dem es an ernster Beschäftigung fehlt, aber Magdalene lernte ihn mit der Liebe eines reinen, glücklichen Herzens lieben. Sie wähnte ihn für den besten unter den Männern; keiner schien ihr so schön, so gut, so edel; keine Stimme klang so sanft, fo melodisch; kein Geficht glich dem seinen! - Nie dachte sie an sich; nie fragte sie sich, ob es recht oder thörtcht sei, lange Stunden in dem lauschigen Walde zu verbringen und den süßen Worten zu lauschen.

Arme Magdalene! Hätte ste Horst nur einmal sehen können, wie er wirklich war: leichtsinnig und launmhaft, ohne festen, starken Willen. Aber ach! Von alledem sah sie nichts; ein goldener, romantischer Schleier umhMe ihn, er war ihr Held, ihr Ritter! Und sie lernte ihn lieben, wie ein Mädchen nur einmal im Leben lieben kann.

Wer konnte wissen, wie Magdalenens Liebe zu dem Maler geendet hätte? Aber eines Morgens, während der Thau noch auf Blatt und Blüthen lag, traf Magdalene den Geliebten und sie gingen eine Weile auf und ab, alles Andere vergessend, nur an sich und ihr eigenes Glück denkend, als der Unterförster plötzlich im grimmen Zorn vor ihnen stand.

So also steht es!" sprach der strenge Förster langsam mit großem Nachdruck.Ich habe immer gesagt, daß große Schönheit ein Fluch ist. Geh' heim, Magdalene, Dem Gelieb­ter bleibt hier. Doch halt, ich will mich nicht übereilen. Ist er Dein Geliebter? Gibt er vor, Dich zu lieben?"

Er liebt mich," erwiderte Magdalene stolz,und o, Vater, zürne mir nicht auch ich liebe ihn innig."

Sie sprach muthig, obwohl ihre Stimme vor Angst zitterte.

Ich zürne Dir nicht, Kind," sagte der Vater mild,geh' nach Hause, ich werde die Sache mit ihm abmachen."

Du wirst ihm nichts zu Leide thun, Vater?" bat Mag­dalene.

Kein Haar seiner kunstvollen Frisur soll ihm gekrümmt werden," antwortete der Förster mit bitterem Spott,überlaß

^Als Magdalene sie verlassen, standen die beiden Männer einander finster gegenüber. Werner Horst war im Grunde ein Feigling und der Anblick der sehnigen Hände des Försters, die vor Aufregung zitterten, erfüllte ihn mit Unbehagen.

Lieber Freund," hob Horst dann mit kecker Drerstigkeit an,spielen Ste nicht den zürnenden Vater. Dergleichen habe ich so oft im Theater gesehen, daß ich dessen müde bin." .

Ich werde Ihnen etwas sagen, das Sie nie im Theater hörten," versetzte der Förster.Haben Sie schon einmal einen Vater gesehen, der den Geliebten seiner Tochter wie einen bösen Hund prügelte, wenn er dieser Gerechtigkeit widerfahren ließ?"

Die zornigen Augen des Försters glühten und feine leise, zischende Stimme machte Werner Horsts feiges Herz erzittern.

Verstehen wir uns recht," sagte er hastig;Ihre Toch­ter ist ein schönes Mädchen, schön und gut wie ein Engel; nicht um mein Leben zu retten, würde ich auch nur ein un­lauteres Wort über sie äußern."

Bei diesen Worten besänftigten sich des Försters Züge.

Antworten Sie mir ich will die Wahrheit wissen, haben Sie in meinem Kinde Liebe zu Ihnen erweckt?"

Sie liebt mich," erwiderte Werner ruhig.

So hören Sie mich an," sprach der Förster,Sie sind ein feiner Herr vermuthlich einer vom Schlosse droben; und meine Tochter ist arm; aber Sie haben ihr gelehrt, Sie zu lieben, und wenn Sie sie nicht heirathen und glücklich machen,

so sollen Sie von mir hören, und wenn ich Ihnen bis an das Ende der Welt folgen sollte das vergessen Sie nicht; ich fabe es gesagt und habe mein Wort noch niemals gebrochen. Jetzt thun Sie, was Ihnen beliebt."

Damit wandte er sich um und ging seines Weges.

Werner Horst schaute ihm mit finster zusammengezogener

Stirn nach.

Das heißt seine Spaziergänge in diesen schönen Wäldern theuer bezahlen," brummte er zwischen den Zähnen.Was bleibt mir Anderes Per, als das Mädchen zu heirathen? Oder ch laufe Gefahr, mich von diesem Menschen todtschlagen zu lassen. Sie ifi schön, und ich habe ste wirklich lieber, als rgend Jemand auf der Welt. Ich will allen Ernstes ver« uchen, mit ihr glücklich zu werden."

Das war der Mann, den Magdalene liebte und vergötterte.

Was vor sich ging, als Werner Horst in dem Haufe des Försters vorsprach, hat nie Jemand erfahren. Als aber Graf Scherwiz hörte, daß fein flotter Freund das schöne Mädchen seirathen wolle, da rieth er der Comtesse, ihren ganzen Ein- luß geltend zu machen, um diese Heirath zu verhindern, denn )er Graf kannte den wankelmüthigen Maler.

Das junge Mädchen soll sich lieber einen rechtschaffenen langen Mann aus ihrem Stande nehmen," sagte er,wenn ie Werner Horst hetrathet, wird ste sür ihr ganzes Leben un- glücklich."

Aber sowohl die Vorstellungen der jungen Comteffe rote auch ihrer Eltern blieben erfolglos. Wann hätte auch die Liebe der Vernunft je Gehör geschenkt? Bevor der Som­mer zu Ende, war die schöne, einfache Magdalene Bauer Werner Horsts Frau geworden.

Drittes Capitel.

Werner Horst liebte seine schöne junge Frau so sehr, wie er überhaupt zu lieben fähig war, während sie ihm eine wahr­haft edle Liebe entgegenbrachte und ste lebten einige Monate sehr glücklich. Aber das junge Paar sollte bald aus ihrem glücklichen Traum erwachen.

Es währte nicht lange, so entdeckte Magdalene, daß ihr Mann kein anderes Einkommen mehr hatte, als was Spielen und Wetten ihm eintrug. Denn obwohl er ein Sohn reicher, bereits todter Eltern war, so hatte er doch bereits vor seiner Verheiratung den größten Theil seines Vermögens vergeudet und den Rest hatten die Ausstattung Magdalenens und kost­spielige Reisen verschlungen. Das bekümmerte die junge Frau tief. Sie beschwor ihren Gatten, sich seiner Kunst zu widmen oder irgend einen ehrlichen Erwerbszweig zu suchen; sie erbot sich, für ihn zu arbeiten, aber er lachte nur über ihre Ideen und meinte, sobald er es ermöglichen könnte, würde er in feiner Wohnung ein Spielhaus errichten.

Ball) erreichte er auch diese Absicht und da begann Mag­dalenens wirkliche Qual. Wie sie da in der schmalen Straße in dem düsteren Hause saß und nichts hörte, als das Klappern der Würfel, das Fallen der Karten und heftige Worte der aufgeregten Spieler, da träumte sie von der Heimath, die sie verlassen, von dem Abendhimmel mit seinen glitzernden Sternen, von dem Nachtwind, der in den Bäumen rauscht; von bett Blumen und Vögeln und dock kleinen, sanft dahinrauschenden Bach.

Aber ihre Liebe zu dem Gatten erlosch nicht. Trotz allem Ungemach gab sie die Hoffnung nicht auf, daß sich doch mit ihm noch Alles zum Guten wenden möge. Doch noch Schum- » meres stand ihr bevor. Plötzlich schien Werner Horst sem Glück beim Spiel verlassen zu haben. Er konnte keine Karte anrühren, ohne zu verlieren; das machte ihn mißmuthig und reizbar, schließlich ergriff ihn die Verzweiflung und in einer schlimmen Stunde saL er gänzlich. Er fälschte den Namen eines jungen Mannes, der häufig in seinem Hause gespielt hatte, die Fälschung gelang und trug ihm eine bedeutende Summe ein- aber wie so oft, folgte auch hier die Entdeckung dem Be- trüge auf dem Fuße. Er wurde verhaftet, vor Gericht gestellt und verurtheilt.

(Fortsetzung folgt.)