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Die Frau erwiderte nichts; ntit jeder Minute ward ihr Gesicht bleicher; dann nahm sie das Kind in die Arme und drückte es an sich, als könnte nur der Tod sie trennen.

Mein Kind, mein einzig geliebtes Kind!" schluchzte sie. Wie gern hätte ich mein Leben für Dich hingegeben und nun soll ich Dich zum letzten Mal sehen! O, Gräfin, seien Sie barmherzig! Sagen Sie, daß sie wieder mein sein soll, wen« ich zurückkehre! Wie kann ich ohne sie leben? Wie kann ich sterben? Was soll ich meinem Gott droben antworten, wenn er mich nach meinem Kinde fragt?"

Martha findet in mir eine Mutter," sprach die Gräfin ruhig, aber entschieden,es muß bei Dem bleiben, was ich gesagt habe und was Sie selbst für das Beste hielten. Wenn ich Ihre Tochter zu mir nehme und sie zu einer feinen, vor­nehmen Dame erziehe, wollen Sie sie doch sicher nicht dann später zu Ihrer niedrigen Sphäre herabziehen?"

Nein," versetzte die Frau, wie in tödtlichem Schrecken erschaudernd,nein, alles Andere lieber als das."

Lasien Sie Ihr Kind so glücklich werden, wie es bei Ihnen nie werden kann! Um Ihrer Tochter willen, seien Sie muthig und ertragen Sie Ihr schweres Loos. Martha wird als meine Erbin zu einer feinen Dame heranwachsen, sie wird sich gut verheirathen und geehrt und geachtet sein. Und Sie könnten wünschen, daß sie das Alles aufgebe und vielleicht später in Armuth und Schande sinke?"

Aber mein Mann kann sich ja ändern, vielleicht fühlt er Reue und dann"

An alles Andere glaube ich eher, als daß ein wirklich schlechter Mensch sich ändert," fiel die Gräfin ihr in's Wort. Hier, Magdalene, ist das Geld. Sagen Sie, kann ich sonst noch etwas für Sie thun? Meinen Entschluß ändere ich nicht. Wenn ich Martha jetzt zu mir nehme, ist es für das ganze Leben und ich nehme Ihnen das heilige Versprechen ab, daß Sie Martha nie wieder suchen, nie wieder nach ihr fragen, daß Sie nie vergessen wollen, daß Sie sich zu des Kindes Heil von ihm getrennt haben, bis Sie sich in einer anderen Welt wiedersehen."

Magdalene Horst drückte das Kind noch inniger an sich; zärtlich preßte sie ihre Lippen auf das kleine, süße Gesicht, auf die goldenen Locken und die rosigen Lippen.

Mein Liebling wird eine feine Dame werden und kost­bare Kleider und Juwelen tragen," sagte sie dann geisterhaft, sie wird reich und geehrt werden, aber mein Herz wird leer bleiben, sie wird mich nie kennen, nie lieben."

Die Gräfin nahm Gold und Banknoten aus ihrer Börse und legte sie auf den Tisch.

Hier ist das Geld," sprach sie,es wird dunkel; Sie möchten Martha nun Adieu sagen, wir müssen sort. Wenn Sie das Ziel Ihrer Reise erreicht haben, so schreiben Sie mir. Ich kann nur hoffen, daß Ihre Zukunft eine glücklichere werde, als Ihre Vergangenheit gewesen ist."

Ein unterdrücktes Stöhnen rang sich von den bleichen Lippen der unglücklichen Mutter. Dann richtete sie sich auf und zog einen einfachen Goldreif vom Finger.

Frau Gräfin," sprach sie weich,darf ich Martha diesen Ring geben? Wollen Sie erlauben, daß sie ihn trage?"

Die Angeredete nahm den Ring und befestigte ihn mit eigener Hand an der kleinen Kette, die das Kind trug.

Ich verspreche Ihnen, daß sie den Ring immer tragen soll," sagte die Gräfin.Ich will ihr ihn selbst an den Finger stecken, wenn sie alt genug ist."

Es war ein glatter Goldreif mit der InschriftTreue".

Hätte Magdalene Horst ahnen können, was es ihre Tochter einst kosten würde, diesen Ring zu tragen, sie hätte lieber ihr Leben auf's Spiel gesetzt, als ihn ihr zu geben.

Leben Sie wohl, Magdalene," sprach die Gräfin,machen Sie sich um das Kind keine Sorge, es wird ihm gut gehen. Wir müssen fort, die Sonne geht schon unter."

Noch einmal drückte die unglückliche Mutter ihr Kind fef: in die Arme; der Tod konnte nicht halb so bitter sein, wie dieser Moment, der ihr das Herz zerriß.

Martha," hauchte ste,mein einzig geliebtes Kind! Ich

soll Dich nie wiedersehen! Sage mirLeb' wohl" undGot segne Dich, Mutter"."

Das Kind wiederholte die ihr vorgesprochenen Worte und schlang seine Aermchen um den Hals der Mutter.

Ich will bei Dir bleiben, Mutter," bat fie,Dich habe ich am liebsien." c

Einen Moment schien es, als könne die Mutter die Tren­nung nicht ertragen; noch einmal beugte sie sich über die Kleine und flüsterte ihr Worte der Liebe zu, welche die Gräfin nie vergaß. Bis zur letzten Secunde folgten ihre traurigen Augen der kleinen Gestalt, wie die Sonnenstrahlen auf dem lieblichen Gesicht und den goldenen Locken spielten, wie die Gräfin sie in die Arme nahm und ihre Thränen zu trocknen suchte.

Mit einem gellenden Schrei, der durch die klare Sonnen­luft drang, brach dann Magdalene Horst zusammen, und die Sonne beschien ihr wachsbleiches, ohnmächtiges Antlitz, während ihr Kind sanft in den Armen der Gräfin davon getragen wurde.

Zweites Capitel.

Fünf Jahre vor Anfang dieser Geschichte gab es weit und breit kein schöneres Mädchen, als Magdalene Bauer. Ihr Vater war Unterförster bei dem Grafen Elkens und ihre Mutter war Jungfer bei der Gräfin gewesen. Als sie heiratheten, zogen sie in das kleine Häuschen am Saume des Waldes von Bergsdorf. Sie, Magdalene, war ihr einziges Kind. An dem­selben Tage, wo sie geboren wurde, erblickte auch im Schloß ein Töchterchen das Licht der Welt, das Frau Bauer gemein­sam mit ihrem eigenen Kinde nährte. Als die junge Gräfin heranwuchs, bewahrte sie große Liebe zu ihrer Milchschwester. Die Gräsin Elkens erbot sich, Magdalene erziehen zu lassen, aber der Unterförster lehnte dieses großmüthige Anerbieten dankend ab- Seine Tochter, meinte er, solle zwar Lesen und Schreiben und die Wirthschast führen lernen, aber nicht zu einer vornehmen Dame erzogen werden.

So blieb Magdalene arm und wenig gebildet. Doch trotzdem besaß sie eine Mitgift, um die manche Fürstin ste hätte beneiden können. Magdalene war von einer wunderbaren Schönheit, einer so edlen Schönheit, wie man sie in ihrem Stande nur selten findet; ihr Gesicht war anmuthig, edel und voller Poesie; in ihren veilchenblauen Augen lag Feuer und Leben, und ihre rosigen Lippen waren reizend in ihrem lieb­lichen Lächeln.

Ganz verschieden von ihr war die junge Comtesse, ihre Milchschwester; dieselbe hatte zwar regelmäßige Züge und eine vornehme siolze Gesialt, doch kein Mensch hätte ste schön nennen können. Trotz ihrer verschiedenen Lebensstellung bestand aber ein großes Freundschaftsband zwischen den beiden Mädchen. Oft verließ die Comtesse ihr stolzes Heim und streifte mit der reizenden Tochter des Unterförsters in den Wäldern umher; und oft wurde Magdalene in das Schloß geladen. Aber ihr Vater wollte sie nie gern hingehen lassen. Hatte er vielleicht eine Ahnung von dem Schicksal, das seine schöne Tochter einst ereilen würde?

Die junge Gräfin Leontine hatte viele Verehrer, ihr war aber nur an Einem gelegen und das war der junge Graf Scherwiz, der hübscheste, heiterste, flotteste junge Mann in der vornehmen Welt, der übermüthige Sohn eines stolzen Geschlechts. Die junge Gräfin gefiel ihm, und seine Freunde riethen ihm, er solle sie heirathen, denn sie war reich und er brauchte Geld.

Bei seinen häufigen Besuchen in dem Grafenschloß führte er auch seinen Freund, den Maler Werner Horst, dort ein.

Diesem lustigen, geistvollen Menschen aber war es zu ernst, zu ruhig im Schlosse und er streifte viel allein in Wäldern und Feldern umher, um sich Zerstreuung zu suchen.

Als Horst eines Tages gemächlich eine gute Cigarre rau­chend im Walde auf einem Baumstamm saß, sah er plötzlich ein Mädchen, schön wie eine überirdische Erscheinung, auf Ilch zukommen.

Horst war ganz entzückt von dem Anblicke dieser Mäd­chens und beschloß, ihre Bekanntschaft zu machen.

I Das Mädchen bemerkte ihn erst, als er sie ansprach. Bet