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„Leonie," hob Strehlen mit feierlichem Ausdruck an, „es könnte fein, ich stünde von diesem Lager nicht wieder auf I
„Aber, bester Mann, was für wunderliche Grillen! lachte ste ihn aus. „Der Rath meint, es habe gar nichts aiff sich! Du müßtest Dich nur hübsch ruhig verhalten und Dich nicht unnöthig aufregen. Vielleicht mrd es am besten fein, ich lese Dir etwas vor. Recht harmlose Lecture, ein «ein wenig langweilig, damit mein lieber Mann darüber emschläst. Wenn man sich zwei Uhr Morgens zur Ruh' begibt, hat man um fünf Uhr nicht ausgeschlafen und seitdem bist Du schon wach.
T Sie huschte hinaus, ohne seine Erwiderung abzuwaüen, war im Nu zurück, setzte sich auf den Stuhl bei fernem Bett in "DerÄerst streckte bittend seine Hand aus und sie legte ihre Rechte hinein, die er festhielt und nicht ««eber freigab War sie mit einer Seite zu Ende, ließ sie das Buch aus s Knie sinken und blätterte mit der Linken um.
Während ste ihm fo vorlas, hatte er Muße genug, siezu betrachten und sich an ihrem Anblick zu^weiden. Sw kam ihm , wie die verkörperte Jugend und Anmuth vor. Seit 'h"rVe beiratbung hatte sie an Fülle verloren, aber oas ließ W- mädchenhafter als vordem erscheinen. Ec hörte Nicht, was sie las; er lauschte nur dem Klange ihrer Worte und die wilden, finsteren Bilder nahten ihm wieder. Dre Eche, süße stimme würde bald für einen Anderen klingen, »hm vielleicht heiß,
druck^reerngubtoig/- bat sie zitternd, „quäle doch nicht Dich und mich durch solche entsetzliche Gedanken!
Bei ihre? fortgesetzten Weigerung legte sich taue* raubvogelartiger Ausdruck m seme 3^- Seme Augen nlänrten unheimlich und sein Athem ging pfeifend.
$ Leonie" sprach er fast drohend, „ich weiß er bestimmt, ich liege auf'meinem Todtenbett. Schwöre mir, daß Du mir treu tteibst und keinem Andern gehören wirst? — Schwüre es mir schwöre! - Du kannst nicht? - Willst nicht? -
DasBuch in ihremSchooß war längst zuBoden ge allew Sie glitt vom Stuhl herunter und lag vor seinem Bett auf den Knieen ihr thränenüberströmtes Gesicht in die Decke bergend- Ludwig fti^gut, sei barmherzig!» flehte fie in Ijer^ereiöeHben Saiten Beruhige Dich, ich schwöre es Dir zu, ich bin Dem i treues Weib, ich habe Dich von Herzen lieb! Verbanne diese fürchterlichen Gedanken einer krankhaft erregten Phantasie! Du wirst nicht sterben, glaube mir, Du wirst gesunden! Wir wollen auch nicht hier bleiben! Bist Du einigermaßen hergestellt, gehen wir nach dem Süden- In dem milden Klima wirst Du Dich ^nds^erholen^ ^odtenbett," beharrte er mit eiserner Consequenz auf seiner Idee, „Awöremir, daßDumchtwwde heirathest! - Du willst mir Dem Wort mcht geben? keucyie Cr' ^,Jch kannbnicht, Ludwig," entrang es sich ihr wie em A llst^. brennenden Hände, die gleich zwei glühendenEffe« die ihren umklammerten, gaben sie mit emer wegwerfenden I Geberde frei.
Seine hageren Wangen bekamen zwei rothe Fieberflecken. @C ^Sie 8ß augenblickli^ das Buch mit ^r aufgeschlagenen Seite nach unten in den Schooß sinken und fragte, liebevoll ihre linke Hand zu ihrer rechten in dre ferne fugend. „Willst Du etwas? — Was soll ich thun?'
Mir versprechen, daß Du nach meinem Tode Nicht wieder heirathen willst?» stieß er hastig hervor.
Sie entfärbte sich bei dieser unvermutheten Wendung.
„Schon wieder Todesgedanken!» entgegnete sie mitGeisern Vorwurf „Hat Dir der Geheimrath nicht ausdrücklich vn boten Dich folchen schwarzen, unbegründeten Vorstellungen
' Gib mir Dein Wort, Du wirst Dich nicht wieder ver- heirathen?» wiederholte er dringender und lauter em zweites I und drittes Mal rasch hintereinander, sie mit stechendem Au.-
@r *Si?war nicht zur Stelle. Sie hatte dem Geheimrath durch's nächste Zimmer das Geleit gegeben, in angstvoller Sorge iorickte sie ob ein Rückfall zu befürchten sei. Er zuckte die Achseln. '.Abwarten, gnädige Frau!» lautete sem schlechter Trost Immer Kopf oben und vergnügt dremfchanen! Wer am Krankenbett sitzt, muß dummes Zeug schwatzen können, müß auch das Herz nichts davon. Die Thränen des Schmerzes muß man Mit denen des Lachens verwechseln können, sonst ist die Pflege nichts nütz! Merken Sie sich das für die Zukunft!»
Das war nicht geeignet, ihre Besorgnisse zu zerstreue«, aber sie nahm sich vor, seinen Rath zu beherzigen. Heiteren Antlitzes kehrte sie in's Schlaszimmer zurück.
bezüglich Tante Annas weiter besprechend, wie zwei sich gleich' ailtiae Menschen. — Doch Leonorens gute Absichten wurden i durchkreuzt und sie sah sich am anderen Tage außer Stande, ihr gegebenes Wort einzulösen und zu Tante Anna zu gehen. 1
Der Oberst fühlte sich am Morgen unfähig, das Bett zu verlassen; sein Bein war über Nacht wieder völlig steif geworden- Aber das war noch das Wenigste! Die Stiche in- der Herzgegend stellten sich neuerdings mit vermehrter Heftigkeit Sn unb dazu gesellten sich ruckweise -auftretende starke Kopf' schmerzen. Der Geheimrath kam, untersuchte und behorchte ün lange. Er zog die Stirn hoch, als er von dem Unfall Tags vorher hörte und schalt, daß man seinenetwaigenFolgen nicht sofort wirksam entgegengetreten fei und das Fest auf gehoben^habe. h^sch lange! Haben wohl schlechte I
Hoffnung für mich?" murrte der Oberst, bei der Untersuchung I ""g^Mstnn^Wie kann man sich so etwas einfallen laffen?' I schnauzte ihn der Geheimrath an.
qwHr es aebt zu Ende? Sie machen mit ein verteufeltes Gesicht!» sagte Strehlen plötzlich sonderbar ernst und eindringlich. „Muß ich dran?" . I
Unsinn! Ich untersuche! Bin doch Nicht beim Photo aravb'en wo es heißt: Und nun sehen Sie recht freundlich rt,,« i _1 Qu Ende aeht's mit uns Allen einmal! Sie haben I sich ein Bischen erkältet, hat nichts weiter auf sich 1 Verhalten I Sie sich ruhig und schicken Sie vor allen Dingen Ihre ver- I rückten Sterbegedanken zum Teufel! Das stirbt sich nicht so rasch,» scherzte er in seiner rauhen, bärbeißigen Art, „es muß prft HMannett sein! Kein Mensch ist tobt zu sagen, so lange ÄÄ Äthern geht Hatte zum Beispiel College N. von
seinen Aeußerungen nicht vorsichtig genug fern!
Trotz des zur Schau getragenen Humors und der an- geeommenen Sorglofiatdi w« ein ’S'fXS'
sicht und Ton des Gehermeraths, was -stteh lennicht behagte. Er fühlte heraus, der Arzt war mit dem Resultat seiner Unter suchunq unzufrieden. Es stand nicht gut um ihn, melleicht sogar recht bedenklich. Er wußte, ein Geringes, eine Klemig- keck und der Rheumatismus griff weiter, die Herzthattgkeit stockte — Strehlen hatte im Kugelregen gestanden und dem Tod mit Kaltblütigkeit in's Auge gesehen, er urchtete ihn auch jetzt nicht. Aber sein ganzes Herz empörte sich dagegen, aus einem Leben scheiden zu sollen, in welchem fern schönes Weib, seine Leonore allein zurückblieb. Sein Herz begann schneller ,u schlagen, das Blut hämmerte wild in seinen Schliffen bei diesem Gedanken- Ob sie wieder heirathen wurde wenn er
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