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erscheinen, Cilli, dann will ich ihm die Larve herunterreißen, aber vorher allerlei Räthsel zu lösen, dafür muß ich danken."
„O Hans — Du thust mir weh."
Er zuckte die Achseln und ging fort, um den Sturm in seiner Seele nach Möglichkeit zu verbergen. Wenn der alte Herr dem Testament ein Codicill zugefügt hätte! — Was dann?
Es lief ihm heiß durch die Adern. Ob er sich ausmachte und selbst nach Frankfurt reiste?
Aber nein, das war unmöglich. Die vorgefaßte Meinung des Greises ließ sich auf keinen Fall bekämpfen. Irgend Jemand hatte das Wort „Verschwender" mit Bezug auf ihn selbst dem alten Herrn gegenüber ausgesprochen und das that nun seine volle Wirkung. Als Goldgräber in mühevoller Arbeit legte der Kranke während eines Menschenalters Thaler auf Thaler, dafür aber sah er jetzt in dem Gelds einen Schatz, der mit Ehrerbietung behandelt werden mußte, den er allen Gefahren entrücken wollte.
Der Baron lächelte spöttisch. Ein Geizhals also, einer, der bei gefüllten Truhen Salz und Brod aß. Gut, daß doch wenigstens nicht alle Leute so dachten, daß es immer noch gute Freunde gab, die es verstanden, den Sonnenschein des Lebens zu genießen, so lange es eben noch Tag war.
Und Hans Adam nahm das Gewehr und ging auf die Jagd. Mochte denn der kranke Mann in Frankfurt feinen letzten Willen ändern oder nicht; in irgend einer Form würden ja doch Cäcilie und Ruth das Kapital erhalten, und das war die Hauptsache.
Unten im Dorfe wurde gebaut, die neuen Wohnungen sollten vor Einbruch des Winters unter Dach und Fach sein; alle Stimmen segneten den Gutsherrn, der so bereitwillig eine große Strecke Landes geopfert hatte, nur um das künftige Heim der Fischer vor neuen Unglücksfällen zu sichern. Wo Hans Adam erschien, da wurde er lebhaft begrüßt und von Alten und Jungen mit den Zeichen dankbarer Liebe über« schüttet.
Der Brief ans Frankfurt war sehr schnell vergessen, und als einige Tage später der Draht die langerwartete Todesbotschaft brachte, da hielt sich Hans Adam für den Besitzer einer Viertelmillion.
„Eigentlich einer halben," äußerte er gegen seine Frau. „Ich werde ja Ruths Antheil verwalten und, indem ich mit diesem Selbe arbeite, in kurzer Zeit das Kapital verdoppeln."
Sie sah ihm nur stumm in’s Antlitz, aber ihr Blick mußte ihn gereizt haben. „Was beliebt?" fragte er in etwas scharfem Tone.
„Hans, auf welche Weise wolltest Du arbeiten?"
Er zuckte die Achseln. „Nicht als biederer Lohnschreiber oder sonst in einem Fach für strebsame Jünglinge, meine gute Cilli, aber mit Deiner Erlaubniß doch vielleicht in anderer Weise. Ich gedenke, eine Zuckerfabrik anzulegen, allerdings nicht auf Moldt'schern Grund und Boden, aber in der Nähe der Stadt. Für den Rübenbau ist mir bereits das nothwen- dige Land und auch ein tüchtiger Fachmann angeboten worden. Die Pläne sind vom Architecteu fertig gestellt und spätestens im März beginnt der Bau. Selbstverständlich lasse ich Ruths Vermögen dabei zunächst zwanzig ober dreißig Procent Zinsen tragen und werde außerdem auch selbst noch gut verdienen. In Geldsachen muß man eben sehr sorgfältig verfahren und sich den Kopf kühl erhalten."
Cäcilie bedeckte mit der Hand die Augen. „Hans, noch wissen wir von dem Inhalt des Testamentes kein Wort."
Er wandte sich ab. „Geh' nach Nizza, Kind — dort bessert sich hoffentlich Deine Stimmung."
„Ach — Du wünschest mich aus Deiner Nähe zu entfernen! Sprich es nur aus, Hans, sprich es nur ganz offen aus. Ich bin Dir eine Last geworden "
Ein Streifblick traf die erregte Frau. „Schon wieder Thränen, Cilli? Wenn Du wüßtest, wie wenig anziehend es ist, eine Frau meinen zu sehen, während man außerdem von ihr mit Moralpredigten und guten Lehren überhäuft wird gleich einem Schulbuben."
„Siehst Du!" rief sie. „Ach Gott, siehst SDu!" „Freilich. Aber was? — Das ist die Frage." Er dachte in diesem Augenblicke der bleichen Kranken gegenüber an ein anderes Antlitz, in das er vor Kurzem gesehen. Anna Bürklin war ihm begegnet, im wallenden Reit- kleide, mit Federhut und bauschigem Schleier, auf dem Rücken ihres weißen ungarischen Pferdes, bezaubernd schön wie immer, spöttisch, und unnahbar. Er hätte es nicht gewagt, auch nur ein einziges Liebeswort in das Ohr der stolzen, verwöhnten Dame zu flüstern — ein Schlag mit der Reitpeitsche wäre wohl die Antwort gewesen — aber er ließ sie doch sehen, klar erkennen, wie sehr sie es ihm anzethan hatte: er bat um die Rose, welche sie am Busen trug, und streckte die Hand aus, um das duftende Geschenk zu empfangen.
Statt aller Antwort streute sie die Blätter mit schnellem Griff in den Wind und sprengte lachend davon, ohne ihn weiter zu beachten.
Er sah ihr nach, verwirrt und unmuthig. Wie die leere Luft behandelte sie ihn, ja, wie einen Zudringlichen, lieber« lästigen.
Und doch war et vernarrt in diese Frau, die ihn niemals empfing, der er nichts, gar nichts galt.
An alles das dachte der Baron, während seine Blicke ziellos in's Weite sahen. Er erschrak förmlich, als ihn die Stimme seiner Frau in die Wirklichkeit zurückrief.
„Hans!"
„Was wünschest Du, Cilli?"
„Hast Du keinen freundlichen Ton für mich? Siehst Du nicht ein, wie lieblos vorhin Deine Worte waren?"
Er stand auf und schüttelte sich wie Jemand, den es friert. „Vorwürfe, Cilli? Soll ich jetzt auch noch zärtliche Klagen anhören?"
Sie wechselte die Farbe; ein dunkler Purpur überflog bas blaffe Gesicht. „Fürchte nichts, Hans!" war ihre schnelle Antwort- „Ich werde mich hüten, Dich jemals wieder um einen freundlichen Blick zu bitten."
„Lächerlich 1"
Er klingelte und ließ die Gesellschafterin herbeirufen. Als Fräulein Malten kam, lag Cäcilie in tiefer Ohnmacht.
Das war der Tag, auf den so große Hoffnungen gesetzt wurden, der ersehnte Tag der Todesbotschaft. Es halte keinen Segen gebracht, so ungeduldig das Sterbebett des einsamen Mannes zu umlauern, so gleichsam mit erhobener Hand dazu- stehen, um endlich, endlich zugreifen zu können.
(Fortsetzung folgt.)
GsrneinniWges.
Zur Anzucht von Salatpftanzen, welche wenig Raum beanspruchen, genügt selbst für größere Privatgärten ein Fenster des Treibbeetes, welches eine Unterlage van 60 Centimeter Pferdedung und eine solide Unterlage aus demselben Materiale erhält. Gewöhnlich packt man für diesen Zweck eine ganze Lage von 10—12 Fenstern, von denen vorerst eine größere Zahl unbenutzt bleibt, um bei späterem Bepflanzen schon so abgekühlt zu fein, baß sie mehr ober weniger unbrauchbar werden, so daß Arbeit und Dung unnütz vergeudet sind.
* *
Die Geflügelzucht im Haushalte der Larrd- wirthschaft. Durchaus nothwendig ist es, baß in einer Ortschaft, soweit es sich um Nutzgeflügel handelt, nur ein Schlag, und bezw. eine Rasse, gleich in Form und Farbe, gehalten wird, weil sich auf dem Lande die Hühnervölker nicht so ab« sondern lassen, daß nicht Vermischungen stattfänden, und gerade hierin liegt der Grund des bisherigen Durcheinander unter den Lanbhühnem. In Frankreich, woselbst die Hühnerzucht weit besser entwickelt ist wie bei uns und der Ertrag auf 343 Millionen Francs jährlich geschätzt wird, trifft man viele Stunden weit nur Hühner von ein und derselben Rasse und Farbe.


