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II.
NnLerhaltrnrgsblatt zrnn Gietzenev AnzeZgev (Genepal-Anzeigev)
Nr. 15
1883
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Samstag, den 4. Februar.
Dämon Gold.
Original - Roman von W. Höffer.
(Fortsetzung).
Und ganz mit diesem einschmeichelnden Gedanken beschäftigt, legte er den wohlbekannten Weg in kürzester Frist zurück und klopfte dann an das Fenster der Küche, neben weicher die Dienstmädchen schliefen. Man ließ ihn eintreten, und auf den Zehenspitzen schlich er zu dem Zimmer seiner Frau.
Alle drei Damen waren zugegen; man hatte die Lampe verhüllt unb saß stumm beieinander, wenigstens was die beiden jungen Mädchen betraf. Cäcilie lag auf einem Ruhebette und sah aus wie eine Sterbende. Nur die großen dunklen Augen verriethen, daß sie überhaupt noch lebte.
Hans Adam ließ die Portiöre des anstoßenden Zimmers geräuschlos herabfallen und klopfte dann an eine andere Thür, die ihm Adele öffnete.
„Ach — der Herr Baron!"
Es schien, als sei im ersten Augenblicke alle Sorge, alle Furcht vor der Zukunft gänzlich vergeffen, mit so stürmischem Jubel wurde Hans Adam empfangen. Mit einem Arm umfaßte er seine Frau, die andere Hand streckte er Ruth entgegen. „Ihr unklugen Geschöpfe!" rief er, „Ihr lieben Thörinnen!"
Es war, als habe sein wohlbekanntes Lachen den Bann von allen Herzen genommen. „Scheltet mich!" setzte er hinzu, „straft mich, ich bin ein arger Sünder und gestehe das ein!"
„Du hättest uns eine Nachricht schicken können!" sagte Ruth, während Cäcilie den Kopf an die Brust ihres Mannes lehnte und in halber Ohnmacht nur das Eine empfand, daß er wieder in ihrer Nähe war, daß sie seine Stimme hörte und seine Hand in der ihrigen fühlte.
Adele hatte sich davon gestohlen; in ihrer geräuschlosen Weise war sie unbemerkt aus dem Zimmer geschlüpft. '
„Ich wollte gerade ein Telegramm aufgeben," vertheidigte sich der Baron, „aber da kamen mir mehrere Offiziere entgegen, Kameraden von früher, und so war denn kein Loskommen mehr. Ich wurde zum Casino mitgenommen, es gab meinetwegen eine brillante Festlichkeit — und so geschah die Sünde. Wer konnte aber auch denken, daß Ihr irgend welche Furcht empfinden oder gar die Nächte wachend verbringen würdet? Das ist mit Euch Frauen immer die alte Geschichte. Ihr überlegt nie."
„Wer hat Dir das Alles erzählt?" fragte Ruth. „Willibald wollte Dir, um uns zu beruhigen, nachreisen."
„Das hat er auch gethan."
Und Hans Adam lachte wieder laut heraus. „Damit Ihr aber seht, daß meine Gedanken doch bei Euch waren," fuhr er dann fort, „so haltet jetzt die Hände her. Ich habe Euch etwas mitgebracht."
Cäcilie lächelte glücklich; die Freude verlieh ihr im Augenblick neue trügerische Kräfte. „Mein Hansi!" flüsterte sie, mit Thränen kämpfend.
„Gieb die Hand, Maus!"
Er zog aus der Brusttasche einen flachen Carton hervor und nahm zwei ganz gleiche Armbänder aus den Seiden-Polstern. „Werthlose Dinger!" sagte er gleichsam entschuldigend, „ein modernes Spielzeug für schöne Hände."
Gold und Perlen funkelten im Lampenlicht; Hans Adam küßte erst das eine, dann das andere Handgelenk. „Seid Ihr nun zufrieden, Kinder? Sind alle Eure Seufzer gestillt?"
Und dann, als ihm die Schwestern ihren Dank aussprechen wollten, sah er plötzlich in alle Ecken des Zimmers. „Fräulein Malten ist fortgegangen; das paßt vortrefflich," setzte er hinzu. „Ich habe auch für sie eine Kleinigkeit mitgebracht, aber später sind mir Bedenken gekommen. Was meinst Du, Cilli, schenke ich ihr dies Medaillon oder lieber nicht?"
„Hans!" rief Ruth. „Hans!"
Cäcilie hatte ein schlichtes, goldenes Medaillon mit einem Vergißmeinnicht auf der Vorderseite aus ihres Mannes Hand genommen und mit zufriedenem Lächeln angesehen.
„Das war hübsch von Dir, Hansi!" rief sie. „Gewiß soll meine treue, liebevolle Adele das kleine Geschenk erhalten."
„Aber Cilli!" warf die jüngere Schwester ein.
„Was Du nur gegen die Arme einzuwenden hast, Ruth! Sie beklagte sich erst kürzlich mir gegenüber, daß Du mit ihr nie eine Silbe sprichst."
„Weil ich sie verabscheue, sie für ganz falsch und verschlagen halte!"
Cäcilie lächelte. „Ich glaube, ich könnte eher meine rechte Hand, als Adele Malten entbehren," sagte sie. „Während der beiden Jahre, seit ich sie um mich habe, ist sie mir zur anderen Hälfte meines Wesens geworden."
„So gib Du ihr in meinem Namen das Medaillon, Cilli!"
Die Baronin schüttelte eifrig den Kopf. „Nein, nein, sie soll es aus Deiner Hand erhalten, Hans, sie soll erkennen, wie hoch ihr Werth von uns geschätzt wird, gerade umsomehr, weil Ruth gegen die Arme eine so unbegreifliche Abneigung hegt."
Das junge Mädchen wandte sich ab, ohne zu antworten. Cäcilie war dem Einfluß ihrer Gesellschafterin vollständig ver- fallen, das wußte sie ja. „ c
Und so wurde Adele gerufen, um ihr Geschenk in Empfang


