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Geineinnütziges.
Holländischer Lampenschleier. Eine lohnende und zugleich amüsante Arbeit bietet die Anfertigung des nachstehend beschriebenen, sehr hübschen, duftigen Lampenschleiers, der aus Seidenpapier hergestellt wird. Man wähle zwei gut zu einander stimmende Farben oder auch zweierlei Schattirung der gleiche« Farbe. Besonders geschmackvoll z. B. macht sich die Zusammenstellung von hellrosa und mattem Grün. Vier Bogen Seidenpapier sind zu einem Lampenschleier erforderlich, Diese breitet man ganz auseinander, legt sie darauf der langen Seite nach zusammen, und schlägt sie dann nochmals, jetzt jedoch in der entgegengesetzten Richtung, über einander. Dann legt man die vier in derselben Weise gefallenen Bogen feto accurat aufeinander und heftet sie dann an der langen, offenen Seite zusammen, fünf Centimeter vom Rande entfernt. Hierauf schneidet man mit sehr scharfer Scheere vom geschloffenen unteren Ende bis zum Reihfaden hinauf lauter schnnle, etwa */i Centimeter breite Streifen; sodann löst man den Faden und nimmt die einzelnen Bogen auseinander, um sie dann zwar in derselben Weise zu falten, nur daß jetzt die Bogen gekehrt werden, also die Innenseiten nach äußen kommen und umgekehrt. Dann heftet man die Bogen nochmals, indem man gleichzeitig ein schmales, 1 Centimeter breites Bändchen in entsprechender Farbe direct oberhalb der Streifen aufnäht. Den letzten Rand von 4 Centimeter« schneidet man in federarttg feine Streifchen, die über ein Messer gekräuselt werden. An dem aufzunähenden Bändchen müssen so lange Enden bleiben, daß man beim Umlegen des Schleiers um die Lampenkugel denselben durch ein Schleifchen zusammenbinden kann.
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Beseitigen von Blutflecken aus Fußböden. Das beste Mittel hierzu ist Abreiben oder Scheuern der Fußböden mit einem Gemisch von 24 Theilen Waffer und einem Theile Schwefelsäure. Ist der Flecken zerstört, so scheuert man mit reinem Waffer, auf keinen Fall aber mit Seife, da sonst ein Fettfleck entstünde. Sollte noch Säure im Holze sein, so kann diese durch etwas Lauge oder Asche unschädlich gemacht werden.
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Das Schwärzen der Eisenblechtafeln geschieht auf folgende Weise: Die Tafeln werden zuerst mit Leinöl gestrichen und hierauf soweit erhitzt, daß das Oel herunterbrennt, wodurch die Oberfläche kohlschwarz wird; die Schwärze widersteht der höchsten Temperatur. Die Tafeln werden getrocknet und mit Benzin oder einer Sodalüsung abgerieben. L. T.
Vermischtes.
Ein höflicher Stallknecht. „Nun, wie geht es den Pferden, Johann?" — „Danke, gut — und Ihnen, Herr Baron?" ♦ ♦
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Unliebsame Veränderung. A.: „Nun, wie geht's denn Ihrem Sohn, dem Studenten?" — B.: „Hm, seit der studirt, hat er sich sehr zu meinem Nachtheil verändert."
' Ungleiches Verhältnis A.: „Wie kann man so faul sein? Warum wollen Sie die Bergpartie nicht mitmachen?" — B.: „Gott, wie heißt „faul"? Der Berg hat 4000 Fuß und ich nur zwei. Das Verhältniß ist mir zu ungleich!"
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Entschuldigungs-Schreiben. Meine Tochter konnte gestern die Schule nicht besuchen, da sie stark hustete und schnupfte. Pemsel, Maurermeister.
Falsch verstanden. Johann (zum Stubenmädchen): „Sie haben aber emal hübsche Hände, Kathie!" — Kathie: „Das findet die Gnädige auch." — Johann: „Die Gnädige, wie so?" — Kathie: „Sie sagte neulich: Der Kathie muß man den ganzen Tag — auf die Finger sehen!"
Muscha Muhe in Hießen.
Am 30. Juni dieses Jahres gab es in dem unter Ludwig Barnays Leitung stehenden Berliner Theater einen Abschied mit so viel Thränen, Blumen, Lorbeerkränzen und sonstigen Ovationen, wie unser modernes Theaterpublikum, speciell die verwöhnten Berliner, es nicht mehr für möglich gehalten hätten. Nuscha Butze trat zum letzten Male auf, um fortan ohne festes Engagement eine Gastspiel-Tournee durch Deutschland zu veranstalten. Die gefeierte Künstlerin wird bei dieser Gelegenheit auch Gießen berühren und, soviel wir erfahren, in drei hervorragenden Rollen im Neuen Theater auftreten. Mit seltener Einmüthigkeit wurde sie während der ganzen Dauer ihrer Berliner Wirksamkeit nicht nur.vom Publikum, sondern auch von den Spitzen der Kritik — voran die Herren Dr. Paul Schlenther, Eugen Zabel, Julius Keller, R. Elcho rc. — als Menschendarstellerin von hinreißender Leidenschaft und unvergleichlicher Naturwahrheit gepriesen und gefeiert. Der ihr im Rang ebenbürtige Wiener College, Adolf von Sonnenthal, gilt als ein Meister der Reflexion; Nuscha Butze ist eine Meisterin der — Natur. Sie kennt kein „Ueber der Situation stehen", sie kennt nur eine grenzenlose Hingebung an den zu schaffenden Character und ein unbewußtes, schrankenloses Aufgehen in des Dichters Phantasiegeschöpsen. Die zarten Formen ihrer jugendlichen Gestalt, das sprechend-schöne Augenpaar, ihr fein nuancwtes Geberdespiel — ein Cabinettsstück körperlicher Beredsamkeit —, ihr weiches, biegsames Organ stehen, beinahe ihr selbst unbewußt, im Dienste eines gewissen Etwas, das auf keiner Theaterakademie angelernt werden kann, das auch dem strebsamsten und feinfühligsten Künstler unerreichbar bleibt. Shakespeare nennt es „die Bescheidenheit der Natur". Der Theaterdirector nennt es Talent. Der unbesangene Zuschauer nennt es Himmelsgabe. — Ludwig Barnay wird den mächtigsten Pfeiler seines Repertoires in der Künstlerin schmerzlich zu vermissen haben. Hatte er sie doch selbst erst gelegentlich eines Gastspieles m Wiesbaden tm Jahre 1888 kennen und schätzen gelernt, um sie dann mit schweren Opfern für Berlin zu gewinnen. Der großen Bäderstadt verdankt Fräulein Butze Viel — vielleicht Alles. Hier wurden im trauten und innigen Verkehr mit der kunstsinnigen Geigerfamilie Wilhelms manche zarten und versteckten Knospen ihrer schlummernden Künstlerseele ans Licht gezogen und zur herrlichsten Blüthe entfaltet. Das Haus Wilhelm; ward eine fürsorgliche Pflegestätte ihrer im Werden begriffenen Gestaltungskraft. Selbst der weißhaarige Dichter der Lieder des Mirza- Schasfy, dem sonst jeder persönliche Verkehr mit der Oeffentlichkeit zuwider war, rüstete sich zu ihrem Abschied von Wiesbaden mit folgenden Jamben:
„Chorführer soll ich sein der langen Reihe
Verehrer, die ein freundliches Vermächtniß — Das ihren Wünschen sichtbar Ausdruck leiht — Dir widmen möchten: sie Dir in's Gedächtnis; Zurückzurufen, wenn in müßigen Stunden Du an die Jahre denkst, die hier entschwunden, — Bald wirst Du in der Hauptstadt Glanz Dich sonnen, Was hier verloren geht, wird dort gewonnen;
Und wer wie Du weiß, spielend zu erheitern, Kann der Verehrer Kreise schnell erweitern. Natur und Kunst kommt Dir dabei zu Nutze, D'rum wird das Glück Dir treu sein, Nuscha Butze."
Eine ganze Galerie intereflanter Frauengestalten ist im Geleite der uns von Herrn Reiners angekündigten Gästin. Welch' eine unendliche Fülle von Tönen schlummert in dieser zarten Frauenbrusti Für jedes Gefühl, für jede Regung, für die wuchtigsten Accente, für den leisesten Hauch weiß sie in ihrem Seelenregister die richtige Taste anzuschlagen. Der Hörer wird mitgerissen, muß Mitempfinden, mag ihr Mund verkünden — das gemüthvolle Geplauder von Minna (Mmna von Barnhelm), die geistvolle Schärfe von Porzia (Kaufmann von Venedig), die leidenschaftliche Gluth von Claire (Hüttenbesitzer), den herrschsüchtigen Trotz von Thekla (Wallenstein), den neckischen Ueber- muth von Cyprienne (Cyprienne), die treuherzige Derbheit von Emilia (Othello) rc. — Gar manchem unserer allerjüngsten, Dem Boden der sogenannten Moderne entsprossenen Bühnenstück wurde durch ihre hinreißende Gestaltungskraft und ihr zielbewußtes Selbstschaffen wenigstens für die kurze Spanne eines Abends blutwarmes Leben eingehaucht. Man sprach oft von einem Butze-Abend und so nebenbei auch von dem neuen Autor des neuen Stückes. . .
Wir wissen schließlich nicht, in welchen Rollen Fräulein Butzedie Bühne des Neuen Theaters betritt. Jedenfalls wird es, den Verhatt- nissen unseres Instituts angemessen, im bürgerlichen Schauspiele geschehen müssen. B—r-
Redaction: I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


