Ausgabe 
3.8.1893
 
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Hallenstein meuchlerisch aus dem Hinterhalt getödtet worden war, nicht ihm, sondern dem Staatsanwalt Bernhard Rode- waldt gegolten hatten durch die annähernd gleiche Figur der beiden Männer und durch den Umstand, daß der junge Arzt aus der Wohnung des Staatsanwalts gekommen war, mußte der Jrrthum des Verbrechers veranlaßt worden sein. Er war seinem Opfer allem Anschein nach eine kurze Strecke unbemerkt gefolgt und hatte dann aus nächster Nähe die beiden Schüsse, von denen jeder einzelne unbedingt tödtlich gewesen wäre, gegen seinen Kopf abgegeben.

Auch über die Beweggründe seiner That verbreitete die Beweisaufnahme Licht genug, wenngleich die Verirrung des Tobten bei der Verhandlung nicht mit einem einzigen Wort zur Sprache kam und roetm auch der Name Elfriedens nur sehr selten genannt wurde. Trotzdem bewährte sich die con- sequent durchgeführte Tactik des Angeklagten wenigstens inso­fern, daß die Geschworenen mit einer Majorität von zwei Stimmen die Frage nach dem Vorliegen eines Mordes ver­neinten und Julius Stirner nur des Todtschlages schuldig sprachen.

Der Gerichtshof erkannte auf eine Zuchthausstrafe von fünfzehn Jahren, und Stirner antwortete auf die Frage des Präsidenten, ob er sich bei dem Urtheil beruhigen wolle, mit einem spöttischen Lächeln:Ich habe ja während der nächsten anderthalb Jahrzehnte Zeit genug, mir das zu überlegen."

In der Kirche des stillen Landstädtchens, in welches sich der Gymnasialdirector Professor Hallenftein nach seiner Pen- sionirung zurückgezogen hatte, um hinfort nur noch seinen literarischen und wissenschaftlichen Arbeiten zu leben, wurde weitere zehn Monate später die Vermählung Elfriedens und Rodewaldts vollzogen. Die Erinnerung an das Vergangene warf wohl noch einen tiefen Schatten auf ihr geräuschloses Hochzeitsfest; aber das hohe und heilige Glück, das ihre jungen Herzen erfüllte, konnte selbst durch den Gedanken an den theuren Preis, mit welchem sie es bezahlt hatten, nicht mehr beein­trächtigt werden.

Gsineinnütziges.

Gebrauch alten Zeitungspapieres. Altes Zeitungspapier hat bekanntlich den Geruch der Druckerschwärze an sich und macht dessen Anwendung daher nicht immer mög­lich. Der in New-Dork erscheinendeFortschritt der Zeit" gibt die Thatsache als ganz sicher an, daß Zeitungspapier von Motten niemals angefressen wurde, denn die Druckerschwärze wirkt so gut wie Kampfer und es ist deshalb auch vortheil- haft, alte Journale unter die Stubenteppiche zu legen, um Mottenfraß zu verhindern; ebenso hat es sich bewährt, Pelz­werk, Tuch und dergleichen in Zeitungen elnzuschlagen, damit genannte Jnsecten sie nicht zerstören. Für die meisten unserer Leser dürste es neu sein, daß Zeitungspapier, indem es keine Luft durchläßt, erhaltend auf Artikel wirkt, die luftdicht ver­schlossen sein müssen. Ein Krug Wasser mit einem Stück Eis darin läßt dasselbe im heißesten Sommer über Nacht nicht schmelzen, wenn das Gefäß ganz in Zeitungspapier ein­gehüllt ist.

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Bierflecke kann man entfernen, wenn man den Stoff in reinem warmen Seifenwasser auswäscht.

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Brodsuppe mit Bier. Zu übrig gebliebenen Brod- stückchen, die man in wenig Wasser mehrere Stunden hindurch eingeweicht hat, gibt man so viel Bier dazu, als man Suppe braucht, und läßt es kochen- Dann streicht man die Suppe durch ein Sieb, gibt etwas Butter, etwas Zucker, einen halben Theelöffel gestoßenen Ingwer und das entsprechende Salz dazu; gut ist es, die Suppe noch mit einem zerquirlten Ei abzurühren.

Vergoldete Gegenstände zu reinigen Dies gelingt, wenn man sie leicht mittelst eines Schwammes oder einer weichen Bürste mit einer Lösung von einer halben Unze Borax in ungefähr 4/7 Liter Wasser abwäscht, hierauf in reinem Wasser abspült und mit einem weichen Leinenläppchen trocknet. Den ursprünglichen Glanz gewisser Artikel kann man bisweilen verbessern, wenn man sie etwas erwärmt und dann mit einem weichen Lappen abreibt. Vergoldete Bilder- und Spiegel­rahmen sollten stets nur mittelst reinem Wasser und Schwamm oder einer weichen Bürste (bei Oelvergoldung) zu reinigen ver­sucht werden.

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Glasgeräthe zu feilen. Ein einfaches Mittel besteht darin, daß man eine Feile in starke Natronlauge und dann noch naß in groben Sand steckt. Mit dieser mit Sand und Natronlauge bedeckten Feile kann man Glasgeräthe in ganz rücksichtsloser Weise bearbeiten, ohne ein Springen der Glases befürchten zu müssen.

Vermischtes.

Der Chinese Hu-Chi-Bin, welcher seit vier Jahren in Berlin lebt, hielt in einer großen Versammlung, welche im Saale derKönigsbank" stattfand und von etwa 1500 bis 1800 Personen, zum größten Theil Frauen und Kindern, be­sucht war, einen recht interessanten und mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag überDie christliche Mission in China und über die heidnischen Religionen, Sitten und Gebräuche in China". Hu-Chi-Bin ist ein kaum 20jähriger Jüngling, welcher in Deutschland als Missionar ausgebildet worden ist und sich bereits in den nächsten Tagen zurück nach China be- giebt, um dort das Christenthum zu verbreiten; derselbe spricht noch sehr mangelhaft deutsch, doch weiß er den Vortrag recht humoristisch zu. pointiren. Der Redner erläuterte in einer längeren Vorrede, wie weit bisher das Christenthum verbreitet ist. Zuerst seien es die Katholiken gewesen, welche gleich nach der Reformation dort festen Fuß gefaßt hätten. Den Missio­naren begegnete man mit großem Mißtrauen, denn es werde ihnen nachgesagt, daß sie aus den Augen der Kinder Medici« bereiten. Augenblicklich seien wieder zwei katholische Missionare in China, Dr. Robert Mullisan und Dr. Gützlaff; als Mullifan nach Chartung gekommen sei, habe er auch chinesische Kleidung und einen Zopf tragen müssen; der Zopf habe nicht so schnell wachsen wollen und er habe sich nun einen Zopf gekauft (Ge­lächter) und in die Mütze geklebt, so daß, wenn er die Mütze abnahm, er auch zugleich den Zopf mit abnahm. (Großes Gelächter). Die Kinder habe Dr. Mullisan viel geschlagen, und er, Hu-Chi-Bin, habe auch Schläge bekommen. (Gelächter.) Die größte Mtssionsgesellschaft sei dieChina-England-Mission", dieselbe habe über 600 Missionare in China. In einer chine­sischen Schule seien höchstens dreißig Kinder, diese müßten alle recht laut schreien; er habe auch immer fehr laut geschrieen (Gelächter); das Schreiben sei sehr schwer, es gebe Missionare, die wohl sprechen und lesen, aber nicht schreiben könnten. China sei größer als ganz Europa, es regiert dort nur ein König, welcher jetzt 22 Jahre alt sei, aber trotzdem schon 18 Jahre regiert; dieser habe die Macht über Tod und Leben seiner Unterthanen. In Japan, China, Korea und Indien würden noch jetzt Götzendienste abgehalten; in einer Kirche gebe es etwa 600 verschiedene Götzen, in einem Hause jedoch nur einen. Zur weiteren Beobachtung zeigte er dneti echten chinesischen Götzen vor, welcher eine kleine, auf einem Sockel sitzende Figur darstellt. Diesen Götzen, so hob Redner hervor, hätten schon viele Leute angebetet; aber er thue das nicht. Der Götze habe hinten im Rücken ein Loch, wo ihm der Geist eingeblasen werde; derselbe bekomme auch zu essen, und des­halb werde ihm zu Mittag ein Teller Reis vorgesetzt und dann später, wenn er genug gegessen, wieder fortgenommen. Wer noch einen Götzen wünsche, dem werde er einen aus China fenden. (Gelächter. Rufe: Dankei) In Deutschland