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GeinernnÄtziges.
Gegen den Rosenwickler. Rollen sich die Blätter des Rosenstrauchs zusammen, so hat dies die Raupe des Rosenwicklers zur Ursache. Es bleibt nichts weiter übrig, als die zusammengerollten Blätter abzuschneiden; einfacher noch ist, wenn man sie mit den Fingern zusammendrückt.
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Bienenstich schmerzt nicht mehr, wenn man den Stachel sofort herauszieht und die Wunde mit einem thalergroßen Stück Collodium belegt.
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Geld, viel Geld steckt in den leerstehenden Wandflächen an Gebäuden; jede nach Süden oder Osten gelegene Wandfläche sollte mit Spalierobst oder Reben bepflanzt sein, wie es in Belgien oder Südfrankreich der Fall ist; die Arbeit ist so gering, der Ertrag ein fast ünmer reicher.
Gurken dürfen nur Morgens gepflückt werden, in der Sonnenhitze gepflückt, sind sie schädlich.
Znm Treiben des Schnittlauchs verwende man nur starke Pflanzen, hebe dieselben im Herbst mit guten Wurzelballen aus und pflanze sie so in Töpfe- Die letzteren stelle man dann in das Fenster eines mäßig geheizten Zimmers.
Der Kehricht aus Mühlen und Bäckereien ist vermöge seines großen Mehlgehaltes ein sehr guter Dünger, ebenso der Inhalt der sogen. Löschkübel, mit deren Wasier nach beendigter Feuerung der Backofen gereinigt wird.
Gipsfiguren zu reinigen. Gipsfiguren reinigt man, indem man sie mit einer dicken Abkochung von Stärke anstreicht. Wenn der Anstrich trocken ist, so schält er sich ab und nimmt den Schmutz mit-
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Zur Behandlung der Mhrthe. Die Myrthe ist eine ziemlich difizile Pflanze, so daß sie leicht eingeht, wenn sie nicht gehörig behandelt wird. Sie liebt fette, mit etwas Sand gemischte Erde, in derartigem Boden gedeiht die Myrthe daher auch am besten. Man überwintert sie an einem luftigen Standort, bei 1 bis 5° R. Wärme und bei mäßiger Feuchtigkeit. Im Mai bringt man die Pflanze ins Freie, doch darf man sie der Sonne nicht zu sehr aussetzen. Im Sommer ist reichliches Gießen geboten. Jedes Jahr im April muß die Mvrthe umgepflanzt werden, wobei zugleich Wurzelballen und Krone etwas zu beschneiden sind. Will man starke und buschige Myrthenbäumchen ziehen, so sind die Pflanzen im Sommer an eine warme Stelle ins freie Land zu setzen. Die Vermehrung geschieht sehr leicht im Juni durch Senker in einem abgetretenen Mistbeete.
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Ungeeigneter Anstrich für Vogelkäfige. In frisch mit Oelfarbe angestrichene Käfige darf man keine Vögel bringen, sie würden sonst bald sterben. Auch Käfige, welche mit einer giftigen Farbe angestrichen worden sind, wie Schweinfurter Grün, Grünspan, Bleiweiß rc., erweisen als sehr schädlich für die gefiederten Sänger. *
Kartoffelsalat auf französische Art. Zwei hart- gekochte Eidotter werden mit einem gehäuften Theelöffel Senf, einen Theelöfel Salz, einer Mefferspietze gestoßenem Pfeffer, einem Theelöffel voll feingehackten Schalotten, vier Eßlöffel voll Olivenöl und drei Eßlöffel Estragon oder Weinessig zu einer glatten Sauce verrührt, zu welcher man 750 Gramm der eben abgekochten, geschälten und in Scheiben geschnittenen Kartoffeln mischt; man kann den Salat mit eingelegten Oliven belegen.
Vermischtes.
Das schlaue Dienstmädchen- Hausfrau: „Rosa, was war denn das gestern für ein Dragoner in der Küche?" — Dienstmädchen: „Ach, das war mein Schatz, aber —" — Hausfrau: „Run weiter!" — Dienstmädchen: „Run ja, ich werde ihn abschaffen." — Hausfrau: „Warum denn?" — Dienstmädchen: „Weil er sich über Alles aufhält." — Hausfrau: „Aufhält?" - Dienstmädchen: „Ja, gestern sagte er wieder: Deine Gnädige ist die schönste Dame, die ich jemals gesehen habe. Wie darf denn der über Sie sprechen?" - Hausfrau: „Das scheint doch aber ein sehr ordentlicher Mensch zu sein, den solltest Du doch behalten."
Der Sonntagsjäger im Hause. Papa (zu Arthur, der eine kleine Unart begangen hat): „Komm' mal her, Du kleiner Strick!" — Athur: „Nein, Papa, Du schlägst mich. — Papa: „Bewahre! Komm' mal her, mein Häschen!" — Mama (einfallend): „Geh' nur hin zu Papa, Arthur, Papa hat einem Häschen noch niemals etwas gethan."
Schlau. „Wie kam es denn eigentlich, liebe Marianne, daß Du gestern Abend in der Gesellschaft über Zahnschmerzen klagtest, Deine Zähne sind ja doch bereits - „Still, still, lieber Albert, ich that das nur, damit alle Welt glauben soll, ich habe keine falschen Zähne." *
Ablehnung. Supplikant: „Gnädiger Herr, mir gehi's so elend und jammervoll, daß ich ganz verzweifelt bin. Meine arme Frau ist seit zwei Jahren krank, mein Sohn wurde von Wölfen zerrissen, meine unglückliche Tochter ist erblindet, meine ..." — Bankier: „Nu, was erzählen Sie mir all' das?! Bin ich etwa e' Dramatiker?" *
Eine Kleinigkeit. Ein Herr will einen ihm befreundeten Schauspieler in's Restaurant abholen und trifft ihn hinter den Coulissen. „Einen Moment," ruft der Mime emg, „ich muß nur noch fchnell sterben —*dann komm' ich gleich!
Falsche Vorspiegelung. Im Gasthaus sitzt ein Herr mit einer auffallend rothen Nase. Ein neu eingetretener Gast sieht diese und bestellt sofort von demselben Wem, welchen der Herr trinkt, denn — denkt er sich — der trinkt gewiß nichts Schlechtes. — Nachdem er den Wein gekostet, verzieht er zornig sein Gesicht und murmelt dann mit einem Seitenblick auf den Herrn mit der rothen Nase^ „Schwindler!"
ArgeEnttäuschung. Cousine: „Dein College« grüßen uns Alle so höflich! Die denken wohl, ich sei Deine Braut?i — Student: „Oder Erb-Tante!",
Vom Hörensagen. In einem pfälzischen Weinort ist eine Wasserleitung gelegt worden- Etwa ein halbes Jahr nach Vollendung derselben sragt ein Fremder einen Einheimischen nach der Beschaffenheit des Wassers- Es soll recht gut sem. antwortete der Biedere. , ,
Errathen. Spitzbub: * Gnaden, Herr Richter - ich bin unschuldig! Ich hab'das Gansel g'rad a' bifferl g'streichelt — und im Handumdrehen war's hin!" — Richter: „Das scheint mir schon eher im Halsumdrehen geschehen zu sein!
Bittere Enttäuschung. Ein Rechtsanwalt hat seinen des Diebstahls bezichtigten Clienten so warm und eindringlich vertheidigt, daß das Auditorium ganz ergriffen ist und der Angeklagte selbst sich mit einem eleganten Foularv die Augen wischt. Da blickt der Anwalt zufällig in seiner Rede auf ihn und ruft verblüfft: „Wiel Der Kerl hatia mein Schnupftuch."
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießm.


