Ausgabe 
3.6.1893
 
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- 2Ö4 -

seine Dame und das Tanzen

.finden Sie nicht auch,

Asta,

zu tanzen und sollte es bleiben

Gehen hinkt, braucht man nicht

von Neuem mit ihr angetreten. Seitdem hatte der Maler

zu beglückwünschen. Er erkundigte sich, wie ihr der vorgestrige I Polterabend bekommen. Warme Freundschaft wehte sie aus seinen Worten an. Es that ihr wohl, mit ihm plaudern zu können.

Asta strahlte vor Glück, weil sie es durchgesochten hatte, Werner als Tischherrn zu erhalten, obwohl man einen Andern für sie in Aussicht genommen hatte.

Ich wollte, das langweilige Diner wäre schon vorüber," seufzte sie und legte vertraulich den Kopf an Werners Schulter. Sie müssen mich streng überwachen, sonst hole ich mir heute einen kleinen Spitz. Champagner trink' ich für mein Leben gern! Du auch, Leonie? Ihr hört ja gar nicht auf mich!"

Werner bekam einen heftigen Ruck.

Die arme Asta! Sie hatte sich unendlich darauf ge­freut, recht viel mit ihrem Herrn und Meister, wie sie ihn titulirte, zu tanzen und nun legte sie schon zum dritten Mal ihren Arm in den des Herrn von Götz, des kleinen Lieutenants, welchen sie als Tischherrn verschmäht hatte. Sie redete, sich ei«, er wolle feurige Kohlen auf ihr Haupt sammeln, weil sie ihn letzthin auszelacht und und das machte sie erst recht böse. Warum tanzte Werner nicht mit ihr? Hatte sie ihn deshalb zu ihrem Herrn erbettelt, um so vernachlässigt zu werden? Wie ein Träumer lehnte er an der Thür, die nach dem Nebensaale führte. Sie folgte der Richtung seines Blickes. Sern Auge hing an Leonorens schönen Zügen, die eben wieder mit Herrn von Strehlen zum Tanz antrat.

Asta hatte sich vorhin zu Leonie und dem Maler über Onkel Strehlen lustig gemacht, als er blitzenden Auges, mit raschem, elastischem Gang, der den nachschleifenden Fuß Lügen strafte, durch den Saal auf sie losstelzte.Ich glaube, Onkel hat zu viel getrunken?" kicherte sie und sah den Maler bedeut­sam an, während Strehlen sich vor ihrer älteren Freundin verbeugte.Mein gnädiges Fräulein," hatte der Oberst ge­sagt,halten Sie es im Namen des Vaterlandes einem Krüppel zu gute, wenn er einen Tanz riskiren will und sich dazu die herrlichste der Blüthen aus dem Kranze wählt? Während der Pause war er seiner Tänzerin zur Seite geblieben und dann

vergessen.

Herr von Götz," knurrte Asta,finden Sie nicht auch, wenn man einen Schuß in das Knie bekommen hat und beim

lassen?"

Kann leider Ihnen zu Gefallen nicht aus Erfahrung urtheilen," bedauerte er,versichere Sie aber auf Ehre, würde das Tanzen ermöglichen, Sie auf zwei Minuten an mich zu fesseln, und hinkte ich auf beiden Beinen!"

Sie sind außerordentlich boshaft," schalt sie.

Nicht Redens werth," erwiderte er,was so für den Hausbedarf von Nöthen ist!"

Na, ich möchte Ihre Schwester nicht fern!" rief sie mit geheucheltem Entsetzen. ,,

Das möchte ich auch um Alles nicht!" übertrumpfte er sie.

Seine kleinen schwarzen Augen blitzten sie belustigt und überlegen an und sie weiß ihm nichts zu antworten und wird ganz verlegen.

Finden Sie Leonie auch so schön?" stottert sie, um von etwas Anderem anzufangen, und streift sehr eifrig die Arm­spange höher hinauf, damit sie ihn nicht anfehen muß.

Wie schön denn, gnädiges Fräulein?" fragt er ironisch. Oder wollen Sie nur hören, wer für mich die Schönste ist? Ja, fall ich's Ihnen sagen?"

Da schneidet sie ihm ein Gesicht, das allen guten Regeln des Anstandes zuwider ist, ihr aber köstlich steht und ihm ein leises Lachen abzwingt. Die Unterhaltung mit der boshaften Kleinen fängt an, ihn immer mehr zu amüsiren.

Elfa von Toffsky würde die Bemerkung machen: Er versucht Süßholz zu raspeln," spricht sie altklug.

Meinen Sie im Ernst, gnädiges Fräulein, Elsa hat zu­weilen Gelegenheit, sich derartig zu äußern?"

Jetzt lachen Beide. Er hat den Kopf dicht zu ihr ge­bogen und ihr großer Fächer thut seine Schuldigkeit und ver­deckt den Uebermuth.

Schütze mich, schwertloser Kämpe," deelamirt sie mit theatralischem Pathos und fährt dann kläglich fort:Die arme Elsa! Was kann sie dafür, daß von ihres Vaters leuchtendem Antlitz ein sanfter Abglanz auf sie gefallen?"

St, st I" warnt er-Sie ist in unserer nächsten Nähe. Vorsicht!"

Man behauptet" flüstert er noch leiser,auch sie spräche dem Burgunder zu. Die zarte Passion macht blaffer und das Näschen nicht weißer. Vielleicht auch Abglanz väterlicherseits." Ach, Herr von Götz, wer weiß, wie Sie erst aussehen, sind Sie einmal Oberstlieutenant. So ein rosiger Anflug findet sich schnell!"

Unbesorgt!" lachte er.Würde mir als Gegenmittel eine kleine, boshafte Frau nehmen, die mich grün und blaß ärgerte."

Grün und blaß, wie meinen Vampyr," warf sie ver­gnügt ein. ~ ,

Gewiß, gnädiges Fräulein, wenn es Ihnen Freude be­reitet, werde ich mich bemühen, Ihrem Freund und Lehrer ähnlich zu werden- Herr Werner scheint Ihnen sehr werth zu sein?" , . ,

Natürlich, er ist ja der einzige Mensch, mit dem ich ein vernünftiges Wort reden kann."

Der Lieutenant machte ihr eine tiefe Reverenz-Höchst verbunden! Gnädiges Fräulein sind die incarnirte Liebens­würdigkeit !"

Wenn Sie mich doch aussprechen lasten wollten," erhitzte sie sich,ich meine von Denen, die mir nahestehen. Papa und Mama rechnen nicht mit- Die sind viel zu alt, um mich zu verstehen; sie raisonniren über Alles und schließlich setze ich doch meinen Willen durch- Wenn ich erst so alt bin rote sie, denke ich vielleicht ganz ebenso, aber bis dahin hat es noch lange Wege! Erna will mich einfach unterdrücken. Sie können sich nicht vorstellen, wie glücklich ich bin, daß sie nun bei mir zu Haufe nichts mehr zu sagen hat. Einen Bruderhabe ich nicht! Meine Freundinnen sind alle schrecklich oberflächlich und dumm. Herr Werner ist der Einzige, der mich versteht; der findet atich Alles begreiflich und hat allemal Recht, gibt er nur einen guten Rath!" ...

Fürchte, er weiß Andern gut zu rathen und sich selber nicht," spottete Götz.

Wie meinen Sie das?" fuhr sie gereizt auf

Der kleine Lieutenant zog sie rasch entschlossen an sich und wirbelte aus der Reihenfolge heraus mit ihr durch den Saal, ihr die Erklärung schuldig bleibend.

Eine Tanzpause war eingetreten. Alles schwirrte durch­einander. , , .

Leonore hielt es nicht länger im Saale aus; es verlangte sie danach, ein paar Minuten allein zu sein. O der Qual, mit lächelnder Miene Phrasen zu tauschen, während das ge- marterte Herz vor unsagbarem Weh aufschreien möchte. Es gelang ihr mit Mühe, sich der Gesellschaft des Obersten und einiger Freundinnen, dis sie aufhielten, zu entziehen und nach der Gallerie hinaus zu flüchten. Da stand sie nun draußen in dunkler Nacht, allein und verlasten, wie sie es für s ganze Leben fein würde. Sie blickte zum Himmel auf, kein Stern war sichtbar. So, ohne einen Hoffnungsschimmer, finster unv trostlos gähnte ihr die Zukunft entgegen- Nein, nicht trostlos öde! Hatte sie doch das süße Bewußtsein, den Geliebten gerettet zu haben, war gleich ihr Lebensglück der hohe Preis b^Ürg)a8 Oeffnen der Saalthür unterbrach ihren Gedanken­gang. Sie wich unwillkürlich ein Stück zurück.

Zwei Herren betraten die Gallerie, vermuthlich um tut einen Augenblick Kühlung zu suchen. Leonore erkannte Herrn Toffsky am Organ. Der Oberstlieutenant mußte dem Wem schon stark zugesprochen haben, seine Zunge stieß beim Reden an- >Verehrtester Herr Oberst," näselte er,Comödie, können mir glauben, Alles Comödie! Der Schlaukopf, der Malten,