Samstag, den 1. Juli.

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1893.

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^ntevhaltnngsblatt znnr Gietzenev Anzeigen (Geneval-Anzergev)

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Verschlungene Pfade.

Roman von Max Hochberg.

(Fortsetzung).

Ich bin ein Tyrann," schalt Strehlen sich,Du bringst mir Opfer über Opfer I Die große Festlichkeit bei Hof schlugst Du meinetwegen aus, zum Kaffee bei der Fürstin ließest Du Dich entschuldigen, für den Wohlthätigkeitsbazar auf dem Schlosse konntest Du meiner Pflege halber nicht abkommen I Du bist so gut, Leonie, viel zu gut"

»Und Du wirst so gut sein, die Veilchen für dies kleine Glaskörbchen zurechtzulegen," commandirte sie scherzend.Ganze Compagnie rührt Euch!" Damit ließ sie sich auf die Knies nieder, etliche zu Boden gefallene Blumen aufhebend und ihm auf die Decke legend.

Leonore nahm es ernst mit dem Worthalten. Der nächste Morgen fand sie mit eingeflochtenem Haar. Sie schüttelte zu­weilen, verdrossen ob der ungewohnten Last, den Kopf; der Druck, der Zöpfe und Nadeln war ihr zu fremd. Schwerer noch ließen sich die unangenehmen Fragen ertragen, warum sie sich freiwillig ihres schönsten Schmuckes entäußere. Auch Erna hatte eines Tages gestichelt, was denn die armen Locken verbrochen?

Sie war mit Hans hinübergekommen; Strehlen durfte zum ersten Mal den Kaffee auf der geschützten Veranda der Mittagsseite des Hauses trinken. Der Oberst hatte es ihr derb gegeben, ehe noch Leonore den Mund öffnen konnte. Er­freute sie sich solcher Haartracht, herrschte er sie an, würde sie schwerlich seiner Frau Entsagung besitzen und sie vor den Leuten verstecken.

Recht so," hatte Hans vergnügt beigepflichtet.Ihre Hand, Onkel Strehlen! Bin Ihnen zum wärmsten Dank für Ihre Offenheit verpflichtet. Bin außerdem ganz derselben Meinung I"

Erna machte gute Miene zum bösen Spiel, aber in ihrem Herzen schwur sie Rache. Onkel Strehlen wollte sie seine Grobheit gelegentlich eintränken und Hans und Leonore sollten erfahren, welchen Widersacher sie hatten.Ich will ihnen den Fuß schon auf den Nacken setzen! Und die Locken mußte sie doch nach meinem Willen abschaffen I" triumphirte sie innerlich.

Die Veilchen waren verblüht und die Rosen auf Streh­lens Befltzthum hatten ihre Düste verschwenderisch ausgestreut, aber der Gärtner allein hatte sich darüber gefreut und ihr reiches Blühen bewundert. Nur ein paar tiefdunkle Rosen- stöcke und der Marschall Niel prangten noch mit Blüthen bei

Strehlens Zurückkunst aus dem Bade. Seine Frau am Arm durchwanderte der Oberst Park und Garten. Er ging ein gutes Theil langsamer als früher. Dem kranken Fuß war eine merkliche Schwäche geblieben, die auch der Aufenthalt in Teplitz nicht verringert hatte.

Gleichzeitig mit Strehlens war auch Erna zurückgekehrt. Der Arzt hatte ihr gerathen, nach Norderney zu gehen.Der angegriffenen Nerven halber," fetzte die Zofe dem Tölpel von Burschen auseinander, als er mit unverschämtem Grinsen ge­fragt, ob die See wirklich für kranke Galle oder Gelbsucht gut sei.

Meistentheils waren sie alle wieder zu Hause, die wirk­lich einer Erholung Bedürftigen, wie die Luftschnapper aus Mode. Auch Werner war von einer norwegischen Reise, die ihm reiche Anregung gegeben, zurück und weilte wieder in seiner Vaterstadt. Seit jenem Morgen am Gitter des Parkes hatte er Leonore nicht gesprochen. Andern Tags war unter Frau Huhns Adresse ein Brief von ihrer Hand für ihn ein­gelaufen, der die Bitte enthielt, sie nicht wieder aufzufuchen, ihr lieber aus deni Wege zu gehen, wo er könne, aus Grün­den, die sie nicht gern näher erörtern möchte. Sie versicherte ihn in warmen Ausdrücken ihrer unwandelbaren Freundschaft und sagte ihm dabei ein Lebewohl für immer.

Er hatte sich darein gefunden: war er doch das Entsagen von Jugend auf gewöhnt. Die Eltern waren ihm früh durch den Tod entrissen worden, Geschwister hatte er nicht besessen; Griffel und Pinsel waren seine Gefährten geworden, sein Zeit­vertreib, sein Trost, seine besten Freunde. Er hatte nie zu hoffen gewagt, auch in seinen kühnsten Träumen nicht, daß das schönste und gefeiertste Mädchen der Stadt ihm je mehr als freundschaftlich näher stehen könnte. Gewissermaßen hatte sie ihn immer ausgezeichnet, indem sie für ihn allezeit ein herz­liches Entgegenkommen, ein gleichmäßig liebenswürdiges Ver­halten gehabt hatte, dessen sich kein anderer ihrer sonstigen Verehrer erfreute. Er hatte sich diese Bevorzugung dahin aus­gelegt, der bürgerliche Maler, wenngleich bei Hof gut ange­schrieben und überall hoch ausgenommen, rangire doch nicht unter die Bewerber der stolzen Malten. Dazu der sich immer wärmer gestaltende Verkehr mit ihrem schönen Vetter! Nun verriethen ihm die wenigen Zeilen, die so gezwungen förmlich abgefaßt waren und zwischen denen sich doch so viel lesen ließ, sie war ihm keine Fremde, hinfort stand sie ihm nah, mochten ihre Lebenswege auch auseinandergehen. Ein bittersüßes Gefühl durchdrang ihn. Weshalb mußte er sie im Augenblick des Findens verlieren? Aber trotz des Trennungswehes und des Nimmerwiedersehens, das sie von ihm forderte, jubelte es in seinem Herzen aus vor Seligkeit und dies Glückgesühl