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eine Fischräucherei anlegt oder was sonst hübsche Procente abwirft."
Der alte Herr hustete krampfhaft; es schien, als ringe er nach Aihem. „Erich," stieß er hervor, „Erich, Du glaubst, daß der Schloßherr in — in —"
„Concurs geräth, Großvater. Daran ist nichts mehr zu ändern."
„Nichts? — Gar nichts?"
Das war wie in furchtbarer Angst gerufen. „Erich", bat der alte Herr, indem er wie beschwörend die Hand erhob, „Erich, Du sollst nicht übertreiben."
„Das ist leider ga.iz unmöglich, Großvater. Die Dinge auf dem Schlöffe stehen so, daß ver Katastrophe "licht mehr vorgebeugt werven kann. Hans Adam selbst ist der Einzige, dem das niemals einfällt; er steht unmittelbar vor dem Abgrunde, ohne ihn zu sehen."
„Und Keiner findet sich, ihm die Hand zu reichen? Keiner, der Hilfe, Retiung biächte?"
„Keiner. Da sind Berge von Schulden, wahre Unsummen. Hans Adam hat seit seiner ersten Lieutenantszeit fürstlich gelebt und nachdem er die Herrschaft Moldt übernahm, auch allerlei falsche Speculationen betrieben. Ec verschenkte Tauserde, ohne sie zu besitzen, er stellte Leute mit hohen Gehältern an, ohne ihnen Beschäftigung geben zu können, und veranstaltet Feste una Aufzüge, die ganze Jahreseinkommen verschlingen- Ihm ist nicht zu helfen."
Der alte Herr hielt die wachsbleichen Hände auf der Decke gefaltet. „Sein Vater war mein vertrautester Freund," sagte er, „ihn selbst habe ich am Tauftage in meinem Arm gehalten. So lange ich denken kann, waren die Moldts zu Molde mir eng verbunden und theuer gleich Blutsverwandten."
Er wiegte den Kopf wie in körperlichem Schmerz. „Und Cäcilie?" fuhr er dann fort, „die arme Cäcilie, wie wird sie den schweren Schlag ertragen? — Erich, vielleicht kommt der Tag, an dem sie Dich anklagt, Dich mit Vorwürfen überhäuft. Als ihr Vormund hättest Du die Heirath mit dem verschuldeten Manne nicht zugeben dürfen "
Jetzt lächelte der Gutsherr, ein freierer Athemzug hob ihm die Brust. „Da irrst Du, Großvater," versetzte er. „Des verstorbenen Pastor Aßmanns Töchter sind keine Frauen im Sinne unserer heutigen Gesellschaft. Cäcilie hat ihren Mann aus Neigung geheirathet, sie liebt ihn über Alles und wird auch das bescheidenste Loos an seiner Seite noch als ein hohes Glück betrachten. Und überdies — wer weiß denn, was geschieht. Cäcilie ist zart wie eine Treibhausblume."
„Du denkst, daß sie vorher--ach Erich, wohin führen
doch die traurigen Gedanken? — Sage mir, steht das Unglück auf Moldt unmittelbar vor der Thür?"
Des alten Mannes Enkel schüttelte leicht den Kopf. „Ein Jahr mag es Hans Adam im besten Falle noch treiben," antwortete er. „Die Zahl seiner Freunde ist groß, die der Wucherer und Speculanten noch größer. Hans glaubt selbst an die Luftschlöffer, welche er fortwährend baut; es ist nicht seine Absicht, irgend einen Menschen zu betrügen. Das wissen die Leute und so gelingen ihm allerlei fabelhafte Schachzüge. Freilich nur, damit später das Unglück um so bedeutender, zerstörender wird."
Er erhob sich nach diesen Worten und streckte dem Alten die Hand entgegen. „Ich muß jetzt gehen, Großvater. Willst Du noch länger draußen sitzen bleiben?“
Der Greis sah auf. „Du gehst zum Feste nach Moldt, Erich?"
„Ja- Man unterhält sich während einiger Stunden."
„Gewiß, gewiß — und man sieht schöne Frauen, auch die schönste, reizendste von Allen — Anna Bürklin."
Der Gutsherr lachte, während er den schwerfällig ausstehenden alten Herrn am Arm in das Haus führte- „Anna Bürklin die Schönste?“ wiederholte er. „Großvater, welch' eine Behauptung! Dieser Irrwisch mit den schwarzen, funkelnden Augen und dem dreisten Blick, diese —"
„Liebst Du etwa eine Blondine, Erich? Doch nicht des Pastors —"
„Gute Nacht, gute Nacht, ich habe Eile."
Und der jüngere Wolfram sprang mit drei Sätzen die Trevpe hinauf, um dann nach kurzer Zeit ballmäßig gekleidet, in Frack und weißen Handschuhen, wieder zu erscheinen Jetzt dämmerte es bereits, die Equipage brachte Pen Gatsherrn in einer Viertelstunde nach Moldt und in die Mitte einer zahlreichen, glänzenden Gesellschaft Der ganze vor dem Schlosse liegende Garten war von einem Lichtmeer überflulhet; neben den natürlichen, mit Astern und Petargon en bedeckten T-ppich- beeten lagen andere künstliche, mit exotischen Blüthen aus Glas geschmückte, Kaktus tragens, die Agave und Aloe, den Hibiscus und die Goldlilie. In jedem Kelch brannte versteckt eine Flamme; wie lebend erschienen die bunten, farbenprächtigen Blumen.
Es rauschte in den E chenwipfeln der Alleen, weiße Schwäne segelten auf der klaren Flnth des Schloßteiches und badeten wohlig ihr Gefieder im Tropfenregen der Fontaine — überall glänzte üppige Schönheit, tönten L ute der Freude und des Frohsinns- Wie ans den Wo ken kamen die Melodien der Husaren hoch vom Thurme herab, schmeichelnd und mahnend zugleich ein Concert, in dar sich die Stimmen der Singvögel, leise hier und da auftauchend, hineinmischten. Gondeln lagen auf dem Wasser, schwebende Brücken führten hinüber und herüber.
Auf den Kieswegen rauschten die Schleppen der Frauenkleider. Erich tauschte bald hier, balv dort einen Gruß; seine Blicke suchten so lange, bis sie den Schloßherrn gefunden hatten.
Baron Moldt kam ihm mit ausgestreckter Hand entgegen, ein hochgewachsener, schöner Mann mit fürstlicher Haltung und einem strahlenden, herzengewinnenden Lächeln. Alles an ihm verrieth den Offizier in Cwilkieidern, nur das dnakle krause Haar war vielleicht etwas zu lang geworden; sonst dachte sich der Beschauer bei dieser imposanten männlichen Erscheinung unwillkürlich sogleich die Uniform hinzu Hans Aoam war erschaffen, um zu gebieten, Andere zu beherrschen; vielleicht wußte er das auch selbst!
„Willkommen, Wolfram! Gib sogleich Deine Stimme ab, mein Junge! Wollen wir tanzen?"
„Weshalb nicht? Sollen die in der Scheune etwas voraus haben?"
„Schön! Da ist Rath, unterhalte Dich mit ihr, indeß ich die Sachen anordne. Wir müssen den großen Saal ausräumen lassen."
Er eilte fort und Erich sah spähenden Blickes umher. Ruth! Der Name hatte ein höheres Roth auf feine Stirn getrieben. Ruth! Wo war sie?
Ach, da drüben!
Und der ernste Mann blieb stehen wie gebannt- An einem Pfeiler, halb versteckt hinter wildem,, von blühender Clematis durchzogenem Wein, lehnte ein junges Mädchen in weißem Kleide von jenem Schnitt, in dem wir Goethes Gretchen auf der Bühne zu sehen gewohnt sind- Vom Gürtel herab hing an zierlichen Kelten die Tasche, hochgebauschte Oberärmel zeigten die Mode längst vergangener Tage, einfache, blonde Zöpfe fielen schwer und schmucklos wie goldschimmernde Seide über den Rücken herab. (Fortsetzung folgt)
GeineinnütziS^
Gartenkresse und Gurkenkraut im Winter. Den beliebten Salat der Gartenkresse kann man sich, da die Sarnen sich sehr schnell entwickeln, leicht im Winter anziehen. Schon in einen Teller mit Wasser gelegt, entwickeln die Samen sich soweit, daß sie als Salat allein oder als Zusatz zu Kartoffelsalat rc. verwandt werden können. Besser thnt man jedoch, man bringt die Samen in einen flachen Kasten mit etwas Erde, die man fleißig begießt. Der Salat wird hier noch schmackhafter, auch kann man ihn länger sieben lassen. Um frisches Gurkenkraut (Boretsch), dessen junge Blätter ebenfalls


