Ausgabe 
31.5.1888
 
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dem geschicktesten Arzt von ganz Gellt« - Doktor Svezzo von Palermo anvertraut.

? Arthur war van Lowder's großmüthiger Versorgung seines verwundeten Begleiters sehr be» friCbi$eln Geld muß ziemlich erschöpft sein, lieber Kun" ^rch begreife gar nicht, daß Du nicht um Geld nach Sause schreiben mußtest, nachdem Du den Schmuck und die Bücher kauftest und den armen Lowder versorgtest. Ich will heute, am ersten Tage Deiner Heimkehr und vor Blanche, die so begierig ist Deine Geschichten weiter zu hören, nicht von @e- schäften mit Dir sprechen, aber morgen werden wir den Betrag Deines künftigen Einkommens bestimmen. Das Privatvermögen Deiner Mutter, deffm aus­schließlicher Erbe Du bist, soll von nun an in Deine Verwaltung übergehen."

Lowder's Augen funkel en, er stand im Begriff, eine greifbare Belohnung für seinen Betrug zu er­fassen. Er konnte es kaum verhindern, daß seine Freude sich nicht in seinem Benehmen zeigte. Nur mit großer Anstrengung beherrschte er sich und setzte seine Erzählung fort. , , r

Blanche's Augen öffneten sich wert, als sie seinen Abenteuern mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte, von denen er viele übertrieb.

So verging der Tag. Nach dem Diner musicir- ten die jungen Leute und den übrigen Theil des Abends verbrachte die kleine Gesellschaft unter ge. müthlichem Geplauder, während desien Lowder sich als den liebenswürdigsten Menschen zeigte.

(Fortsetzung folgt.)

Wom Aberglauben im täglichen Leben.

Plauderei von-Hermine v. Korsakoff.

(Nachdruck verboten.)

Wenn man es weiß, thut man beffer, es zu vermeiden" diese und ähnliche Antworten find wohl auch Dir, mein freundlicher Leser, geworden, wenn Du in Deiner Vermessenheit gewagt hast, gegen den Aberglauben in Deiner nächsten Nähe zu Felde zu ziehen; überall begegnet er Dir, Du ver­magst keinen Fuß aus dem Hause zu setzen, auch in Deinen vier Pfählen macht er sich breit; der Ge­bildete lacht darüber, und der Ungebildete? Nun, er öffnet dem alten Freunde seiner Urgroßmutter willig Herz und Ohr, ängstlich wird vermieden, was irgendwie Gefahr bringen könnte, und es ist wahr­haft erstaunlich, wie üppige B üthen gerade der Aber­glaube des täglichen Lebens, wenn ich so sagen darf, treibt.

Schon der Tag, an welch m ein Kitt '- geboren wird ist von Bedeutung: ist es ein Sonntag, fo ist dem betreffenden kleinen Weltbürger damit die Gabe der Hellsehens verliehen, und so geht es fort. Sicht ein neugeborenes Kind b sonders alt aus, so kann man auf seinen baldigen Tod rechnen; wird cs, ehe es ein Jahr alt, photographirt oder gemalt, steht

daffelbe traurige Eads bevor; ebenso bei Kindern, die in dem nämlichen frühen Lebensalter mit Blu­men spielen oder mit denen man einen Friedhof besucht.

Ferner darf ein Kind unter einem Jahr nicht in einen Spiegel sehen, sonst wird es eitel; steht man ihm über den Kopf, wächst es nicht mehr; küffen sich kleine Kinder, die noch nicht sprechen, so lernen sie letzteres nie; sieht das Töchterchen der Matter ähnlich, so hat das Kind in seinem Leben weder Glück noch Stern; erhält es der Mutter Namen, so ist keine Aussicht vorhanden, es groß zu bekommen, dasselbe gilt vom Sohn zum Vater.

Ist das Kind trotz aller es bedrohenden Fähr- lichkeiten nun wirklich herangereist, so erschließt sich ihm eine ganze Welt: es muß siel lernen, soll es seines Glückes nicht verlustig gehen. Da ist zunächst der Montag, an welchem man kein Geschäft beginnen soll; der Freitag, der überhaupt Unglück bringt und Arbeiten, die man am Samstag ansängt, können lange auf ihre Vollendung warten.

Bei Krankheiten darf man sich um keinen Preis am Sonntag in's Bett legen, man würde daffelbe nicht mehr verlassen; ebensowenig darf man am Freitag zum ersten Male wieder aufstehen; eine alte Sache ist, daß Sonntagsbefferung nie taugt und zu tödtlichem Ausgange führt.

Unsere Mahlzeiten werden mit denselben Thor- heiten gewürzt: verschüttet man Salz, so wird man viele Thränen vergießen, schneidet man die Butter an, so muß man noch sieben Jahre warten, ehe man sich verheirathet; sitzt man an der scharfen Kante des Tisches, so bekommt man je nachdem eine bucklige Frau oder ebensolchen Mann. Beim Jahreswechsel werden körnige Gerichte bevorzugt es bringt Geld; ebenso soll die erste Speise in einer neuen Ehe eine körnige sein; ferner begeht man schweres Unrecht, einen Brotkanten aus dem Hause zu geben, es hat dieselbe Wirkung, wie wenn man das ange­schnittene Brot vom Tisch heruntersehen läßt man verliert es; legt man es aus's Bett, so ruht es, d. h. der Erwerb, daffelbe gilt aber auch vom Handwerkszeug. r L

Will man gut und ruhig schlafen, so muß das Kopfende des Bettes gegen Osten stehen, nun und nimmer darf aber das Fußende desselben der Thür gegenüber sein man würde sonst aus der Woh­nung als Leiche hinausgetragen. Wünscht man traumlos zu schlafen, so muß man einen Schuh oder Stiefel unter das Bett, den anderen in der Stube stehen lassen, auch soll ein gutes Mittel sein, will man zu einer bestimmten Zeit aufstehen, mit der großen Zehr fünf- oder sechsmal, je nach der ge­wünschten Stunde, gegen die Bettwand zu schlagen, und der Erfolg ist verbürgt, man erwacht auf die Minute. Für Faullenzer ist es gerathsn, das Buch mit der zu lernenben Lection unter das Kop kffsen zu legen, und ste dürfen ihrer Sache sicher sein.

Zieht man beim Ankleiden irgend einen Gegen« stand verkehrt an, so amüstrt man sich an dem Tage