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Mer was ist denn geschehen, gnädiges Fräu­lein?"

Ich bin auf daß Schändlichste betrogen! Frau von Barsen machte mir vorhin einen Besuch, sie stand im Begriff, ihrem Verlobten, einem russischen Grafen Tonjes, entgegenzureism. Sie war in großer Erregung, erzählte mir, daß ihr Verlobter unschuldig im Gefängniß gesessen, hauptsächlich in Folge einer falschen Denunciation des Herrn von Stolzenberg. Und dann berichtete sie mir, daß Siegfried ihr in der Laube kein Liebesgeständniß gemacht, wie tcy geglaubt habe, sondern Stellungen zu lebenden Bildern probirte. Das Ganze sei ein von Felix inscenirtes Spiel gewesen, um meine Liebe zu Sieg­fried zu erschüttern. Sie können stch gar nicht vor­stellen, Herr Langenbach", fuhr Frieda fort,wie es in mir jubelte. Aber jetzt bin ich wieder zaghaft und zweifelhaft, ob Herr Rhodenberg mir auch ver­zeihen wird." , , ,

Hinter ihnen wurden jetzt Schritte laut und als j ste sich umwandten, sahen sie Alexandra bereits in

läßt, daß ich persönlich deshalb nach der Kapstadt muß. Sollte dies unvermeidlich werden, schreibe ich natürlich von Hamburg aus. Einen herzlichen Gruß an Dich und Frieda

von Eurem Wolter.

Dies-n Brief verfiegelte er und legte ihn auf den Sophatisch- sodaß er jedem Eintreienden in die Augen fallen mußte. Als er die Burg durch das Sütenportal verließ, schien bereits der Mond hell.

Fichtenberg war sein nächstes Ziel.

. * * *

Heinrich Langenbach, der mit seiner Braut eimn Spaziergang gemacht, kam etwas nach W Uhr desselben Nachmittags nach Haufe, um vrs zum Abend noch einige Stunden zu studiren. Die Magd kam ihm schon auf dem Flur entgegen mit .er Nach richt, daß schon vor etwa zwn Stunden ein Tele gramm für ihn angrkommen sei, dasselbe liege auf seinem Schreibtisch. Rasch eilte er auNein Mmec.

Das Telegramm lautete: Sofort rommm zu meiner Schwester. Auguste Brandt.

Lieber Gott", sagte Langenbach, nachdem er ge­lesen,sollte Tante Marie einen Rüsfall bekommen haben? Wie harte sie sich in der letzten Zeitfo schön erholt! Ich werde sogleich absahren, ohne Helene damit zu beunruhigen."

Auf dem Bahnhofs traf er zu seinem Staunen die Frau Geheimräthin Wolter, mit der er zu­sammen die Fahrt nach der Schlangenbmg zurück-

g Unter Wechselnden, indeß von keiner Pause unter­brochenen Gesprächen langte man in Holzendorf an. Am Bahnhofs stand die Equipage des Geheimrathes, Alexandra lud hier Langenbach ein, ar; ihrer seüe Platz zu nehmen und so fuhren sie den Berg hinWs. Als der Wagen hielt und Beide denselben verlassen hatten, verabschiedete sich Langenbach und chlug eiligen Schriitm den Weg nach dem Jägerhäuschen ein. An der Stelle, wo der Park anfing, trat p: ötzlich hinter einer großen Eiche Frieda hervor.

Verzeihen Sie, Herr Langenbach", sagte sie, wenn ich mir die Frage glaube: Haben Sie den Brief, den ich Ihnen gestern überreichte, Herrn Rvhdenberg gegeben?"

Jawohl, gnädiges Fräulein."

Ach. hätten Ste es doch nicht gethan.'

',Jch hatte gar keinen Grund, mem verehr es Fräulein, anzunehmm, daß ich den Brief behalten

habe Ihnen den Brief in der Verblendung gegeben» wie ich ihn auch in grenzenloser Verblendung geschrieben Sie sind ja Sugfried s Freund, rch darf daher ganz offen zu Ihnen sprechen. Warm Sie dabei, als er den Brief las?"

Ja, der Inhalt traf ihn ms Herz."

Er kann mir nicht verzeihen, ich habe zu schwer gegen ihn gesündigt!"

nächster Nähe. ö ,

Waren Sie schon im Jägerhaurchen, H:rr Doktor?" fragte Letztere.

Noch nicht, gnädige Frau."

Daran bin ich schuld, Mama", sagte Frieda. Ich hatte Herrn Langenbach etwas sehr Wichtiges mttzutheilen, Herr Langenbach aber darf in diesem AugenbliS noch nichts verrathen, Dir, Mama, werde , ich es heute Abend anvertrauen, wenn wir allein sind."

Während Frieda dem Schlosse zuschritt,

wanderten Langenbach und Alexandra nach dem

Jägerhäuschen. n .

Mir ist soeben gemeldet", sagte Letztere,daß

der alte Kastellan schwer erkrankt sei und es wohl sehr bald mit ihm zu Ende gehen wird. Er will aber absolut nicht, daß ein Arzt geholt werde, wollen Sie trotzdem die Güte haben, später einmal nach

'Ich bin sehr gern dazu bereit, Frau Geheim­rath."

Nach einigen Minuten war dar Jägerhäuschen erreicht, aber wie erstaunten sie, als ihnen diejenige, die sie krank und elend wähnten, so frisch und kräftig, wie sie sie Beide noch nicht gesehen, auf dem Flur schon entgegentrat.

Zwanzigstes Kapitel.

In dem gern en Aeußeren der Frau Schmidt war sine auffallende Veränderung eingetreten. Er war eins vornehme Dame, dis ihnen in eleganter Besuchstoiletts entgegentrat.

Da bist Du ja, Heinrich", rief Marte dem dir Schwelle UeberschreUenden zu,und auch die Frau Geheimrath geben mir die Ehre, da habe ich nicht nöthig, da» Haus zu verlassen.Bitte, treten Sie, : näher, ich habe Jhnrn wichtige Dinge mitzutyei en.

So bist Du also nicht krank, Tante Marie?'