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gern bereit, Ihnen alle meins Papiere, meinen Ta» - schein und was dazu gehört vorzulegen."
„Warum wollen Sie es leugnen, Thalheim? Ich irre mich nicht I Nun will ich Ihnen meine Beweise vorlegen. Ich war vorgestern Abend in dem Zimmer der Kastellans, er hatte mich gebeten, ihn zu besuchen, weil er mir die Geschichte meiner Ahn» Herrn erzählen wolle. Da sah ich Sie im Rittersaal und hörte, wie Sie dar Lied sangen: Im tiefen Keller sitz ich hier. Und Jeder, der den Lieutenant Thalheim nur einmal das Lied hat vortragen hören, wird ihn allein schon daran wiedererkennen.
Wie ein Blitz schlug dies Argument vor Wolter nieder. Daß man ihn an dem Liede erkannt hatte, raubte ihm so vollständig die Fassung, daß er nicht im Stande war, ein Wort zu erwidern.
„Doch beruhigen Sie sich, Thalheim", fuhr Felix fort. „Ein Mißgeschick hat Sie vor zwanzig Jahren in die Welt hinausgetrieben und mir scheint, Sie find für diesen Unfall glänzend entschädigt worden. Würden Sie jemals ohne ihn zu einem Millionär geworden sein? Ich werde Sie nicht ver- rathen, aber für mein Schweigen müssen Sie mir eine kleine Bedingung erfüllen."
Wolter's Haupt war auf die Brust gesunken, seine Augen blickten starr vor stch nieder, die Lippen waren fest geschlossen.
„Sie find im Besitze eine» Engels", fuhr Felix fort, „ich liebe diesen Engel und habe das Glück, von ihm wiedergeliebt zu werden. Sie werden sich von ihm trennen müssen, Herr Geheimrath, aber ich verspreche Ihnen, daß ich Alles aufbieten werde, damit n sich an meiner Seite glücklich fühlt. Hier, auf dieser Stells haben wir uns gestern verlobt. Leider muß ich sogleich aufbrechen, eine Privatangelegenheit zwingt mich noch heute nach Berlin zu reisen, aber bis morgen Abend, bi» zum Beginn des Geburtstagsfestes, bin ich zurück und wenn ich daun den Engel von Ihnen fordere, werden Sie ihn mir geben, werden Sie unsere Hände ineinanderlegen?"
Ein Schauer durchlief Wolter, er währte mehrere Secunden, ehe er nur im Stande war, zu sprechen, darauf sagte er in einem harten, kalten Ton:
„Sie werden von ihr geliebt — hat sie Ihnen dar selbst gesagt?"
„Wir haben uns gestern verlobt."
„Wenn er so steht, werde ich das Unvermeidliche zu ertragen wissen."
„Sie werden es nie zu bereuen haben. Doch es wird hohe Zeit für mich, leben Sie wohl, Thalheim, und es wird das letzte Mal fein, daß ich diesen Namen nenne, von nun an sind Sie in meinen Augen nur noch der Geheimrath Wolter. Grüßen Sie von mir die Lieblichste ihres Geschlechts!
In raschen Sätzen eilte Felix die Felsenstufrn hinunter und war bald Wolters Blicken entschwunden.
Eine kurze Zeit nur saß der Geheimrath noch da, apathisch, zusammengesunken, fast wie ein Leb-
lofrr, dann stand er auf, sein Äuge glänzte unheimlich, in seinen GesiHtSzügen zuckte es energisch auf, seine Muskeln schienen ihre Spannkraft zurückerhalten zu haben. Wie ein Mensch, der einen plötzlichen Entschluß gefaßt und den e» treibt, so rasch wie möglich an die Aurführung zu gehen, wanderte et eiligen Schrittes auf demselben Wege, den er gekommen, in sein Zimmer zurück. Hier entfaltete er jetzt eine rege Thätigkeit, er holte seine Hauptbücher, sowie sein Geheimbuch hervor, ganze Bogen Papier beschrieb er mit Zahlen und rechnete und zählte unausgesetzt.
Er war so vertieft in seine Arbeit, daß er ein Pochen an der Thür vollständig überhörte und erstaunt dm Kopf wandte, als Al?xandra ihn begrüßte.
„Ich sehe, lieber Mann, d ß Du stark br- schäftigt bist und will Dich daher nicht lange stören. Einige dringende Besorgungen rufen mich nach der Stadt, entschuldige daher, wenn wir nicht zusammen speisen können."
Nach einem kurzen Gespräch verabschiedete sich die Geheimräthin, Wolter begleitete sie bis in die Vorhalle und küßte ihr inbrünstig die Hand.
Wohl fiel Alexandra die vertiefte gälte auf der Stirn ihres Gatten auf, aber sie suchte die Erklärung dafür in jener aufreibenden geschäftlichen Thätigkeit. Wolter blickte ihr schmerzbewegt nach, als sie mit elastischen Schritten den Parkweg hinabwandelte, kehrte dann in sein Privatcomptoir zurück und vertiefte sich wieder in seine Arbeit.
Um sünf Uhr kam der Diener und meldete, daß das Essen servirt sei.
„Wo ist meine Tochter?"
„Das anädige Fräulein läßt sich entschuldigen, weil die Kopfschmerzen sie noch nicht verlassen haben."
„Gut — ich komme."
Wolter schloß die Thür ab und ging in den Speisesaal. Nachdem er in sein Zimmer wieder zurückgekehrt war, setzte er seine Arbeit fort, bis der Abend hereinbrach.
„Es ist genug", sagte er — „wenn Aller regulirt ist, bleibt für Frieda so viel übrig, daß sie sorgen- frei leben kann, für Alexandra wird — ihr Gatte sorgen!"
Hierauf verschloß er die Bücher wieder, zerriß alle beschriebenen Bogen und warf sie in dm Kamin, dann setzte er sich an seinen Schreibtisch und schrieb folgenden Brief:
Liebe Alexandra!
Es thut mir leid, daß ich Dich noch nicht zu- rückgekehrt fand, um Dir Lebewohl zu sagen. Ich muß noch heute in die Stadt. Mein Bankier Römer hat fallirt, ich verliere dabei große Summen, um den Verlust zu decken, werde ich meine afrikanischen Besitzungen verkaufen müssen. Zu diesem Zweck muß iS vielleicht sogleich weiter nach Hamburg reifen, ja, es ist nicht unmöglich, wenn sich der Verkauf in Hamburg nicht realistren


