Hießen er Jamiüenblätter.
Bettetristisches Beiblatt ;um Gießener Anzeiger.
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Nr. 39. SamstsgdM 31. März. ' 1888.
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Koffnun g.
Hoffnung ist des Lebens schönste Blüthe, Ist ein Stern in jeder Erdennacht, Wohnet in der strohgedeckten Hütte, Im Palaste, wo die Freude lacht!
Hoffnung schlingt um uns're Lebensstunden Kränze schön, und ewig jung und grün, Läßt im Kummer unser Herz gesunden, Wenn die Sonnen uns, die heitern, flieh'»!
Hoffnung lächelt, kehrt der Frühling wieder, - Auf der bräutlich schön geschmückten Flur, Senkt sich lieblich in die Thäler nieder, Lebt und webt im Reiche der Natur!
Hoffnung strahlet in des Kerkers Dunkel, Wo dis Unschuld still und einsam weint, Lächelt ihr im sanften Sterngefunkel, In dem Mond, der traulich niederscheint.
Hoffnung breitet ihren Rosenschimmer
Ueber alle Erdenleiden aus;
Doch Verlor'nes kehrt dem Herzen nimmer, Und entblättert liegt der Freude Strauß!
Hoffnung füllt den Säugling in der Wiege, Der noch nicht der Leiden Kelch geleert, Schwebt um seine engelholden Züge, Noch von keinem herben Gram zerstört;
Glücklich noch am treuen Mutterherzen Ruht er, träumend eine Farbenwelt, Um die Wangen spielt ein leichtes Scherzen, — Mutter schaut's, — von Hoffnungen geschwellt l
Hoffnung windet ihre frischen Kränze Um der Jungfrau lebenssrohes Haupt; Ueberglücklich in dem jungen Lenze, Sie der Welt mit ihrem Truge glaubt!
Hoffnung füllt des Jünglings kühnes Streben, Greift zum Schwerte er mit starker Hand, Will's für Freiheit nur, für Recht erheben, Muthig streiten für das Vaterland!
Stern der Hoffnung! deine schönen Träume, Würden sie dem Sterblichen erfüllt!
Leider, ach! sind's oft nur leere Schäume, Alles Hoffen ein zerfloss'nes Bild!
Hoffnung führt uns an dem Gängelbande Durch das Leben bis zum Grabe hin, Trägt uns seelig nach dem Heimathlande, Wo des Friedens ew'ge Palmen blüh'»!
Th. Loos.
Die verlorene Wiöek.
Original-Roman in 3 Bänden von Dr. Carl Hartmann-Plön.
(Fortsetzung.)
„Herr Geheimrath", sagte der Prokurist und legte einen bittenden Ton in seine Worte, „mein Herz ist mit Sorge erfüllt, Wenn das Schlimmste Eintreten sollte, daß wir Alles verlieren — geben Sie mir die Beruhigung, daß Sie selbst glauben, sich halten, sich arrangiren zu können!"
„Ich weiß es noch nicht, ich muß selbst erst einmal alle Aetiva und Passiva genau abwägen. Hätten wir nur nicht dm Bau der Fabriken be- gonnkn, aber welche Kapitalien stecken jetzt darin und welche großen Zahlungen werden nothwendig! Und nun lassen Sie mich allein, lieber Freund, ich muß meine Gedanken ein wenig sammeln und will versuchen,. Entschlüsse zu fasten, die das Rergste vielleicht noch abwenden können."
Bärmann Verabschiedete sich, aber kaum war Wolter allein, so sprang er empor und mit großen Schritten das Zimmer durchmessend, rief er aus:
„Verloren! Doppelt verloren! O mein Weib, mein Kind! Luft! Luft! In dieser Gluthhitze hier ersticke ich!"
Er nahm einen Strohhut und begab sich in den Garten. Den Kopf gesenkt, die Hände auf dem Rücken wanderte er weiter. Er sah nicht, daß am Ende der Allee eine Dame in die Laube trat, es war Frau Schmidt. Er sah und merkte auch nicht, daß wenige Mmuten später ein Mann die Allee betrat, der ihn mit laichen Schritten einzuholen suchte. Erst als dieser ihn fast erreicht und er seinen Namen rufen hörte, stand er still und drehte sich um.
Um dieselbe Zeit etwa, als der Prokurist Bärmann das P ivmzimmer des Gchsimraths betreten,


