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mehrer Kraft wied-r hroor. Sie war aus der Durchreis und blieb nur wenige Tage; als sie wieder abgereist war, vertraute Wolter sich der Tante, der Frau von Rettwitz, an und legte ihr die Frage vor, ob sie glaube, daß ihre Nichte, wenn er ihr einen Antrag mache, denselben annehmen würde.
Frau von Rettwitz erwiderte ihm darauf, sie wiße, daß sie ihn achte und schätze, aber wie sie einen Antrag von ihm aufnehmen würde, darüber habe sie nicht die leiseste V-rmuthung. Sie erböte sich aber, an Alexandra zu schreiben und den Ge- danken einer ehelichen Verbindung in dem Briese, als von ihr ausgehend zu bezeichnen, dann würde man erfahren, wie sie überhaupt über eine solche Eventualität dächte, und Wolter bliebe dabei gänzlich im Hintergründe. Letzterer billigte den Plan und sprach hocherfreut seinen Dank aus.
(Fortsetzung folgt.)
Lokomotiven-Iagd.
Von G. Kopal.
(Nachdruck verboten.)
Auf meinen Wanderungen durch den Süden der Vereinigten Staaten lernte ich einen alten Lokomotivführer kennen, welcher mancherlei Interessantes aus seinem vielbewegten Leben zu erzählen wußte. Eines der aufregendsten Abenteuer, die ihm passirt waren, sei hier mit seinen eigenen Worten wiedergegeben. Er erzählte etwa wie folgt:
In mehreren Staaten der Union ist es bräuch- lich, die Sträflinge der Zuchthäuser auch außerhalb dieser Anstalten zu verwenden, z. B. zum Graben von Kanälen, zum Eisenbahnbau und dergleichen, selbstverständlich unter steter Aufsicht von Wächtern, deren scharfgeladene Büchsen und Revolver von Fluchtversuchen abschrecken sollten. Nichtsdestoweniger gelang es immer Einzelnen, zu entkommen.
Ich hatte vor etwa zwanzig Jahren eine Anstellung an einer Wrst.Karolina.Bahn, deren Route zu den schwierigsten und gefährlichsten gehörte, welche es in den „Staaten" geben mochte. Sie hatte einen Gebirgs-Abhang zu pafsiren, an welchem dir Schienen- stränge im Zickzack htnaufführten, mit den schärfsten Krümmungen natürlich; die Ingenieure, welche seiner Zeit den Bau leiteten, hatten mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen, die aber sämmtlich genial überwunden worden waren.
Nur an einem Punkte hatte fort und fort die Menschenkraft mit dem Walten der Natur zu kämpfen. Ganz nahe der Kuppe des Bergzuges war da eine Strecke, welche dauernde Beaufsichtigung erforderte und .den Aktionären der Bahn viel Geld kostete; wir nannten sie die Geröll-Strecke. Die Felsenwände an beiden Seiten des Bahneinschnittes
zerbröckelten nämlich stetig und nam^ulich nach jedem Regengüße lag so und so viel Geröll aus den Schienen. Es waren genügend Bahnwärter dort postirt, um die Geleise ste's frei zu erhalten, aber von Zeit zu Zeit mußte ein eigener Zug kommen, um das zu beiden Seiten der Bahn aufgeschüttete Geröll zu entfernen. Das war der sogenannte „Kier.Zug". Er brachte eine Anzahl Zuchthaussträflinge, welche die Waggon» vollschaufelten, nebst den bewaffneten Aufsehern.
Eines schönen Julimorgens hielt ich auf einem Nrbengeleise dieser „Geröll-Strecke" mit meiner Lokomotive, welche zum „Vorspann" diente; nahe dem Gipfel des Berger konnten nämlich die Züge nicht mehr durch die Kraft einer einzigen Lokomotive über die steilsten Steigungen hinweggebracht werden, und da wurde dann die zweite Maschine, diejenige, welche ich führte, vorgelegt. Arff einem zweiten Neben- geleiss hielt der „Kies-Zug." Die Sträflings schaufelten Karren auf Karren voll; die Aufseher plauderten sorglos mit einander, denn wie hätte ein Fluchtversuch stattfinden können, wo auf beiden Seiten schroffe Felswände hinaufstiegen, beten Gestein schon von selbst locker zerbröckelte? Da wäre keine Katze hinaufgeklettert!
Der Kie«-Zug war beinahe mit dem Geröll gefüllt. Seine Lokomotive stand natürlich abgehängt wenige Schritte abseits; ihr Führer hatte Mes zur Abfahrt bereit gemacht und umging nur noch einmal mit der Schmieröl-Kanne in bet Hand prüfend dis I Räder und Achsen. Dann näherte er sich dem Zugführer .... und im selben Moment sehe ich, der ich auf meiner gleichfalls zur Abfahrt völlig fertigen Lokomotive stehe, wie einer der Sträflinge die Schaufel hinlegt, rasch wie der Blitz zur Kieszug-Lokomotive läuft, hinaufspringt und den Hebel dreht — sie setzt sich in Bewegung I
Mein lauter Alarm-Ruf kommt zu spät. Zwar feuert sofort ein halbes Dutzend Aufseher die Schußwaffen gegen den Flüchtling ab, aber dieser duckt sich hinter die schützenden Blechwände des Tender», und die Kugeln gehen entweder in die Luft oder klatschen wirkungslos gegen die Lokomotive. Ein nahestehender Eisenbahn.Angestellter, bei welchem die Maschine noch ziemlich langsam votbeifährt, will hinaufspringen, aber der Sträfling hat sich mit der Kohlenschaufel bewaffnet und holt zum Schlage aus; erschrocken prallte der Beamte zurück. Der fliehende Sträfling Hai freie Bahn.
Und eine halbe Stunde vor uns, bergabwärts, kommt ein Paflagierzug, derselbe, dem ich hinauf- helsen sollte!
Rssch entschlossen rufe ich: „Ich verfolge ihn! 5 Stellt die Weiche um. Rasch, rasch I" Der Weichen- | stellet gehorcht mir, mein Heizer springt zu mir I herauf, auch noch ein Gofängniß-Aufsehet steigt noch ? auf, und vorwärts geht's, bald mit voller Schnellig- | feit, so daß wir bergabwärts mit rasender Ge- ” schw'mdigkeit dahmflogen.


