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Wolter bereits mit verschiedenen städtischen Ehren« . Ämtern betraut, bis er mit G.wisserchastigkea und i einem großen Aufwands von Arbeitskraft verwaltete, - so daß auch dies die allgemeine Anerkennung fand. Auch wählte man ihn in verschiedene Commissionen, in denen nicht allein über städtische, sondern namentlich auch über kaufmännische Angelegenheiten be- rathen wurde, und auch hier hatte man Gelegenheit, seine Intelligenz und Bildung, sein gesundes Urtheil, sein reformatorisches Talent und abermals seine Arbeitskraft und Hingabe an dis Sache zu bewundern. Man hatte bald erkannt, welch ein Gewinn für die ganze Stadt dieser begabte Mann sei, und als Anerkennung der Dienste, die er für dar öffentliche Wohl geleistet, sah sich die Oberbehördr veranlaßt, ihn als würdig einer Auszeichnung dem LandeZ- fürsten vorzuschlagen, in Folge dessen er bald darauf zum Commerzienrath ernannt wurde.
Al» Wolter von Afrika nach Europa zurückgekehrt war, hatte seine Tochter erst soeben das sechste Jahr erreicht. Eine alte Dienerin, die von Deutschland aus schon die Mutter seiner Frau in das fremde Land begleitet hatte und wegen ihrer Treue und Anhänglichkeit seit lange schon al« zur Familie gehörig betrachtet wurde, war während der Schiffe- reisr Frieda's Pflegerin gewesen. Das blieb sie auch fortan, fie hätte auch keiner Andern die Sorge für das körperliche Wohl des Kindes, das ihr Abgott war, überlassen. In Hamburg engagirte Wolter für feine Tochter sofort eine Gouvernante, welche in den neuen Wohnort mit übersiedelte und vier Jahrs lang Frieda's Erziehung leitete, worauf fie sich mit einem Beamten verheirathets. Frieda wurde jetzt in eins Töchterschule geschickt, und zwar that der Vater e», weil er glaubte, daß der Unterricht in einer solchen ein vielseitiger sei und weil er hoffte, daß das etwas schüchterne und verlegene Wesen seiner Tochter in dem Umgang und dem täglichen Verkehr mit anderen jungen Mädchen sich leichter verlieren würde. Er hielt aber die Bildung des Herzens und die gesellige Bildung für evenso wichtig als dis des Geistes und dis Erlernung der Schulwissen- schäften, und da Ersteres nur im Hause gewonnen werden konnte, und mit Rücksicht darauf, daß an ihn immer größere gesellschaftliche AnforderunLsn gestellt wurden, die er nicht mehr Lust hatte, in Gasthäusern oder Restaurants zu erledigen, bemühte er sich, eine Dame zu finden, die nicht allein zu reprä- fentiren vermochte, sondern indem sie gewissermaßen Mutterstelle bei feiner Tochter vertrete, bei Letzterer auch die Herzensbildung übernähme und sie in Allem unterrichte, was außer den Schulkenntniffen sonst noch von einem jungen Mädchen gefordert wird.
Es gelang ihm, eins Frau für diese Stellung zu gewinnen, die alle Bedingungen im vollsten Maße erfüllte. Dieselbe war die Wittwe eines adeligen Herrn, nach dessen Tod sich herausstellte, daß das ehemalige nicht unansehnliche Vermögen desselben fast gänzlich zusammengeschmolzen war und daß die Revenuen des Restes kaum aus; eichte», das Leben
der Witwe zu feisten, viel weniger, ein standesze- Niäßes führen zu können. Frau von Rettwitz war eine feingebildets, liebenswürdige Dams von lieben- undmsrzig Jahren und mit fast allen angesehenen Familien der Stadt befreundet, zum Theil sogar verwandt. Schon bald, nachdem sie das Haus der Fabrikanten betreten, hatte sich zwischen ihr und Frirda ein inniger Band geknüpft; sie selbst war kinderlos, und es verging nur geringe Zeit, da hatte sie die Tochter des Hausrs in ihr Herz geschlossen, als wäre sie ihre eigens, und Frieda liebte sie mit gleicher Innigkeit wieder.
Wolter hatte seiner dame d’honneur, was die häuslichen Angelegenheiten betraf, eine unumschränkte Herrschaft eingeräumt, und es währte nicht lange, da war durch Frau von Rettwitz, die ihren ganzen z Bekanntenkreis heranzog, sein Haus ein gesuchtes । geworden und er selbst in die ersten Familien der = Stadt eingsführt und mit ihnen in Verkehr getreten, s Man erkannte in der exclusiven» das kaufmännische | Element fast gänzlich ausschlikßsnden Sphäre sehr f bald, daß der Fabrikbesitzer nicht allein ein ehren- 1 weither, gediegener Charakter sei, sondern eine mehr j als gewöhnliche Bildung besäße. Drei Jahre später l kaufte Wolter die Schlanzsnburg mit dem dazu ge- l hörenden Areal, und noch in demselben Herbst war I während der Kaisermanöver, die in der Nähe der- i selben abgehalten wurden, auf dem Schlosse der - oberste Kriegsherr nebst Gefolge sein Gast, wonach s er nicht nur einen Orden erhielt, sondern auch zum - Geheimen Commerzienrath ernannt wurde. Fra» - von Rtttwitz hatte eine Nichte, die in Berlin wenn auch in auskömmlichen, immerhin doch bescheidenen i Verhältnissen lebte. Sie war die Wittwe einer ; Major Scharfenberg, der ihr nur ein kleines Ver- - mögen hinterlassen. Schon mehrmals hatte sie die f Tante im Hause des Fabrikanten auf einige Wochen - besucht. Gleich während ihrer ersten Anwesenheit f hatte str einen mächtigen Eindruck auf Wolter ge- > macht, der sich bei ihrem zweiten Besuch noch steigerte. Er war im Ganzen eine ruhige, leidenschaftslose Natur, dem das Herz bis dahin noch niemals unruhige Stunden bereitet; er hatte seins Frau herzlich geliebt, aber was sich jetzt in seinem Innern regte, war ein ganz anderes Gefühl, und ein Schrecken erfaßte ihn, als es ihm klar wurde und er dis Ueberzeugung gewann, daß das, was er für ; Alexandra empfand, dis wirkliche erste Liebs fei, die ihn in so spätem Alter noch ergriffen. Er war aber Mannes genug, seine Gefühls lange Zeit zu unterdrücken, er sagte sich, daß er zu alt und zu häßlich fei, um bei einem Weibe von solcher Schön- i heit und solchen geistigen Eigenschaften Gegenliebe i erwecken zu können, und es gelang ihm dadurch, baß ; er sich dies täglich wiederholte, in so weit feine Eai- ; pfindungen zu beherrschen, daß sie ihn, was bereits i der Fall gewesen war, bei der Arbeit nicht mehr l störten.
Da kam Alexandra zum dritten Mal, aber ms» ' er bis dahin mühsam znrückgehaltsn, brach mit vtt-


