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ite Bestimmung." iische Unterrichtsag (R. Appelius.)
Girßem
Hiehener Jamilienblätler.
Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger.
ÜTIsT™ Dienstag den 31. Januar. 1888.
Die vertorene Wiöet.
Original-Roman in 3 Bänden von Dr. Carl Hartm ann-Plön.
(Fortsetzung).
Er reiste hierher, und nachdem er stch vorher gründlich über alle Verhältnisse informtrt hatte, erstand er im Verkauft termin die Fabrik für einen verhältnißmäßtg niedrigen Preis. Sogleich legte er Hand an'» Werk, aber fast ein volles Jahr verging, ehe die Schornsteine wieder rauchten. Es war ihm gelungen, ein umfangreiches, an die Fabrik stoßendes Stück Land anzukaufen, auf welchem sich jetzt nicht allein eine Anzahl neuer colossaler Fabrikgebäude erhoben, sondern auf dem er auch eine Stadt im Kleinen mit regelrechten Straßen aufführen ließ, deren Häuser, wenn auch kleine, doch gesunde Wohnungen enthielten, in denen er seine Arbeiter unterbrachte. Er hatte e» verstanden, ein ausgezeichnetes technisches Personal zu engagiren, und es währte nicht lange, da war der frühere Ruf der Fabrik nicht allein wiederhergestellt, sondern er war noch bei W-stern größer und besser geworden. Es konnte nicht fehlen, daß die ganze Stadt, namentlich die Grschäftswelt, von Anfang an sich sehr lebhaft in Gedanken und Gesprächen mit einem Manne beschäftigte, der dis ehemalige, schon sehr große Stern» berg'sche Fabrik nun noch um das Doppelte vergrößerte. Es war selbstverständlich, daß Wolter während des Banes mit sehr vielen Leuten in Berührung trat; unter diesen gab es eine Menge Neugieriger, die ihn direkt nach seiner Vergangenheit fragten, und bann von ihm erfuhren, was vorhin schon erwähnt worden ist. Sehr bald hieß e» allgemein, daß das Vermögen, welches stch der neue Fabrikherr im Lande der Hottentotten häuptsächlich durch einen Handel mit Wolle und Straußenfedern erworben, aus vielen Millionen bestehe. Die» Gerücht, es mochte übertrieben fein ober nicht, umgab ihn, wie das so leicht bei Leuten geschieht, deren Reicht bum als ein fabelhafter angesehen wird, mit einem gewissen Nimbus, der vor dem Betreffenden einen Respect erzeugt, den auch Andere empfinden als diejenigen, die von ihm abhängig find, zumal dann besonders, wenn der reiche Mann sich eine all» festige Achtung zu verschaffen weiß. Und das war in jeder Weise der Fall. Es war kaum Jemand in der Stadt, von dem Überall so viel, sei es an der Börse, die Wolter täglich besuchte, oder in Familien-
f cirkeln, oder an Biertischen, sowohl in den vor l nehmsten Restaurants, als in der schmutzigsten Kneipe I gesprochen wurde wie von ihm, und ein seltenes I Vorkommniß — bis dahin nur Gutes. Man lobte i seinen Wohlthättgkeursinn, an den niemals vergebens : appellirt würde, noch mehr aber die humane Be» ; Handlung seiner vielen Arbeiter. Es war bekannt, ■ daß Letztere bei ihm einen Lohn bezogen, wie ihn andere Fabrikanten nie gegeben hatten, und daß er ' im Uebrigen für sie und ihr Wohlergehen wie ein liebender Vater sorgte. So hatte er auf seinem Etablissement eine Kranken-, Sterbe, und Pensionskaffe errichtet, wozu jeder Arbeiter nur wenige Pfennige wöchentlich beisteuern mußte; was daran fehlte, legte Wolter freiwillig zu. Von dem ver-
I hältnißmäßig hohen Lohne mußte jeder seiner Unter* gebenen den zehnten Theil, den der Kasstrer am wöchentlichen Zahlung? tage zurückbchielt, zu Anfang jeden Monats persönlich auf die Sparkasse tragen. So zwang er Alle, sich ein kleines Vermögen zu sammeln. Eine viertel Stunde von der Fabrik entfernt hatte Wolter eine An ahl Hektare Ackerland gekauft, das er in Scheffel eingetheilt hatte, von denen jeder Arbeiter einen zur Benutzung erhielt, um auf demselben seinen Bedarf an Winterkartoffeln zu bauen. Nur Faullenz-r und Trunkenbolde duldete er nicht, doch jagte er solche nicht eher fort, als bis er Beffemngsversuche mit ihnen angestellt; erwiesen dieselben sich als fruchtlos, wurden sie, um den Uebrigen bas böse Beispiel zu entziehen, ohne Gnade enilaffen; doch war es mehrfach vorgekommen, daß er die Familien dieser Unverbesserlichen heimlich unterstützt hatte.
Es war nicht zu verwundern, daß bei einer solchen Behandlung sämmtliche Untergebene ihren Brotherrn liebten und verehrten und daß fir mit Lust und Freude ihr- Arbeit verrichteten und ihre Pflicht erfüllten. Zwar waren andere Fabrikanten auf Wolter ungehalten, und der Eine und Andere haranguirte ihn auch wohl an der Börse und stellte ihm vor, daß er die Preise verderbe und unter ihren Arbeitern Unzufrievettheit und Mißgunst hervorriefe, worauf er ihnen gelassen antwortete, daß sie es doch machen sollten, wie er, und wenn das ? Herz es ihnen nicht dietire, so müßte der Kopf e» | doch einsehen und berechnen können, daß das Mehr, f was er feinen Arbeitern gäbe, durch die Fröhlichkeit » und den Eifer, womit sie ihre Arbeiten ausführten, ; reichlich wieder eingebracht werde.
Es vergingen nur wenige Jahre, da hatte man


