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und fuhr entsetzt zurück, worauf er die verhängniß- volle Karte elligst zu Fräulein Ulrike brachte.

Sie la» und erblaßte, sollte sie den Grafen abweis en? Oder sandte Gott denselben, um den letzten Sonnenstrahl in die Nacht der Sterben­den zu senken? Ihr liebevolles Herz siegte, wie immer, über die mahnende Stimme der Vernunft.

(Fortsetzung, folgt.)

Graf Mikosz und Wszta, der Zigeuner.

Humoreske von Trebor.

(Fortsetzung.) ,

Der Lord und seine Tochter fanden beim Grasen Mikosz die glänzendste Aufnahme, und auch die Gräfin überbot sich, den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Lieben Sie Zigainer-Musik?" fragte der Graf, werd' ich lasien kommen aus Dorf, damit sie unten spielt im Pork."

Nein, nein, danke, Herr Graf," rief Lady Evelme hastigich kann die Zigeuner nicht leiden, nicht sehen. Es ist ein schmutziges, diebisches Gesindel, welches auch England unsicher macht. Wir drüben zählen sie nicht zu den Menschen!" Diese letzten Worte machten auf Mikosz einen unangenehmen Ein­druck; denn er hielt große Stücke auf Zigeunermusik. Werd' ich mir merken I" sagte sich Mikosz im Stillen. Einige Tage später die Damen waren nach einem benachbarten Gute abgeholt worden, da schlenderte Graf Mikosz, seine kurze Pfeife im Munde, längs der Parkumzäunung. Plötzlich hörte er den Klang einer Fiedel und schwermüthigen Gesang dazu. Er blieb stehen und horchte: unten im Graben auf der Außenseite des Parks, saß Piszta, der Zigeuner und spielte Geige und sang dazu:

Jaj, jaj, jaj, de fay.*) Szivem, szivem fay! Ich, ich bin Zigeuner, und sie, sie ist eine große gnädige Kissaszony und wohnt im schönen Schloß vom gnädigen Herrn Graf Mikosz. Isst sie olle Toge Guillasz mit Paprika! Jaj, jaj, jaj! Szivem fay! Thut orme Zigainer Herz so weh!_ Jaj, jaj, jaj! Ich bin Zigainer und heiß ich Piszta; und ess' ich alle Tage Speck mit Paprika! Jaj, jaj, jaj! Speck schmeckt gut, ober Kuss von ollergnädigste Fräulein im Schloß muß schmecken noch viel besser. Jaj, jaj, jaj!

Betyar elendiger", platzte jetzt hervortretend der Graf heraus,wie konnst Du Dich unterstehn so hoch hinauf zu sehn, so hoch wie Stefansthurm in Wien! Ja, noch höher. Weißt Du nicht, wer Du bist?"

Ja, gnädigster Herr," erwiderte Piszta demüthig seinen Rücken krümmend,bin ich Zigainer, ganz elendiger!"

*) Der Zigeuner machte sich seinen Text aus dem Stegreif. Guillas mit Paprika bedeutet bei ihm den höchsten Ausdruck der Begeisterung.

Bist Du ein Mensch oder ein Thier?"

Ich glaub ich, bin ich Mensch" aber ängstlich, schon zu viel riskirt zu haben, setzte er hinzu:wenn aber gnädigster Herr befehlen, so bin ich Viech!"

Hm, hm! Gesollt Dir wohl die junge Dame, wos ist bei Graf Mikosz auf Besuch? He?"

Wenn gnädigster Herr erlauben no ja!" Wo hast Du sie denn so genau gesehn?" Hob' ich gesehn, wie Mutter Andulesa hot ihr wohrgesogt auf Landstraße."

So? Na möchtst Du sehen noch einmal, Piszta? Gonz in Nähe? Möchtst Du sitzen neben ihr? Möchtst Du ihr küssen ihre Hand?"

Gnädiger Herr machen Spaß? Schmutziger elendiger Zigainer soll sitzen neben eine Dame, Dame so hoch wie Stefansthurm?"

Wirst Du sitzen neben ihr wenn Graf Mikosz sagt, wirst Du so wirst Du! Ich befehle Dir, Dich heute Nochmittag beim Schloßverwalter zu melden. Ober wirst Du zu niemand etwas sprechen sonst giebt es onständige Fünfundzwanzig!"

Ü-

Maine Domen, es frait mich, Ihnen angenehme Mittheilung mochen zu können, doss auf Schloss ein hochachtborer Besuch gekommen ist: der Herr Baron Szent Fehervar aus dem Csongrader Comitat. Ein Cavalier vom Scheitel zu Stiefelobsotz. Spricht ollerdings nicht daitsch, auch nicht englisch und fran­zösisch, ober werde ich dolmetscher und die Conversation schon in Flüssigkeit erholten."

Du hast mir nie etwas erzählt, lieber Mikosz, von einem Baron Szent Fehervar. Ich bin begierig, seine Bekanntschaft zu machen", sagte die Gräfin Mikosz.

Auch ich sterbe vor Ungeduld", sagte die junge Lady scherzend,einmal einen Stock-Magyaren von Angesicht zu Angesicht zu sehen und werde alle mimischen Künste in Anwendung bringen, mich ihm verständ­lich zu machen."

Die sechste Stunde, Dinerzeit, rückte heran, die Flügelthüren des eleganten Speisesaals öffneten sich und der Kammerdiener anoncirte feierlichst:

Szent Fehervar Baro Nagyszagos ur!"

Herein trat in etwas gezwungener steifer Haltung eine auffallend schöne, tiefbrünette Männergestalt im prächtigsten ungarischen, so außerordentlich kleidsamen Magnatencostüme. Beim Kammerdiener vorüber­schreitend, machte er diesem eine tiefe Verbeugung. Der Graf ging ihm lebhaft entgegen und führte ihn feiner Frau, der Lady und dem Lord, die Herrschaften vorstellend, zu. Der Baron erfaßte fodann die beiden Hände der jungen Lady und drückte dieselben mit solcher Kraft und Inbrunst an seine Lippen, daß sich ihr ein leiser Schmerzenslaut entrang.

Sonderbare Manieren I" sagten sich die Damen aber Graf Mikosz, welcher in ihren Mienen zu lesen schien, sagte leise:Macht man so in Csongrader Comitat, is dort so Mode!" (Schluß folgt.)

Redaktion: A. Schcqda. Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.