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dort wird sie wie lebendig begraben sein. Sie wird leben und sterben in diesem entlegenen Winkel und nicht ahnen, daß ich unter einem anderen Namen der Gatte einer Anderen bin! Meine Kühnheit be- siegt da» Geschick!"
Mit trimphirender Miene betrat er da» Zimmer seiner Frau.
Fünfundzwanzigste» Kapitel.
Vom Halse geschafft.
Der kurze Dccembertag neigte sich seinem Ende entgegen, als Jasper Lowder mit seiner Frau und seinem Kinde die alte Stadt Glocester verlieben, um nach der im hohen Norden gelegenen Grafschaft ;u reisen. Sie hatten ein Coups für sich allein; Hefter bettete ihren Knaben auf einem der gepolsterten Sitze und deckte ihn mit ihrem Shawl zu. Dann setzte sie sich ihrem Knaben gegenüber und ließ ermüdet ihren Kopf auf Lowder's Schulter sinken, mit einer zärtlichen Vertraulichkeit, die ihm in's Herz hätte schneiden sollen.
„Ah, es ist so gut, wieder einen Gatten zu haben, auf den man sich stützen und zu dem man emporschauen kann", sagte die Frau lächelnd und seufzend.
Lowder schlang seinen Arm um ihren Leib.
„Du kannst nicht mehr liebevoll und frei zu mir emporschaurn", sagte er mit scheinbarer Bitterkeit. „Wie tief muß ich in Deiner Achtung gesunken sein, Hefter! Wie sehr mußt Du mich verabscheuen!"
„O nein, nein!" rief Hefter in schmerzlichem Tone. „O nein, gewiß nicht, lieber Jasper! Du bereutest, sobald Du erkanntest, was Du gethan hattest. Ich will nicht glauben, daß Du in jener schrecklichen Nacht bei Besinnung warst. Ich schaue mit Stolz zu Dir empor, Jasper, und bete Tag und Nacht, daß unser Knabe heranwachsen und so werden soll, wie sein Vater."
In dem matten Dämmerschein, der in dem Coups herrschte, sah Jasper Lowder's Gesicht geisterhaft aus. Es that ihm leid um die arme, sanfte, schüchterne Hefter, deren einziger Fehler ihre namenlose Liebe für ihn und ihr grenzenloses Vertrauen zu ihm war.
„Der Himmel gebe, daß ein Besserer aus ihm wird, als aus mir geworden ist!" sagte er unwillkürlich in heiserem, gebrochenem Tone.
Dann herrschte ein kurze» Stillschweigen zwischen dem Paare. Hester war ganz still im Uebermaß de» Glückes, als sie sich von dem schützenden Arme ihres Gatten, den sie für tobt betrauert hatte, umschlungen fühlte.
„Weißt Du schon, wohin wir gehen, Liebster?" fragte Hester endlich und weckte ihren Gatten damit aus seinen Träumereien.
Lowder fuhr erschrocken in die Höhe.
„Ich bin noch nicht ganz entschloffen", sagte er. „Ich möchte gern einen abgeschiedenen Ort finden, wo Du mit dem Kinde in Sicherheit leben könntest. Wenn Guy Tressilian sich weigert, mein Verbrechen
5 zu verzeihen, so will ich mich mit Dir verbergen! Wenn er mich wieder in seine Dienste nimmt, würde ich von Zeit zu Zeit zu Dir kommen, um Dich zu sehen und später einmal würde ich Dich mehr in meine Nähe bringen, so daß wir öfter beisammen sein könnten. Du wirst Dich oft einsam fühlen, Hester, alur Du wirst mit der Aufsicht und Er- ziehung unseres Knaben genug zu thun haben und ich weiß, daß Du die Einsamkeit um meinetwillen ertragen wirst!"
„Sehr gerne, Jasper! Zu wissen, daß ich in einem Lande mit Dir lebe, wird mir schon eine große Freude gewähren! Es wird mich glücklich trnchen, zu wissen, daß Du so oft zu mir kommen wirst, als Du nur kannst! — Daß ich Dich von Zeit zu Zeit sehen werde — wird mein Loo» mehr al» erträglich, ja sogar angenehm machen! Du brauchst Dir meinethalben keinen Kummer zu machen", sagte die selbstlose, treuherzige Gattin.
Die Frage, wohin er sie bringen sollte, begann Lowder ausschließlich zu beschäftigen. Er sann lange darüber nach.
Er erinnerte sich, daß einige Tage nach seiner Ankunft in TressiliaN'Hof und bald nachdem er in Besitz von Guy Tressilian'» Privatgütcrn getreten war, dir er von feiner Mutter — Lady Tressilian — geerbt hatte, Sir Arthur Tressilian ihm, dem angeblichen Sohn miigetheilt hatte, daß er im Norden noch eine Besitzung, ein Erbtheil von einem mütterlichen Verwandten habe.
Lowder hatte sich damals bezüglich dieser Besitzung erkundigt und erfahre», daß sie au» etlichen zwanzig Joch bestehe, an dem Abhange eines der Cheviot-Hügel gelegen sei und daß ein kleines Landhaus dazu gehöre. Es war von einem Bauer aus dem Norden bewohnt worden, der in der Nähe für feine Schafheerden eine Weide gemiethet hatte; aber dieser Mann war kürzlich gestorben und feine Wittwe lebte jetzt allein.
Lowder verfiel auf einen herrlichen Gedanken. Warum sollte er Hester nicht nach Gloan-Fell, wie der Ort genannt wurde, bringen? Warum sollte sie nicht auf dieser Besitzung, als deren Eigenthümer er sich jetzt betrachtete, sicherer al« irgendwo verborgen sein? Eine Vorsicht erschien ihm jedoch als nothwendig. Sir Arthur könnte zufällig erfahren, daß der Ort einen neuen Miether habe, und da wäre es gut, wenn Hester unter einem anderen, als ihrem eigenen Namen bekannt wäre.
Er schlug ihr augenblicklich vor, den Namen zu verändern und gab al« Ursache an, daß er sonst in Gefahr fein könnte. Hefter ging sogleich daraus ein.
„Welchen Namen soll ich annehmen, Jasper?" fragte ste.
„Deinen alten Namen. Nenne Dich Frau Hefter Blees! Ich habe von einem Hause gehört, das in Northumberland als Gloan-Fell bekannt ist! Es gehört Herrn Guy Tressilian, Hester, aber Niemand von den Tressilian's kommt dorthin. Sir Arthur sagte, daß fein Sohn gut thäte, den Platz in ein
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