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sollen sie verfolgen? Ich begreife noch nichts. Ist auf Sie geschossen?"
„Jawohl."
„Und Sie sind verwundet?"
„Ein wenig."
„Wo — wo?" rief der Förster hastig.
„Im Arm — es ist ohne Bedeutung", erwiderte Körber. „Holen Sie eine Laterne — schnell. Nein, — bleiben Sie hier", fügte er, sich schnell ander» besinnend, hinzu. „Können Sir nicht Ihrem Knechte zurufen, daß er eine Laterne bringt?"
„Kommen Sie mit in da» Hau» — ich führe Sie um den Garten herum", sprach er zu Körber.
„Nein — nein", erwiderte dieser. „Nicht einen Schritt weiche ich von dieser Stelle."
„Was suchen Sie?", forschte der Förster weiter.
„Einen Schatz — einen Schatz, der wahrscheinlich auch Sie überraschen wird!"
„Wer hat nur auf Sie geschossen? Haben Sie ihn erkannt?"
„Ja, ich kenne ihn", erwiderte Körber, der sich in größter Aufregung befand, „ich kenne ihn und im Hause — dort will ich Ihnen Alle» erzählen! Nur erst Licht — Licht!" —
Schon schimmerte da» Licht der Laterne durch da» Gebüsch. —
Der Förster rief dem Knechte zu, so daß er sie leichter finden konnte — wenige Minuten später war er schon bei ihnen.
(Fortsetzung folgt.)
Marie.
Novelette von Paul Blitz.
(Nachdruck verboten.)
Es kam aus den nebenanliegenden Zimmern, die heute Mittag eine schwarzgekleidete Dame in Begleitung einer alten Dienerin bezogen hatte.
Eine elegante schlanke Gestalt war es, der ich behiilslich gewesen war, den Wagenschlag zu öffnen. I
Unter dem grauen Stanbmautel schmiegte sich ein einfach schlichtes Wollkleid — nach unten in breiten Falten herabfallend — an den zierlichen Körper, zwei wunderbare dunkle Augen funkelten, durch den dunklen Schleier und eine melodische Stimme lispelte ein klangvolles „merci, merci bien, monsieur!“ I
Aber sie war bleich, sehr bleich im Gesicht und ? ein Zug tiefsten Schmerzes gab ihr fast ein madon- ' nenhaftes Aussehen. Maria Fischer hatte sie in das \ Fremdenbuch eingeschrieben, aber die Hand mußte [ merklich gezittert haben, als sie die Feder führte. I
Da drang durch den stillen Abend ein wunder- l voller Ton ■— und noch einer — dann mehrere — l kurze abgebrochene Laute von so tief schwermüthiger ! Melodie, wie sie nur eine Aeolsharse ertönen lassen i kann.
Der Onkel war erwacht und trat von mir gefolgt ; auf den Balkon hinaus.
Ein milder Süd-West wehte uns entgegen. Vor unseren Augen breitete sich im silbernen Glanz des Mondlichts ein herrliches Stückchen Welt aus.
Der ruhig daliegende See, ein mächtiger krystal- lener Spiegel, umrahmt von grünenden Weinbergen, bot einen großartigen Anblick.
Clärens, Vernez, Montreux und Tervittet, die man gewöhnlich unter dem Namen Montreux zusammenfaßt, verbunden durch wohlgepflegte Promenaden, lagen in tiefem Frieden zu unseren Füßen und wie verloren schimmerten hier und da einzelne Lichter aus den dunklen Parkanlagen der Villen hervor.
Wieder diese schwermüthig klagenden Töne, die zu uns heraufdrangen, und nun auch wohl in den nebenanliegenden Zimmern gehört worden waren, denn auch dort wurde die Thüre geöffnet und dann sah ich unsere Nachbarin auf den Balkon hinaustreten.
Durch das Geräusch aufmerksam geworden, sah jetzt auch der Onkel auf. So seltsamen Blickes, wie ich ihn nie bei ihm gesehen, schaute er unverwandt hinüber auf den Nebenbalkon. — Dann erschreckte mich ein plötzliches Aufzucken und ein Stöhnen. — Doch dazu blieb mir nicht Zeit, denn im nächsten Augenblick schon sah ich ihn aufspringen und mit dem Ausruf „Maria, Maria!" durch das Zimmer auf den Korridor hinausstürzen, die Thür des Nebenzimmers aufreißen und jubelnd in daffelbe hineinstürmen.
In demselben Augenblick gellte auch schon ein zweiter Aufschrei weithin durch die Nacht — man hörte einen schweren Fall — im nächsten Augenblick schon das (Seroirre vieler Stimmen, denn unten sammelten sich schnell hülfsbereite Menschen um die Unglückliche — während oben mein Onkel bewußtlos in meine Arme fiel.--
Sie war es, seine Maria — doch nein — sie ist es ja noch — aber nicht lange mehr, beim schon begann der nahe Tod seinen Antheil zu fordern.
Auf den schneeigen Kissen lag sie dahingestreckt, matt und farblos, alles bleich an ihr, nur die dunklen Augen funkelten in unheimlicher Hast und sprachen eine Sprache so schwerer Anklagen — so bitterer Selbstvorwürfe — so unendlich herben Seelenkummers. —
Ach, wie schön der Schmerz noch dies liebliche Gesicht machte! Welchen Zauber mußte dieses Weib haben, als noch der Sonnenschein lächelnden Glückes auf ihren Zügen strahlte! Armer, armer Onkel!
Und er? — Vor ihr lag er, hingestreckt auf den Knieen vergrub er den Kopf in ihre Kissen.
Dann sprang er auf, lief im Zimmer umher, um sich daun immer wieder vor ihrem Bett niederzuwerfen. Er ergriff ihre Hand, zog sie wild an seinen Mund und preßte innigen Verlangens seine Lippen darauf — und als sie theiluahmslos alles das geschehen ließ, hob er — alles ringsum vergessend — die schlanke Gestalt auf, wiegte sie wie ein Kind


