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Literarisches.
Zwei neue Couversatiouslexika. Es ist auch ein Zeichen unserer Zeit und zwar ein sehr charakteristisches, daß fast jede Weihnacht uns eine neue Auflage eines älteren oder auch ein ganz neues Con- versationslexikon bringt. Charakteristisch, weil sich doch immer Käufer dafür finden müssen. Der Grund liegt aber darin, daß das Leben an Jeden Anforderungen stellt, die über feinen Beruf hinausgehen und die zu erfüllen ohne fremde Hilfe oft nicht möglich ist. Eine solche Hilfe bietet in allen nur möglichen praktischen wie wiffenschaftlichen Fragen eben das Conversationslexikon. Neber Mangel an solchen Hilfsmitteln haben wir Deutschen weniger wie irgendeine andere Nation zu klagen. Brockhaus und Mayer sind ja bekannt genug. Zwei andere sollen uns hier beschäftigen.
Das erste ist die 7. Auflage des Pierer'schen Universallexikon's (wie es in feinen früheren Ausgaben hieß.) Herausgegeben von I. Kürschner. Das Werk hat vor den anderen Lexika's immer den Vorzug größerer Reichhaltigkeit gehabt und dem Anscheine nach wird dieser Vorzug auch die neue Auflage, von der bereits ein Band vollständig vorliegt, auszeichnen. Die Artikelzahl wird, obgleich das vollständige Werk nur 12 Bände füllen soll, doch diejenigen von Brockhaus und Mayer übersteigen. Auf der anderen Seite ist mit diesem Reichthum auch wieder ein Mangel verbunden: die oft unangenehme Kürze der einzelnen Artikel, welche dabei nicht zu vermeiden war. Der Preis ist ein fast beispiellos billiger: ca. 80 <AL für das vollständige Werk. Eine ganz eigenartige Zugabe bildet ein 12 Sprachenlexikon. Auf jeder Seite läuft nämlich am Rande eine schmale Columne her, in welcher in alphabetischer Reihenfolge die Wörter von 10 Sprachen — russisch und griechisch werden am Schluffe besonders behandelt — Platz finden. Die Uebersetzung der deutschen Worte in die 12 Sprachen steht jedesmal unter dem Stichwort eines jeden Artikels. Diese Zugabe ist originell, ihr Werth ist jedoch fragwürdig. Wer nach mehreren Wörtern sucht, hat das Vergnügen, in allen 12 Bänden herum blättern zu müssen, während es doch am einfachsten gewesen wäre, diese Sprachlexika etwa in einem besonderen Bande ain ^Schluffe anzusügen. Und was die Uebersetzungen aus dem Deutschen betrifft, so laufen da viele Abgeschmacktheiten unter. Dinge wie „Aktiengesellschaft" ins lateinifche und griechische zu übersetzen, ist ebenso ungereimt, als wenn man dergleichen Dinge einer Kaffernsprache aufpfropfen wollte. Denn beide Völker haben von diesen Sachen genau denselben Begriff. Auch die Uebersetzung von „Alabaster" gypsi genus qnod recentiores vocant alabastrum wird ein" Philologenherz erfreuen. Was nun den Inhalt selbst anlangt, so ist ja hier recht Bedeutendes geleistet. In feiner Art musterhaft und relativ ausführlich ist „Aegypten" behandelt (von Brugsch). Bei '
einzelnen Artikeln kann man allerdings schwere Bedenken nicht unterdrücken. So ist beim „Ablaß" die evangelische Lehre arg mißverstanden. Bei dem Papste Alexander VII. findet eine Verdeckung der Thatsachen statt, die fast einer Verdrehung gleichkommt. Ungenügend ist auch der Artikel „Aethiopische Sprache", wo das bedeutendste Werk aus unserem Jahrhundert, die Grammatik von Dillman noch nicht einmal erwähnt ist. Ueberhaupt läßt die Literaturangabe, auf die nach dem Prospekt soviel Werth gelegt werden soll, doch recht viel zu wünschen übrig. Die Illustrationen scheinen zum großen Theil den verschiedenen, von Spemann herausgegebenen illustrir- ten Blättern entnommen zu sein. Die Farbentafeln und zum Theil auch die Karten sind schön.
Das zweite Werk, welches hier besprochen werden soll, ist zwar kein ganz neues mehr, denn der erste Band liegt schon seit 1886 vor. Aber da erst jetzt wieder die Weiterausgabe der Lieferungen nach zweijähriger Pause beginnt, so kann es doch wohl hiermit besprochen werden. Es ist die „deutsche Ency- klopädie, ein neues Universallexikon für die Gebildeten." Die Haltung ist vornehm; der Standpunkt entschieden conservativ und kirchlich-orthodox. Die einzelnen Artikel werden von den betr. Bearbeitern unterzeichnet. Der Artikelzahl nach ist es wohl das reichhaltigste; auch an Zuverlässigkeit läßt es nichts zu wünschen übrig. Was Manchem anstößig sein kann, ist eben nur der entschiedene Standpunkt. Doch wüßten wir eben wegen der großen Vorzüge allen Gebildeten kein besseres Conversationslexikon zu empfehlen, wie dieses. —
Eine christliche Zeitschrift. Am ersten Januar beginnt eine Zeitschrift einen neuen Jahrgang, auf welche wir die Gebild-ten unter unseren Lesern auf das nachdrücklichste Hinweisen wollen: „Die christliche Welt; ev. luth. Gemeindeblatt für Gebildeten, herausgegeben von lic. M. Stade." Jährlicher Abonnementspreis 6 «X Allen, denen noch christliche Wahrheit am Herzen liegt, welchen es Bedürfniß ist, sich gegenüber all' den oberflächlichen Eindrücken des täglichen Lebens und der sog. Unterhaltungsliteratur mit den ernstesten Problemen des Lebens zu befassen, denen sei dies Blatt warm empfohlen. Es ist kein Sonntagsblatt gewöhnlichen Stiles, seine Haltung ist vornehm; dafür bürgt schon der Name des bekannten Herausgebers. Kein Gebiet in der gesummten christlichen Welt giebt es, dem diese Zeitschrift nicht ihr Interesse zuwendete, und wenn daher noch nicht der Sinn für ernste Unterhaltung und Anregung völlig entschwunden ist, der halte dies Blatt, das zudem außerordentlich billig ist. Er wird nicht enttäuscht sein. Jedenfalls möge er sich einmal eine Probenummer, welche stets zur Verfügung gestellt werden, vom Verleger Grünow in Leipzig kommen lassen.
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Redaktion: A. Scheydo. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in (Siegen,


