Ausgabe 
29.9.1888
 
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(Gießener IsamilienbMer.

Belletristisches Beiblattzum Gießener Anzeiger.

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5ir> HZ Samstag dm 29. September. 1888»

Im Kaufe Jmmendorf.

Original-Roman von Emilio Heinrichs.

(Fortsetzung.)

Dergleichen lieh sich vorsussehen, der Bursche soll seinen Rüffel haben, so wahr ich na, was will denn der junge Mann von mir? unterbrach er sich, befremdet an seine Unisormmütze greifend, um den tiefen Gruß eines sich ihm nähernden gutgrfleibeten jungen Mannes Zu erwieder». Er blieb stehen, wäh­rend Ulrich langsam wsiterschlenderte.

Entschuldigen Sie meine Dreistigkeit, Herr Majori" begann der Fremde in unterwürfigem Tone, während seine Augen verstohlen dem jungen Frei­herrn folgten;Sie erkennen mich sicherlich nicht wieder."

Doch, doch", nickte der Major, ihn scharf an­blickend,habe, glaub' ich, gestern Abend Ihre mir ziemlich unliebsame Bekanntschaft gemacht, wie?"

, LrUrer ja, Herr Major I ich bin in der That jener Drtectiv, dessen Eifer über's Ziel hinaurge- schossen und der soeben sich zu Ihnen begeben wollte, um Ihrs, wie Ihre» Herrn Neffen V-rgebung |u erbitten."

Ah so, wie steht's dann mit dem gegebenen Ehseawort?" versetzte Tellkamp scharf,man ver­schwendet solche Schätze nicht gern, und muß ich schon deshalb Ihrem obersten Vorgesetzten Anzeige davon erstatten."

Ich bitte, das Ehrenwort als nicht gegeben zu betrachten, Herr Major!" sprach der Detectio in bittendem Tone,nehmen Sie gütigst Rücksicht auf meinen ebenso gefährlichen als verantwortlichen Posten und auf dis Thatsach« des begangenen Verbrechens Als Militär, als Officier"

Schon gut", unterbrach ihn der Major ziemlich barsch,ich weiß Pflichteifer zu schätzen, erinnere Sie aber, daß blinder Eifer allemal zu schaden pflegt. Für diesmal sei es Ihnen vergeben, seien Sie in Zukunft vorsichtiger. Apropos", wandt« er sich wieder, als der Detectivs sich dankend entfernen wollte,ist das Opfer tobt oder nur verwundet worden?"

Der arme Kerl lebt noch, wird aber wohl schwerlich zu retten sein."

Hat er selber denn keine Ahnung von der Iden­tität de» Mörders?"

Er ist leid«, wie ich vernommen, noch nicht zum Bewußtsein gelangt."

Kennt man ihn?"

Nein, er scheint ein Fremder, doch von guter Herkunft zu sein."

Mysteriöse Geschichte!" rief der Major kopf­schüttelnd, griff an seine Mütze und folgte eiligst seinem Begleiter.

Thorsen wandte sich ebenfalls, um denselben Weg etwas langsamer zu verfolgen. Finster, mit zusam- mengepreßten Lippen, blickte er dem Major nach und murmelte eine Verwünschung in den Bart. Er war in seinem Innern fest überzeugt, daß derselbe mehr von dem Verbrecher wisse und ein Complott den­selben gerettet habe.

Es ist noch nicht aller Tags Abend", dachte er ingrimmig,wer es auch immer sei"

Er unterbrach seinen Gedankrngang und nahm sich einen Mann auf'» Korn, der salutirend an dem Major vorübrreilte. Der hastige Gang, sowie der Sammibeutel unter dem rechten Arm kennzeichneten ihn als Barbier.

Guten Morgen, Herr Semmel!" rief Thorsen ihm cordtal entgegen.

Morgen, morgen!" versetzt« der Barbier, ein langer, hagerer Mann, der fortwährend mit sich selber sprach,keine Minute Aufenthalt, mein Bester I kommen morgen erst an die Reihe."

Ach was, eine kleine Neuigkeit werden Sie wohl für mich übrig haben, besonders wo, wie bei uns beiden, eins Hand die andere wäscht. Nein? Nichts von Belang?"

Nicht so hitzig, nicht so hitzig", rief Semmel mit seiner gewohnten Redensart, kraft welcher er eine stereotype Stadtfigur geworden,ich hab' wahr­haftig nichts Besonderes für Sie, Herr Thorsen! Aber halt, o, o, nicht so hitzig, schauen Sie ge­fälligst zur Linken, nun gerade au», sehen Sie dort den bärtigen Herrn, der vom Major Tellkamp jetzt begrüßt wird? Ein Aristokrat vom reinsten Wasser, wie, mein Bester?"

Meinetwegen, was geht mich das an?", rief Thorsen mit scheinbarer Ungeduld.

Nicht so hitzig, nicht so hitzig, lieber Herr! Das betrifft etwas Nagelneues, die Heimkehr des verlorenen Sohne». He, he, hs, man wird im Hause Jmmendorf ihm zu Ehren sicherlich eia Kalb schlachten, i weil er als vornehmer Herr und nicht wie der ver- f lorene Sohn im Evangelium heimkehrt."

Was, der Herr dort an der Seite des Major» ; wäre der verschollene Jmmendorf?" fragte der De« teetiv überrascht.

Der Barbier nickte lebhaft.

Er ist er, so wahr ich Semmel h aße, ein echtetz