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seiner Seele und dieser Gedanke war Olla. Nie­mand sollte ihn von ihr fortbringen.

Geht fort, Kleine, ich werde den Hund lor- lassen I Ich wll doch sehen, ob er nicht geht, wenn man ihm befiehlt!" rief Krigger aus.

Ein Kreischen ertönte gleichzeitig von der Haus­hälterin auf der Terrasse und von Frau Popley auf dem Balkon.

Krigger hätte seinen unmenschlichen Vorsatz auch ausgeführt, wenn nicht in diesem drohenden Augen­blick Herr Dcverevx Gower auf dem Schauplatze erschienen wäre, um fich nach der Ursache der Lärms zu erkundigen.

Ein einziger Blick verrieth ihm, was vorging und feine Stirn umwölkte fich.

(Fortsetzung folgt.)

Der Hfironcandidat.

Eine heitere Geschichte aus Bulgariens jüngster Vergangenheit von H. Atony.

(Schluß.)

Nicht erst zu Neujahr, Herr Thron, noch heute unbedingt müssen Sie Visitenkarten haben, ich kenne in der Nähe eine lithographische Anstalt, da kann man unter fünf Minuten ein anständiger Kerl wer­den nämlich Visitenkarten bekommen. Nichts für ungut. Das nennt man Schnellpressendruck."

Aber verzeihen Sie, Herr Strobel, zu welchem Zweck, weshalb soll, oder muß ich denn gerade heute nochunbedingt" Visitenkarten haben? ich beabsichtige ja gar nicht irgend eine Visite zu machen außerdem"

Außerdem", erwiderte Herr Strobel mit einer an Grobheit streifenden Energieaußerdem be­steigen wir jetzt sofort den ersten besten Fiaker, fahren zu mir, frühstücken ordentlich, und da Sie leichtsinniger Weise Ihren Ueberzieher zu Hause vergessen haben, ziehen Sie meinen Gala-Pardessus an, auch einen frischen Stehkragen müssen Sie anlegen rafiren müssen Sie sich lassen Hand­schuhe ? na die vom Journalistenball, die werden Ihnen passen so der Plan ist fertig Halt! dann kommt die Hauptsache die Visitenkarten!"

He! Fiaker! fix nachanander Panigelgasse Nr. 13!" so rief Herr Strobel die Nr. 320 an, und trotzdem der arme Candidat der Theologie, Ferdinand Thron, seinen Freund und Gönner, den Journalisten Strobel, hoch im Verdacht hatte, daß er urplötzlich übergeschnappt sei, ließ er sich in christ­licher Demuth in den Fiaker schieben und rollte in Wiener Fiakergeschindigkeit an der Seite des Herrn Strobel der Panigelgasse zu.

Es war 3 Uhr Nachmittag.

Im Hotel Metropole herrschte große Aufregung. Hieß es doch, daß der bulgarische Throncandidat Prinz Ferdinand von Sachsen-Koburg der Deputation, welche ihn auf Schloß Ebenthal bei Dürnkrut in Niederösterreichheimgesucht" hatte, ihnen dies heute

zurückbezahlen wolle, nämlich seinenGegenbesuch" abstatten wolle. Das aufgeregte Hotelpersonal sollte nicht allzu lange über daskommt er", oder 'kommt er nicht" in Ungewißheit bleiben. Einige : Minuten nach 3 war's, da rollte ein sogenannter 'Unnumerirter" (ein Fiaker ohne Nummer, dessen sich selbst die höchsten Herrschaften, beim

1 Vorfahren, um kein Aufsehen zu erregen, in Wien bedienen), vor das Hotel. Der Portier eilte, den

; Wagenschlag zu öffnen, aus dem Coupo aber wurde ' eine riesige Visitenkarte herausgereicht mit den Worten: Fragen, ob Besuches gewärtig!"

jBitt', Euer Gnaden, wem soll'n merdenn fragen?" Bulgarische Deputation. Natürlich! Dumme e Frage!"

! Der Ober-Schani entriß die Karte den Händen ! des Portier, warf einen Blick auf sie und | wie elektrisirt, immer drei Stufen nehmend, erstürmte | er die erste Etage, klopfte an Nr. 8 Salon | und die Karte ablesend überreichend, avisirte er: 8Ob's ang'nehm,FerdinandThronCandidat! nämlich" so ergänzte er aus freien Stücken, wie die Exeellenzherrenja wissen: Prinz-Ferdinand von Sachsen-Koburg, bulgarischer Thronz-Candidat!"

Da, da, rizayra! rief die Dreimänner-Depu- tation wie aus einem Munde,natürlich angenehm, und wie angenehm letzte Hoffnung!" Mit diesen Worten stürzten sie auch schon die Etage herab, den illustren Ankömmling im Portal zu empfangen. Einer geknickten Lilie gleich, oder besser, wie ein Verurtheilter, der zur Nichtstätte geschleppt wird, erstiegFerdinand Thron Candidat, respeetive der Candidat der Theologie Ferdinand Thron an der Seite des stolz und siegesbewußt ein­herschreitenden Herrn Strobel die Treppen zur ersten Etage. Was die fünf Herren da oben auf Nr. 8 sich alles erzählten, welche Vereinbarungen sie ge­troffen rc., darüber sind wir nicht im Stande, zu be­richten, wohl aber, daß die Herren Thron und Strobel, als sie nach einer halben Stunde das Hotel verließen, weder von Herrn Stoikoff, nach von Grekoff und nicht einmal von Kaleeff begleitet wurden, höchstens erinnert man sich eines heftigen Thür- zuschlagens und des herzlichen bulgarischen Ausdrucks: Feas, huttza! welches ihnen gefolgt sein soll. Nun, das konnte Herrn Strobel vom Standpunkt eines tüchtigen Berichterstatters ja egal sein seinen Zweck hatte er erreicht, 50 Gulden nebenbei gewonnen bei seiner Zeitung, in welcher am nächsten Tage ein zwei Ellen langer Artikel unter dem Titel:Unsere Rücksprache mit der bulgarischen Deputation" stand, wurde er vergöttert und erhielt ein glänzendes Honorar, 20 Kreuzer die Zeile!

Ende gut, alles gut, Herr Ferdinand Thron, Candidat, behielt den beinahe noch neuen Ueber­zieher , die Jourualistenball-Handschuhe, war rasirt, frisirt, pomadisirt, hatte gut gegessen und getrunken und besaß Visitenkarten.

Si-dactivn: A. Scheyd«. Dr^ck und N-rlag der Brühl'schm Druckerei (Fr, Ehr. Pietsch) in Gießen.