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braven Fischerleuten ganz gut aufgehoben, aber Ihr, Fräulein Olla —"
„Mach' Dir seinetwegen keinen Kummer", entgegnete Olla. „Ich bin jung und stark und kcmn diese Einkerkerung so lange tragen, als Herrn Go- wer's Geduld aushält."
„Aber Einkerkerung ist nicht das Schlimmste, was wir zu befürchten haben", sagte Frau Popby in großer Angst. „Diese Eesangenschssi wird nur der Deckmantel zu vielen anderen Verfolgungen fern, schlimmer als die, welche Ihr in Neapel erdulden mußtet, bis Ihr entflohen seid. O, Ihr kennt Herrn Gower gar nicht so, wie ich ihn kenne, ich bin nur eine Dienerin und er hat es nie der Mühe werth gehalten, sich vor mir in seinem besten Lichte zu zeigen. Trotz seiner lächelnden Mienen und seiner glatten Mankeren ist er doch ein Schurke — er ist ein Tiger in Menschengestalt, Fräulein Olla. Was er sich in den Kopf setzt, das wird er ausführen, selbst wenn er sich gegen die Gesetze vergehen müßte. Ihr wißt nicht, was für einen eisernen Wllen er hat. Ich fürchte für Eure Zukunft!"
„Die Vorsehung, die mich mein ganzes Leben lang beschützt hat, wird mich auch jetzt nicht ver- lassen", sagte Olla ruhig. „Laß uns recht muthig sein, Mutter Pople y, Muth wird wohl das Einzige Mn, dem Herr Gower Achtung zollt."
„Wer aber kann in solch' einer Lage muthig sein?" fragte Frau Popley in traurigem Tone. „Ich halte Gower jeder Schlechtigkeit fähig und wäre gar nicht erstaunt, wenn er selbst den Versuch macht, Euch in das Irrenhaus zu bringen."
„Ja, das zu thun ist er im Stande, und nach sein;« Drohungen zu schließen, glaube ich sogar, daß er cs wirklich beabsichtigt. Aber was kann es uns nützen, wenn wir all' diese schrecklichen Möglichkeiten erwägen? Nehmen wir diese Dinge lieber, wie sie kommen, gute, liebe, treue Seele. Leiden wir nicht zweimal — erst in der Erwartung und dann in der Wirklichkeit. Tausend Dinge können sich ereignen, ehe das Schlimmste geschieht. Er kann sterben — ich kann entfliehen - irgend Jemand kann kommen, um mich zu befreien, obwohl das so unwahrscheinlich ist, daß man gar nicht daran denken sollte. Ergeben wir uns in unsere Lage und verzweifeln wir nicht. Ich werde cs gewiß nicht thun."
Olla trat auf die brave, alte Frau zu und legte ihre Wange liebkosend an die ihrer Amme.
„Wäre es nicht besser für mich, das Alles allein zu ertragen?" sagte sie. „Du hast olle meine Leiden getheill, seit ich als zarte Waise zmückblieb und zu fremden Menschen kam. Liebe Mutter Poplr«, willst Du nicht nach England zmückkehren und in dem Dorf", wo Du geboren wurdest, Deine letzten Tage in Ruhe verleben? Dein Leben wird durch Deins Hingetung für mich ganz zerstört."
„Fräulein Olla". sagte die alte Frau, ihre Lippen auf den kleinen schwarzen Kopf pressend, der jetzt an ihrer Brust lag, „wenn Ihr mir nicht das Herz brechen wollt, sagt so etwas nicht wieder. Jim
ist mir nicht so fest an's Herz gewachsen, als Ihr! In Eurem ganzen Leben hebt Ihr mir nie ein hartes Wort gesagt. Ihr wäret immer so sanft und gut und auf mein Glück bedacht. Ich werde Euch nie verlassen, bis ich sterbe. Ich sage wie da» Weib in der Bibel: wohin Ihr geht, dorthin will auch ich gehen; wo Ihr weilt, da will ich auch weilen und ich will allen Kummer mit Euch theilen. Euch verlassen ! Ei, Fräulein Olla, das h'eßs aus dem war- men Sonnenschein in die kalte Finsterniß gehen."
Die treue, alte Frau drückte die zarte Gestalt ihrer jungen Herrin noch inniger an sich und küßte st-- r n ,
„Du und ich, wir wollen unser Lebcnlang einan- der Alles sein, Mutter Pcpley", sagte Olla, an deren langen, seidenen Wimpern große Thränentropsen hingen. „Ich werde Herrn Gower nie hcirathen. Wenn ich meine Großjährigkeit erlangt haben werde, I werde ich mit Dir nach unserem geliebten England zmückkehren und ich will auch den armen Jasper Lowder dort haben. Er scheint meiner sehr zu be- dürfen, und ist mir so ergeben. Er wäre bei mir glücklicher, als er es hier ist."
„Aber wenn Ihr heirathet, Fräulein Olla, werdet Ihr den armen Menschen nicht in Eurem Hause haben können?"
„Ich werde i ie heirathm", entgegnete Olla ernst und traurig; „niemals!"
„Aber Fräulein Olla, es ist die Bestimmung des i Weibes, zu heirathen. Euer Leben war so abgc- ! schieden, daß Ihr bisher noch nicht geliebt habt, i Aber Eure Stunde wird auch schlagen."
Das bleiche, dunkle Gesicht röthete sich. Die ; leuchtenden Augen fer kle« sich unruhig.
„Sprich mir nicht vom Heirathen", sagte Olla. ! „Hast Du je von Pygmalion gehört, der sich in die i Stallte verliebt, die er geschaffen hatte? Es scheint fast unmöglich, daß man eine Statue ohne Herz, \ Geist und Leben lieben kann. Ader seine Liebe gab seinem Werke alle diese Eigenschaften und sein Mar- , morbi ld wurde ein lebendes Weib! Und — und I — ich habe etwas Aehnliches erfahren — nur wird es nie so glücklich enden. Ich habe eine Stalue be- wundert, wclche athmen kann — ein geistloses Stein- ! bild. Ich liebe ihn nicht. Aber, Mutter Popley, wenn der arme Jasper Lowder im Besitze seines Verstandes gewesen wäre, würde ich ihn lieber gehabt haben, al« irgend einen Mann, den ich bisher gesehen. So bemitleide ich ihn nur."
„Wartet nur, bis der Rechte kommt", sagte Frau Popby munter. „Es ist noch Zeit genug, Fräulein Olla I Auf der Terrasse unten steht jetzt auch Jim. Er wird Krigger nicht ganz seinen Willen lassen. Könnte Jim nicht nach Palermo zum englischen Konsul oder zu unserem Kaplan gehen und Eure Freilassung bewirken?" fragte Frau Popley, von einer plötzlichen Idee ergriffen.
„Nein", erwiderte Olla bitter, „denn sowohl der Konsul, als der Kaplan und die anderen Engländer hallen mich nicht für ganz richtig im Kopfe. Sie


