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Durst und Kälte.
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ll er auf Niemand > auf ihn hören.
eine merkwürdige jungen beider felten
ßnchener Familien Glatter.
Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger.
Nr. 62.
Dienstag den 29. Mai.
1888.
Der Gröe des Kaufes.
Roman von Hermine Frankenstein.
(Fortsetzung.)
Alr'Olla am nächsten Tage im Begriffe stand, ■ dir Villa zu verlassen, um ihren gewöhnlichen Besuch abzustatten, traf sie auf der Terrasse ihren Vormund, welcher ihr in geheimnißvollem Tone mittheilte, daß er eine wichtige Sach: mit ihr zu besprechen habe. Verwundert und einigermaßen beunruhigt, folgte sie ihm bis an den Meeresstrand, wo kein Zeuge sie zu belauschen vermochte.
„Ist es Euch nicht aufgefallen", begann er, „daß sämmtliche Landsleute, die neben uns wohnen, der reichen englischen Erbin und künftigen Besitzerin eine» fürstlichen Vermögens, welche unter meiner Vormundschaft steht, noch keinen Besuch gemacht haben?"
„Aufgefallen ist e» mir allerdings", entgegnete Olla in stolzem Tone, „aber ich kann derlei Nach- lässigk iten verschmerzen."
„Ist es Euch nicht aufgefallen, daß mich neulich mein Freund, der englische Kaplan, besuchte, ohne, wie es die Regel der Höflichkeit erfordert, auch bei Euch vorzusprechsn?"
„Allerdings; der Mann ist eben kein Gentleman."
Gower lächelte höhnisch vor sich hin.
„Und jene ganz: englische Gesellschaft, welche uns unlängst bei einer Bootsfahrt auf dem Meere begegnete und die Euch mit so merkwürdig mitleidsvollen Blicken betrachtete, bestand sie nicht au« Gmtle« men und Ladies?^
„Doch, doch! Aber ihr Betragen war zum Mindesten sehr sonderbar und heute noch fehlt mir jede Erklärung darüber."
Gower war stehen geblieben und blickte nun dem schönen, jungen Mädchen mit unsagbar dreistem Ausdruck in da« unschuldr volle Gesicht.
„Die Erklärung vermag ich Euch zu geben: Ihr geltet in der ganzen englischen Gesellschaft al» eine kleine Wahnsinnige. Ich selbst habe da« Gerücht verbreitet, daß es in Eurem Kopfe nicht richtig sei und Ihr werdet nun begreifen, daß man Euch bemitleidet, fürchtet und jeden Umgang mit Euch meidet."
Todtenbleich war Olla einige Schritte zurück- getaumelt.
„Das war eine bübische Handlungsweise, die Sie vor Gott zu verantworten haben. Darf ich den Grund dieser Verbreitung erfahren?"
„Natürlich, mein schönes Kind! Indem Ihr allgemein als eine jener Unglücklichen geltet, die nicht Herr ihres Verstandes sind, findet man es begreiflich, daß ich Euch durch drei Diener und einem großen Hund bewachen lasse. Macht einen Fluchtversuch — Niemand wird Euch Hilfe leisten, Niemand ein Unterkommen gewähren. Ich habe diese» Gerücht verbreitet, um Euch ganz macht- und hilflos zu machen, ich habe es gethan, um den heißesten Wunsch meines Lebens in Erfüllung gehen zu sehen. Da« hilflose Mädchen — die arme Wahnsinnige, sie wird einwilligen müssen, meine Frau zu werden, oder — fuhr er in drohendem Tone fort: „sie verläßt dieses Haus nicht mehr, sie wird eine Gefan- gene im wahren Sinne des Wortes und Jedermann wird es begreiflich finden, wenn man erfährt, daß Ihr dieser Tage einen Selbstmordversuch gemacht habt."
„Elender! Niemals wird Euer frevler Wunsch in Erfüllung gehen. Eher will ich auf dem Grunde de« Meeres liegen, eher lebendig begraben sein, ehe ich einwilligte, das Weib eines Schurken zu werden!"
„Wir werden sehen", sagte Gower mit vor Wuth funkelnden Augen. „Ich bin sicher, mein Ziel zu erreichen. Ihr wißt nicht, was es heißt, gefangen zu fein, immer zwischen vier Wänden zu leben, wäh- rend auf der anderen Seite eine freie, angenehme Existenz, ein Lben der Freude und des Genusses an der Seite eine« geachteten Mannes winkt. Von heute an seid Ihr meine Gefangene, von heute an verlaßt Ihr dieses Haus nicht mehr und augenblicklich will ich die nöthigen Anordnungen treffen."
Ein Gefühl von Schwäche überfiel das sonst so muthige Mädchen. Olla ließ es ruhig geschehen, daß er sie am Arme ergriff und dem Hause zu- führte. Wie im Traume sah sie in da« Gesicht Krigger's, sah sie in die wild funkelnden Augen des zottigen Wolfshundes, dann überkam sie eine wohl- thuende Ohnmacht. Als sie wieder zu sich kam, fand sie sich mit Frau Poplcy allein und eine tiefe Traurigkeit bemächtigte sich ihrer.
„Der arme Jasper", rief sie laut aufweinend. „Er erwartet mich in diesem Augenblick auf dem Felsen — der Unglückliche! Er wird heute warten und morgen und übermorgen und ich kann nicht zu ihm kommen. Möge Gott den Elenden strafen, der er sich zur Aufgabe gemacht hat, ein junge», schutzloses Mädchen zu peinigen und zu verderben!"
„Wir wollen lieber an uns selbst bentn, Fräulein Olla, als an Andere", sagte d'e alte Frau ängstlich. „Dieser arme Blödsinnige ist bü den
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