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„Monseigneur! Mein Gatte, der Vicomte Turgot de la Barre, Enkel des gleichnamigen Ministers Lud» wig XVI., ist Kapitän des 4. Carabiner-Regiments und wurde bei Möckern gefangen genommen. Er hat sich hinreißen lassen, den Befehlen des Commanban- ten, welcher den Gsfangenen-Transport führte, den Gehorsam zu verweigern und d'e mit ihm gefangenen französischen Soldaten zum Widerstand aufzumuntern und soll es denn leider zu Thätlichkeiten g> kommen sein. Deswegen soll ihm kurzer Proceß gemacht, und mein unglücklicher Gemahl nach den Gesetzen des Ke isges standrechtlich erschossen werden. O, mein Prinz' Beim Andenken an Ihre verklärte Mutter, der per» sonificnten Milde und Grcßmuth, beschwöre ich Sie, erwirken Sie beim Könige Gnade für meinen Mann, erhalten sie diesem Kinde den Vater, mir den Gatten und einer alten Mutter, die in unaussprechlicher Liebe an ihm hängt, den einzigen Sohn! Mor stgnevr, Gnade! Gnade!"
, Grace ä mon päre!“ flehte das kleine Mädchen. ‘ Der junge Prinz schien gerührt, versprach dem König die traurige Angelegenheit vorzutregen und auch das sinnbildliche Bouquet zu übermitteln. So» dann entließ er Huldreick st Mutter und Tochter.
zu sein."
„Monseigneur!" rief die Vicomte sse mit freudigem Erschrecken, das kleine liebliche Mädchen aber trat einen Schutt vor und in ihren zur Bitte gefalteten Händchen das Bouquet versteckend, sagte es mit süßer, zarter, flehentlicher Stimme:
, 0h Monseigneur,
Prenez ces fleurs, Oh grace ä mon pere !Ä *) „Monseigneur! — sie find dem König bestimmt, diese Blumen I Sie besagen all' mein Leid I" sagte die Dame mit vibrirender Stimme.
„Der König soll sie erhalten, diese Blumen, und nun, Madame, wenn cs beliebt, theilen Sie mir mit, was Sie von Sr. Majestät zu erbitten gedenken." Dabei wies der Prinz galant nach einem Fauteuil. Mit Zaudern nahm die Comteffe Platz und ihr Töch- terchcn neben sich stellend begarn sie:
*) O hoher Herr! .Nehmt diese Blumen! O Gnade für meinen Vater!"
reden, ist wenig oder gar keine Zeit vorhanden, der Blumensprache zu huldigen. Ich kann Ihnen nur wiederholen, Madame, was Ihnen bereits der Herr Adjutant mittheilte: wenden Sie sich schriftlich an Se. Majestät." '
„Aber meine Herren, meins Herren", flehte die Dame unter Thräncn und mit gefaltet erhobenen Händen, „es handelt sich um Leben oder Tod meines Gatten, des Vaters dieses Kindes."
Im selben Moment öffnete sich die zu den inneren Gemächern führende Flügelthür, und ein schlanker blutjunger Officier trat in die Adjutaniur. Die anwesenden Osficiere nahmen sofort ehrfurchtsvolle Stellung an, der junge Officier aber blickte erstaunt und fragend auf die anwesende so flehentlich bittende Dame und auf das kleine Mädchen mit dem herrlichen Bouquet. Es war der 17jährige, eben erst zum Kapüän avancirte Prinz Wilhelm von Preußen. Einer plötzlichen Inspiration folgegebend, welche ihr sagte, daß sie das, was Ihr soeben abgeschlagen, von diesem ho Hutt vollen Jüngling mit mehr Glück erwarten dürfe, verbeugte sich die Con teste tief vor dem Prinzen und sprach ihn an: „Ich weiß es nicht", sagte sie, „wer hier vor mir steht, aber eine innere Stimme deutet mir, daß Sie, mein Herr Ojficier, den Willen und die Macht haben, einem armen schwachen, tiefgebeugten, ja, der Verzweiflung nahen Weibe den Weg zu Ihrem erhabenen König zu zeigen, damit es zu feinen Füßen Gnade erflehe für den unglücklichen Gatten, der Gefangener ist in der Festung Glatz in Schlesien und vor ein Kriegsgericht gestellt werden soll l"
„Madame", erwiderte Prinz Wilhelm, „ich bin Kapitän in Diensten des Königs von Preußen, meine Machtbefugnisse gehen nicht allzuweit. Der König ewpsängt heute die Behörden von Paris, feine Zeit ist gewesten — wollin Sie aber, Madame, einem Prinzen von Preußen, der vor Ihnen steht, sich offenbaren, so wird er versuchen, Ihnen nach Möglichkeit dienlich
Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.
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„Welch' warmer Fürsprecher du bist, wenn es gilt, Anderer Leid zu heilen 1" — Diese Worte richtete Friedrich Wilhelm III. an den jungen Kapi'än Prinz Wilhelm, nachdem dieser mit aller Macht und dem Feuer der Beredsamkeit die Bitte der Vicomtesse Turgot de la Barre vorgetragen hatte. „Laß sehn die Blumen, ich werde versuchen, ihn zu deuten, diesen Selam I"
Das Bouquet bestand aus Blumen, wie sie nur ein großartiges Treibhaus auszuweisen hat. Der König nahm das Bouquet zur Hand und betrachtete es, laut jede Blume benennend: „Narcisse, — Rosmarin , — Thymian, — weiße Hyacinthen, — Ra- munkel, Krausewünze, Salbei, Himmelsschlüsselchen und — eine Kaiserkrone! Ja, ja", sagte der König — „diese Blumen, sie deuten das, was ich eben aus Deinem Munde gehört: Mein Gatte, ein Osficicr, ist im Felde und in Gefahr, ich fürchte seinen Tod!.. Run, ich werde mir sofort eingehenderen Bericht über den allerdings sehr ernsten Fall einfcrdern und nach Erwägung der Umstände handeln **). Du aber, Du eifriger Anwalt, Du sollst auch nicht leer ausgehen für Deine edelmüth'ge Bemühung, — eine Blume hier aus dem Sträußchen will ich Dir schenken, — hier nimm sie, — sie sei Dein, die Kaiserkrone!"
Und Prinz Wilhelm hat sie erhalten die Kaiserkrone. Dem 74jährigen Greise sollte nach blutigen Kämpfen die Krone winken, die dem 17jährigen Jüngling der Vater im Scherz gespendet hatte. Wie er die Kaiserkrone sich erworben und 17 Jahre lang ihre Bürde getragen: in den ehernen Tafeln der Geschichte steht es etngegraben.
*♦) Der Officier wurde zu sechsmonatlicher Festungshaft begnadigt.


