Ausgabe 
28.8.1888
 
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ein Ausdruck bitteren Hasses glitt über Jasper Low- drr's Gesicht, als er ihn erkannte.

Mein Vater!" stammelte er.

Halt!" rief Gower.Ich bin Dein Vater, Deve- reux Gower. Ich bin unvrrheirathet und Habs keine Kinder außer Dir. Da Sir Arthur Tresstlian Dir verziehen hat, bin ich bereit, Dich als Jasper Low­der Gower, meinen Sohn und Erben anzuerkennen. Soll nun Friede zwischen uns sein?"

Friede!" hauchte Hefter.

Ja", versetzte Lowder nach hartem Kampfe,es soll Friede sein."

Er reichte ihm die Hand und Herr Gower schüt­telte sie warm. Die Versöhnung war eine herzliche und vollständige.

Du willst mich nicht verlassen, Hefter, jetzt wo Du Alles weißt?" fragte Jasper demüthig.Ich würde es verdienen, daß Du mich verließest."

Aber ich thus es nicht", sagte Hefter zärtlich, Du hast Dich schwer vergangen, Jasper, aber Du kannst bereuen. Wir wollen ein neues Leben mit einander beginnen, Komm!"

Sie gingen zusammen fort und wenige Minuten darauf verkündete Wagengerassel Lowder's Abreise von Tresstlian-Court auf Nimmerwiedersehen.

Sie reisten nach Northumberland. Jasper lebte mit Hefter ruhig und zufrieden. Das edle Weib verstand es, das bessere Selbst in ihrem Gatten wach zu erhalten. Jasper wurde ein ehrlicher, allgemein geachteter und auch ein glücklicher Mann, denn ein Jahr später schaukelte Hefter wiederum einen Knaben mit rosigen Wangen auf ihren Knieen.

Deverevx Gower konnte sich des Enkels nicht mehr erfreuen ein halbes Jahr hatte vor der Geburt de« Knaben ein Schlaganfall feinem Leben ein Ende gemacht.

Und wie gestaltete es sich in Tressilian-Hof?

Al» Jasper mit seiner Frau und seinem Vater da« Schloß verlassen hatte, da fand Sir Arthur nach wenigen Stunden Blanche im Bibliothek-Zimmer mit thränenüberströmten Augen.

Du weinst?" fragte er mit zitternder Stimme und in einer seltsamen Aufregung befangen.Doch nicht um den Elenden"

Sie schüttelte verächtlich den Kopf.Ich habe ihn längst verabscheut", entgegnete fie,in meinem Herzen liebte ich ihn nie!"

Er legte die Hand auf ihr goldgelocktes Haar.

Blanche Herzenskind! Lebt kein Mann, den Du lieben könntest, rote das Weib den Mann lieben soll?"

Sie blickte auf und sah ihm voll in'« Auge. Sie las in seinen markigen Zügen die Qualen der entsagenden Liebe zu ihr, wie Schuppen fiel e« ihr von den Augen und laut auf jubelte es in ihrem Innern vor Lust und seliger Freude. Dann schlang sie die Arme um ihn und erröthend flüsterte sie die Worte:

Ich liebe Dich ich habe Dich längst geliebt Dich allein!"

Er war keines Wortes mächtig, aber er küßte ihre Stirne, Augen, Mund und feine Arme schlan­gen sich um das herrliche Mädchen, als wolle er es nimmer loslaffen in diesem Leben.

Friede, Liebe und Glück wohnte von nun an in Tressilian-Hof.

Im Kaufe Immendorf.

Original-Roman von Emilie Heinrichs.

(Nachdruck verboten.)

1.

Dar schöne, mittelalterliche Hau» in der Schloß- straße mit seinen vorspringenden Giebeln, den hohen Bogenfenstern und dem mächtigen in Stein gehaue­nen Wappen über dem breiten, thorartigen Eingang gehörte seit Jahrhunderten dem freiherrlichen Ge­schlechte von Jmmendorf, auf welche« das Haus in un­mittelbarer Reihenfolge bis zur Gegenwart herab stets von Vater auf Sohn vererbt worden war.

Mit den jetzigen Erben schien nun allerdings der Mannesstamm der in früheren Zeiten hochberühmten Geschlechts der Herren von Jmmendorf erloschen zu sein, da der letzte Freiherr seit Jahresfrist in die Ahnengruft hinabgesenkt worden war, und nur eine Tochter zweiter Ehe und zwei unverheiraihete Schwe­stern, welche bereits das Matronenalter erreicht, al« Hüterinnen der Hauses hinterlassen hatte.

Es war in der ersten Hälfte des Octobers, der sich mit rauhen Herbststürmen und bemerkenswerther Kälte einführte. Ein dichter Nebel lagerte auf Stadt und Land, welcher eine frühe Abenddämme­rung brachte und des Herde« Flamme doppelt ver­lockend erscheinen ließ.

Durch die Promenade, an welcher die Mauer de» großen Jmmendors'schen Garten« sich entlang zog, eilte in diesem Augenblick ein Mann in solcher athem- losen Hast, als ob ihm ein Verfolger auf den Fersen säße. Es mochte wohl so sein, da in geringer Ent­fernung sich ebenso eilige Laufschritte hören ließen, welche erst am Ende der genannten Mauer plötzlich inne zu halten schienen.

Vor der hohen eisernen Pforte, welche al» Aus­gang nach der Promenade diente und selbstoerständ- lich stet« verschlossen gehalten wurde, standen während diese« Vorgangs ein Herr und eine Dame im leisen Gespräch. Ersterer war nicht jung mehr und schien dem militärisch geschnittenen Schnurrbart, der straffen Haltung nach ein Osficier zu fein, während die Dame jung, schön und sehr aristokratisch erschien.

Bitte, öffnen Sie rasch die Pforte, Herr Ma­jor!" flüsterte die Dame,es ist heute recht graulich hier draußen."

Ja, in der Thal", erwiderte der Herr halblaut, das sieht ja ganz genau wie eine Verfolgung aus. Ich will Sie doch lieber durch den Garten bi» an'« Haus begleiten, Fräulein Hedwiga, und den alten Johann herauscitiren."