Ausgabe 
28.7.1888
 
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Gelegenheit von Jakper Lowder's Besuch der Nach» baischast beschrieben haben.

An der Seitenwand der Berges und etwa eine Meile von dem Dorfr entfernt liegt das einsame, .alte Farmhaus, welches Guy TreUlian gehörte, und in d-sien traurige Einsamkeit Jasper Lowder seine schwergckränkle junge Frau und ihren Knaben ver­bannt hatte.

Die unebene Straße windet sich von Gloam-Vale über die Haide an Gloam-Fell vorbei und schlingt sich dann noch steiler bis zur Spitze des Hügels hinan und auf diesem einsamen Hügel steht das als Blrak Trp b.kannte Ham. Es >st ein altes, unregel- wäfigcs Gebäude aus Steinen, zwei Stockwerke hoch, und hat ein steiles vorspringendes Dach, mit großen Giebelfenstern. Dar Haus ist einfach gebaut, sieht aber äußerst einladend aus.

Es war ein sehr beliebtes Jagdschlößchen der v-rstorbenkn Herrn Rymple, OLa's Vater, gewesen; seit seinem Tode war er aber nicht mehr benützt worden. Seit Jahren stand das Haus unter der Aussicht einer allen Frau und ihres Sickels.

Hinter dem Hause befinden sich in einiger Ent- ferr ung Nebengebäude, welche Pferdestall, Mrirreien und Hühnerhof enthielten. Gloam^Fell ist außer Bleck-Top das einzige Haus auf dem B rge und seilst Gloam-Fell ist über eine Meile weit entfernt.

Der Schnee fiel in dichten Flocken und der Wind fuhr heulend über die Berge an dem stürmischen Decembermorgcn, als Olla Rymple und Frau Popkey, Windham Winn und Gry Tressilian in Alnwick die Eisenbahn verließen. ®;e verfügten sich zuerst in einen Gasthof, wo sie ein heißes Frühstück bestellten.

Tressilian war unter dem Einfluß der Medicin im Stande, auf dem Arm des Doktors gestützt, zu gehen. Er sah sehr krank aus. Sein Gesicht war todtenbleich, nur auf seinen Wangen brannte eine hektische Röche. Er hatte in Folge narkotischer Mittel die Nacht hindurch gvt geschlafen und schien sich trotz der anstrengenden Reise nicht schlechter zu befinden; aber es war deutlich sichtbar, daß die be- ständigen Anfregur gen, in denen er, seck er ©teilten verlassen hatte, lebte, ihm rasch aufrieben.

(Fortsetzung folgt.)

Die üeöe Eitelkeit.

Von Robert von Hagen.

(Schluß.)

Natürlich oh, ich bin sehr, sehr gern bereit, Sie hierfür zu entschädigen. Verzeihen Sie einen Augenblick ich will blos die Photo­graphie in ein Couvert legen," und während sie dies bewerkstelligt, gleitet mit derselben eine große

Banknote in das Couvert was dem Herrn Doetor jedenfalls nicht entgangen ist, denn er lächelt vergnügt in sich hinein.

Hier, bitte Herr Doctor, vorläufig--

und nun noch Eins; könnten Sie es beMrkstelligen, daß das Bild meines Mannes gerade zum 22. Juli erscheint? es ist das der Geburtstag meines Mannes." Ich werde es so einzurichten wissen, gnädige Frau; nun aber, wie steht's mit Ihrem Bild?" Ich danke entschieden, Herr Doetor, für mich kenne ich keine Ambitionen, mein einziger Stolz, meine einzige Eitelkeit, das ist mein Mann. Wenn Sie aber im Text, welcher dem Bilde meines Mannes zugefügt wird, meiner auch gedenken wollen, so konn­ten Sie höchstens erwähnen"Nun bitte, was soll ich erwähnen?"Aber ich bitte Sie um große Diseretion . . . Also, da könnten Sie beiläufig erwähnen:Seit 1870 mit der Tochter des......,

in ungetrübter, unendlich glücklicher Ehe, welcher zwei reizende blonde Knaben entsprossen sind, lebend u. s. ro."Sie sollen mit mir zufrieden sein, meine Gnädige, sagte der freundliche Herr Doetor, nahm seinen Hut; versprach nochmals,daß Niemand von der Sache erfahren solle" und ging ab. Zwei Tage später sitzt Frau von X. mit ihrem ge­liebten Gatten, der die Zeitung lieft, beim Thee. Sie betrachtet ihn verstohlen. Wie hübsch er aus­sehen wird ich kaufe mindestens 50 Exemplare der betreffenden Nummer," sagte sie sich im Stillen. Nun, das nehme mir Keiner übel da gehört aber auch eine gehörige Portion Dummheit dazu, sich von so einem Schwindler Hineiulegen zu lassen" platzt plötzlich Herr von X, hervor;hier mein Herzchen, lies mal. Na, zu uns soll sich mal so'n Kerl verirren, wir würden ihn schon ordentlich heimleuchten. He?" Frau von X. tanzen die Buchstaben vor den Augen Taube, Dr Traube, Taubes das Blut stieg ihr in die Wangen; doch sie bezwang sich:welche Frechheit!" vermochte sie blos hervorzubringen. Abends aber, draußen im Garten, wo's so recht lauschig sich in der Laube saß, da hatte es nicht Platz mehr im engen Mieder, das Geheimniß vom famosen Doetor.Lache, lache und schelte mich aus, so viel Du willst, liebes Männ­chen; ich kann Dir nichts verheimlichen hör' zu, wie man Dein eitles Weibchen düpirt hat." Frau vou X. beichtete ohne Rückhalt behauptete aber, nur mit zehn Marks?)reingefallen" zu sein. Herr von X. wußte nicht, ob er sich ärgern oder ob er lachen solle entschloß sich aber als echter Philo­soph zum Letzteren. Seine Frau hatte aus Eitelkeit gefehlt, aber aus Eitelkeit auf ihren Mann und eine solche mußte er doch am allerersten verzeihen. Das hat Herr von 3E. auch freudig gethan, Frau von X. aber wartet mit Sehnsucht des Augenblicks, da der Doetor Traube noch einmal ihr begegnen sollte. Der aber wird sich hüten. Der weiß am besten, wie gründlich er sie geheilt hat v o n i h r e r lieben Eitelkeit.

Redaktion: A. Sch eh da. Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.