Ausgabe 
28.6.1888
 
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Ausmerk amkeit ich glaube, er hatte daselbst Wechsel, welche ich nicht zu berühren wagte. Kaum hatte ich mein Verbrechen vollbracht, al« ein Matrose feine Blicke auf mich heftete er hatte den Raub mit' angeseyen. Im nächsten Augenblicke ging das Schiff unter. Wir wurden an'« Land geschleudert und von stcllianischen Bauern gerettet. Guy blieb bir am nächsten Morgen bei mir. Da er seine Wechsel in Sicherheit fand, glaubte er, daß er fein anderes Geld im Waffer verloren hatte. Er ließ mich in guten Händen zurück und eilte heimwärts, ohne >u ahnen, daß ich ihn beraubt hatte."

D, Jasper!" ächzte die unglückliche Frau, jedes Wort dieser Geschichte glaubend.

Es gelang dem Doktor, meine Wunden zu heilen und ich begann mich zu erholen. Niemand hatte meine gestohlenen Güter angetastet, aber der Matrose, welcher Zeuge gewesen war, als ich Guy beraubte, war gleichfalls an'« Land geworfen worden und schrieb die ganze Geschichte von dem Raube an Guy Tresstlian. Guy ist ein sehr guter Mensch, aber ge« recht wir die Nemesis. Ich eilte nach England, um ihm sein Geld zurückzugeben, ihn anzuflehen, Gnade mit mir zu hoben und mich nicht der Strafe zu überantworten, der ich mich ausgesetzt habe."

O, mein armer Gatte!" schluchzte Hefter, ihre Arme um seinen Nacken schlingend; mein armer, schuldbewußter, reuiger Gatte! Laß wich zu Herrn Tresstlian gehen I Laß mich bei ihm für Dich bitten I"

Nein, ich muß meine Schuld allein tragen. Deine Einmischung würde die Dinge nur verschlim- mein. Ich muß ihn in der Nähe von Tresstlian« Hof allein zu sprechen suchen."

Warum schreibst Du ihm nicht?"

Ich kann nicht so schreiben, wie ich mündlich bitten würde. Er ist möglich, daß er mir verzeiht, ja, giebt mir vielleicht eine andere Stellung. Aber wenn er mich so feige findet, daß ich ein Weib als Bittende für mich schicke, dann wird er mich nach bet vollen Härte des Gesetzes bestrafen!"

Diese Geschichte war, wie der Leser, welcher den Verlauf unserer Erzählung verfolgt hat, wohl weiß, durchweg erfunden. Der arme Guy Tresstlian be« fand stch ja in Italien, in dem Schutze der edlen Olla Rymple, wo er der Gegenstand der habgierigen Pläne Jacopo Palestro's und seiner Frau war. Aber für Jemanden, der nicht wußte, daß Lowder selbst in Tresfiliar-Hof den jungen Erben vorstellte, war die Geschichte ganz glaubwürdig, und die arme Hefter ließ sich vollkommen von derselben täusch m.

(Fortsetzung folgt.)

Kaiser Friedrich III.

(Schluß.)

Gern folgte er dabei im Jahre 1869 der an ihn ergangenen Einladung zur Eröffnung des Suezkanals. Gr war der erste Einblick in die Welt des Morgen«

lande» mit dem geheimnißvollrn Zauber der Sagen und Poesie, Natur und Kunst, Romantik und Ge­schichte, wie ein duftiger Schleier über die Stätten ausgebreitet, an denen einst die Wieg; menschlicher Kultur und Gesittung gestanden. Nächst Aegypten wurde auch Griechenland, die Türkei, Syrien, Palä­stina auf der Reise berührt und von Jaffra aus der Stadt Jerusalem ein Besuch abgeftattet, den ein her­vorragender Künstler der Zeit, Wilhelm Gentz, mit seinem Pinsel verewigt hat.

So nahte da« Jahr 1870 mit seinen welter­schütternden Ereignissen, welche den erlauchten Fürsten von Neuem auf den Schauplatz großer, epochemachen­der Ereignisse riefen und ihm in dem beginnenden blutigen Drama eine der einflußreichsten Rollen zuertheilte.

Genau vier Jahre nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt Preußen« au« dem österreichischen Kriege, am 4. August 1870, wurde von der seiner Führung onvertrauten 3. Armee der erste schwere Schlag gegen Frankreich geführt, Weißenburg und der hinter diesem gelegene Gaisberg wurden erstürmt. Z oei Tage darauf erfolgte die Schlacht von Wörth. Des Kronprinzen eigenster Entscheidung war es zu danken, daß der Sieg bei Sedan im vollsten Sinne des Wortes ein deutscher, von allen in der Armee ver­tretenen Stämmen erfochtener geworden ist. Ihm war es überlassen, ob die 3. Armee die Schwenkung nach Norden mitmachen sollte. Ec entschied sich für ! ihr Zusammenwirken mit der Maar-Armee. Und wie er so die ihm anvertrautrn und mit Begeisterung an ihm hängenden süddeutschen Truppen zum Siege an der Seite dec norddeutschen führte, so hat feine ihn zur populären Gestalt nicht blos bei den süd­deutschen Soldaten, sondern bei dem ganzen Volke Süddeutschlands machende ungezwungene, gewinnende Art, sich zu geben, nicht wenig dazu beigetragen, die alte trennende Kluft zwischen Süd und Nord endlich auch in den Herzen zu überbrücken. Alsunser Fritz" war er den Bayern und Schwaben gerade so lieb, wie den Märkern, Schlesiern und Pommern. Al« deutscher Kronprinz, als Feldmarschall kehrte Kcon« prinz Friedrich Wilhelm nach dem zur deutschen Reichr- haupistadt gewordenen Berlin zurück.

Und nun folgte der Friede mit seinen Ecrungerr- schaften und die glückbestrahlte Rückkehr in'« Vaterland unter dem millionenstimmigen Jubel de« Volkes, der sich namentlich in Süddeutschlond auf die Person de« Kronprinzen des Deutschen Reichs, des Feldmarschalls Friedrich Wilhelm von Preußen concentrirte. Aber nach den Tagen des blutigen Ringens wandte sich der edle Erbe des Thrones mit verdoppelten Eifer den Künsten des Friedens, der Pflege der Wissen­schaften, dem gesegneten Leben der Familie zu.

Seiner Mitwirkung war namentl'ch die Inan­griffnahme der Ausgrabungen zu O'ympra zu danken.

Bei verschiedenen osficiellen G->legenhei!eu sungirte er theils als Begleiter des Küfers Wilhelm, theils als dessen Vertreter; in letzterer Beziehung 1873 bei Eröffnung der Wiener Weltausstellung und bei