Ausgabe 
28.6.1888
 
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kann nicht Reichthum, einen großen Namen und Alle» aufgeben. Er ist unmöglich I Ich hasse dir Arm rth die Ertbehrungen und die Arbeit. Ich würde Hefter und den Knaben in einer Woche verabscheuen, wenn ich für sie arbeiten müßte. Jh wurde zu einem Leben in Ueberflaß und Reichthum bestimmt. Jetzt, wo ich es erreicht Habs, kann ich cs nicht für ein thörichtes Gefühl aufgsben."

Seine Züge begannen sich zu verhärten, ebenso auch sein Herz.

Wenn es ein Unrecht ist, daß ich Hefter und den Knaben verlasse", dachte er weiter,so fällt es mir nicht zur Last, sondern meinem Vater. Er ver­ließ mich in meiner Kindheit und gab mir nicht ein­mal seinen Namen. Ec lebt heute noch, ohne Zweifel reich und geehrt. Wenn wir einander je treffen, Herr Devereux wird es keine angenehme Begeg- mung sein. Ich werde Euer verhaßtes Gesicht erkennen. In dem Elende, das ich über Hefter verhänge, habe ich eine weitere Anklage gegen Euch. W:nn mein Vater für mich gesorgt hätte, wäre Hefter eine glück­liche Gattin geworden. Aber es ist zu spät zu spät. Ich habe mich an die reizende, holoselige Blanche schon verschworen. Was liegt daran, ob ich noch etwas tiefer in den Pfuhl des Verbrechens versinke? Ich liebe Blanche Jrby, wie ich Hester Blees nie geliebt habe. Ich liebe Blanche und werde sie auch heirathen."

Er preßte feine Lippen aufeinander. Sein Ent­schluß war gefaßt; die Würfel waren gefallen. Ec wollte Hester verlassen und die arme Blanche ver- rathen und so in seinem Ehrgeize und seinen Leiden­schaften zwei unschuldige, weibliche Wesen opfern.

Er wandte sich zu Hrster mit einrm Gesicht, vor dem sie zurückbebte, als ob sie unter seinen Zügen seine schuldbrladene, verlorene Seele sehen könnte. Sie faß auf einem Sopha und der Knabe jauchzte noch immer auf ihren Knieen. Lowder kam auf sie zu und kniete vor ihr auf dem Teppich nieder.

Jasper, bist Du krank?" fragte die junge Frau.

Du bist bleich wie der Tod"

Ich bin nicht krank ', antwortete Lowder,nur in tiefster Seele unglücklich! Hester, liebst Da mich?"

Ob ich Dich liebe, Jasper? Der Himmel weiß, daß ich mein Leben hingeben würde, um Dich glück­lich zu machen, so sehr liebe ich Dich", sagte die arme Frau in leidenschaftlichem Tone.Du wirft doch nicht an meiner Liebe zweifeln, mein Theurer?"

Nein, nein! Deine Liebe ist Alles, was mir geblieben ist, um mich darauf zu stützen, Hefter! Verzeih, was ich gesagt habe, als ich eintrat. Jh bin kummervoll und das macht mich mürrisch und unwirsch. Hester, ich habe Dir ein Geständniß zu machen."

Ein Geständniß?" wiederholte H'fter erschrocken.

Ja. Wenn Du es hörst, fürchte ich, daß Du aushören wirst, mich zu lieben"

Nein, Theurer, ich werde Dich immer lieben", sagte die junge Frau.Meine Liebe kann jeden Jcrthum, den Du begangen hast, entschuldigen. Sage

mir nicht, Jrspsr, daß Du glaubst, irgend etwas könnte meine Liebe zu Dir erschüttern. Mein Ver- trauen in Dich ist vollkommen."

Aber ich maß es Dir doch sagen!" e k arte der Heuchler.Meins Krankheit und meine Irrsinns- ansälle sind nuc Verstellung. Jh bin so gesund wie Du!"

O, Jasper, dem Himmel sei Drnk!" flüsterte die vertrauensselige Gattin.Wie konnten die Tresst- lian's mich so täuschen? Der Sohn schrieb mir, daß Du todt wärst, der Vater sagte mir, Du lebest noch in Sicilien als Blödsinniger! Ich kann ihnen nicht verzeihen"

Höre mich an, Hefter, ich habe noch mehr zu sagen; ich muß Dir eine sonderbare Geschichte erzäh­len! Ich litt Sch ffbruch an der sicilianischen Küste, wie Gay Tcessiltan Dir schrieb. Mein Kop? wurde an einen Felsen geschleudert und eine Woche war eg zweifelhaft, ob ich daoonkommen könnte! Am Tage nach dem Unfälle reifte Guy Tressilian nach England.

Und ließ Dich unter fremden Menschen krank und allein zrrück? Wie grausam! Du wärest nicht so herzlos gewesen, wenn da» Unglück ihn be­troffen hätte, Jasper!"

Lowder zuckte zusammen.

Sobald ich zur Besinnung gekommen und im Stande war, zu reisen und das war erst vor wenigen Tagen, denn meine Kräfte kehrten sehr langsam zurück ging ich nach England. Heute Morgen bin ich erst in der Nachbarschaft von Tressi- lian-Hof eingetroffrn. Weder Sir Arthur, noch sein Sohn wußten, daß ich in England sei! Ich ver- suchte, Guy Tressilian sprechen zu können, nachdem Du auf dem Hofe gewesen warst und ich Dich ge­sehen hatte, aber er war von seinem Spazierritte noch nicht zurück gekommen und meine Ungeduld, Dich und das Kmd zu sehen, verhinderten mich, ihn zu erwarten."

Aber ich sehe nicht ein, warum Du nicht gleich zu mir gekommen bist, anstatt zu dem Sohne diese» Baronets, der Dich in Deiner Krankheit dec Obhut Fremder überlassen hat, zu gehen, Jasper. Hier scheint irgend ein Gehnmniß zu Grunde zu liegen."

Du hast Recht. Ei liegt ein Gehelmniß zu Grunde und ich muß es Dir erklären. Wie soll ich es Dir nur sagen, Hefter? In dem Sturm in jener Schreckensnacht des Schiffdruches glaubte ich, daß Guy zu Grunds gehen werde seltsamer Welse sürchtete ich für mich gar nichts. E; schien, als ob ich wüßte, daß ich lebend an's Land geworfen würde. Und al» der Sturm am heftigsten tobte, und Guy, von einem stürzenden Maste getroffen, besinnungslos am Boden lag, beraubte ich ihn."

Hester unterbrach den Heuchler mit einem Schrei der B-stiirzung.

Es ist wahr! Es war eine feige, schändliche | Thal, abrr ich vollbrachte sie um Deines und des ? Kindes willen. Ich stahl fast fein ganzes Geld, \ nur einiges in einer Seltentasche entging meiner