Ausgabe 
28.4.1888
 
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anders als fremder Nationen Gefangene? Wem noch deutsches Blut im Herzen warm ist, muß darüber weinen, darum gedenke, daß Du ein Deutscher bist!" Aber diese kernige deutsche Gesinnung hat ihn nicht gehindert, bedrängten Fremden seine Lande zu öffnen. Den aus Oesterreich ausgewiesenen Inden öffnete er die Mark und die bedeutendsie That am Ende seiner Regierung, das Edikt von Potsdam, dis heroische Antwort auf bas Edikt von Nantes, welches Hun- derttausende braver Bürger um rhrrs Glaubens willen in das namenloseste Unglück stürzte, führte Tausende von protestantischen Franzosen in seine Staaten. Zum Segen seines Reiches haben sie hier in den Künsten des Friedens gewirkt und sind alle mir ganzem Herzm gute Deutsche geworden. Noch heute segnen diefranzösischen Kolonisten" das An­denken eines Regenten, der allein von allen deutschen Fürsten ohne Furcht vor dem allmächtigenSonnen­könig" ihre Vorfahren aus Schmach und Tod einst erreit-te. Wir aber können dieses Ged-nkblatt an dm unsterblichen Fürsten nicht besser beschließen, als mit einer Strophe, welche 1686 u Paris, also unter den Augen des sich für den ersten Herrscher halten- den Ludwig unter einem Bilde des Kurfürsten zu lesen war, und welche in der Uebersetzung ungefähr so lautet:

Im treuen Abbild seht den Helden hier, Des Deuschen Reiches Hort und Zier, Die größten Kaiser übertrifft er weit Durch Tugend und durch Tapferkeit.

I e r w< richt e s.

Wie Kaiser Wilhelm seinen Sohn und Enkel, den Kaiser Friedrich und Kron­prinzen Wilhelm, in den Heeresdienst einführte. Kaiser Friedrich steht am 2. Mai d. I. 39 Jahre lang im praktischen Militairdienst. Wie alle Prinzen des preußischen Königshauses, so ist auch unser Kaiser mit dem 10. Lebensjahre mit dein Range eines Lieutenants in die Armee eingetreten, der prak­tische Dienst beim ersten Garderegiment zu Fuß be­gann aber erst mit dem 18. Lebensjahre. Der 2. Mai ist für das erste Garderegiment ein Ehrentag, weil am 2. Mai 1813 in der Schlacht bei Groß-Görschen dieses Garderegiment die Feuertaufe erhielt. Am 2. Mai 1849 fand dann auch die Einführung unseres jetzigen Kaisers in das 1. Garderegiment statt. Der damalige Prinz von Preußen, Kaiser Wilhelm, hielt bei dieser Gelegenheit an die im Lustgarten versam­melten Offiziere des Regiments eine Ansprache, welche der Ereignisse des Jahres 1848 gedachte und mit folgenden Worten schloß:So übergebe ich Ihnen denn meinen Sohn in der Hoffnung, daß er Gehorsam lernen wird, nm einst befehlen zu können. Ich hoffe, er wird seinem Namen und seiner Armee Ehre machen.

Dafür bürgt mir der Geist, den Gott in ihn gelegt hat nicht wir!" Und zu seinem Sohne gewandt fuhr der Vater fort:Dir aber wünsche ich, daß Du dereinst dasselbe erfährst, was Dein Vater erfahren hat! Meine Herren, ich spreche es Ihnen nochmals I aus, es ist die schönste Freude Meines Lebens ge­wesen, zu sehen, wie die Treue und innige Theilnahme Meiner Untergebenen sich in schweren Tagen in der Nähe und in der Ferne nicht verleugnet hat! Das wünsche ich auch Dir! Und so thue nun Deine Schuldigkeit!" Kronprinz Wilhelm steht feit 11 Jah­ren im praktischen Militairdienst. Er ist aber bereits am 2. Mai 1869 bei der großen Kirchenparade des ersten Garderegiments in Potsdam als jüngster Lieute­nant vor dem Großvater mit dem Regiment vorbei- ! marschirt und dabei dem Offiziercorps vorgestellt wor- i den. Damals machte auch der älteste Offizier des Regiments, der General von Werder, die Parade l mit, als einziger noch lebender Offizier, der mit dem Regiment die Feuertaufe bei Groß-Görschen empfangen.

Der König richtete damals folgende Worte an seinen i Enkel:Du, Prinz Friedrich Wilhelm, hast an diesem j Tage zum ersten Male Deinen Degen im Regiment ! gezogen. An den ältesten Offizier desselben gedenkend, ! wünsche ich Dir, daß Du Deinen Degen bis in ein [ spätes Alter in und mit dein Regiments tragen mögest e und daß es auch Dir einst vergönnt sei, nach einer Iso langen Dienstzeit, wie des Generals v. Werder, auf ein neues und glänzendes Capitel in der Geschichte dieses braven Regiments zurückblicken zu können, wie dies dem General 1866 beschieden gewesen ist!" In denDienst" trat Kronprinz Wilhelm erst im Jahre 1877. Am 9. Februar 1877 wurde er in | Gegenwart des Vaters von dein kaiserlichen Groß- ! vater seinem militairischen Vorgesetzten vorgestellt, i In seiner Ansprache sagte Kaiser Wilhelm u. A. zu seinem Enkel:Das Gardecorps, welchem Du schon angehörst, und mjt ihm das Regiment, in welches Du jetzt eintrittst, haben in hervorragender Weise zu den rnhmreicheii Erfolgen der Armee beigetragen. Die Zeichen, welche Ich auf Meiner Brust trage, : sind der öffentliche Ausdruck Meiner unauslöschlichen Dankbarkeit und Meiner nie endenden Anerkennung für die Hingebung, mit welcher die Armee Sieg auf Sieg erfochten hat. Deine Jugend ist in diese Zeit gefallen und Du hast in Deinem Vater ein ehrendes Vorbild der Kriegs- und Schlachtenleitung. Nun gehe und thue Deine Pflicht, wie sie Dir gelehrt werden wird. Gott sei mit Dir!" Noch an dein» selben Tage stellte der damalige Kronprinz seinen Sohn im Exercirhause den Offizieren vor. Er selbst, so führte er bei dieser Gelegenheit aus, habe die Schule des Regiments durchgemacht und könne seinem Sohne nur Glück wünschen, daß er berufen sei, dasselbe zu thun. Dieser würde stolz sein, eine Uniform zu tra­gen, welche er, der Vater, während seiner gesammten Dienstzeit getragen habe. Prinz Wilhelm erhielt als \ Premierlieutenant die Führung des zweiten Zuges und that von diesem Tage an den regelmäßigen Dienst.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.