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aebestet, von der er zum ersten Male mehr als zwei Worts hörte, wobei ihm nur der Umstand peinlich war. daß sie so unausgesetzt die Augen niedergs- schlagen hielt. Mit einem: „Ich wünsche recht rasche Befferung!" und nach einer leichten Verbeugung wandte er sich zum Gehen.
„Wir kehren bald zurück!" rief die Geheim- räthin der Tochter zu, worauf die Drei durch die Anlagen langsam dem großen Hauptportals des Schloffes zuschritten.
Während des Gehens sagte Felix
„Also am Mittwoch ist die nächste Probe?"
„Eine eigentliche Probe ist es diesmal nicht"» erwiderte Alexandra, „sondern vielmehr ein erster Probe-Vortrag. Es hebt den Eifer, wenn die Sänger sich dann und wann schon einmal vor Anderen hören lassen können. Wir haben nur An- gehörige der Mitglieder dazu geladen, nehmen um sechs Uhr ein kleines Diner ein, wonach das twpro. vistrte Concert beginnt. Die von uns eingeüdtm Lieder alterniren mit einem vierhändigen Musikstück und einem Vtoltn- Lolo von unserm Direk or. Herrn Siegfried Rhodenberg. Sie werden einen jugendlichen Künstler hören, Herr von Stolzenberg, der eine grobe Zukunft hat. Wir werden uns die Ehre geben, auch Ihren H-rrn Onkel, Seine Excellenz, einzuiaden, vorausgesetzt, daß er sich für Musik und Gesang interessirt."
„Mein Onkel hört leidenschaftlich gern Musik und Gesang, obgleich er selbst gar nicht musikalisch ist. Aber, da meine Cousine und ich bi« j-tzt noch nicht an den Proben Thetl genommen, wird der Herr Direktor es auch gestatten, daß wir schon mitsingen?"
„Warum sollte er nicht, da Sie Beide vom Blatt singen? Es sind nur einfache Sachen, zwei L-.eder von Mendelssohn, eins von Beethoven und ein Chor von Schumann."
Nach einer kurzen Pause sagte Felix:
„Ich darf Ihnen wohl verrathen, daß mein Onkel von der Familie Wolter ganz entzückt ist. Er hat Ihr Fräulein Tochter nach nur einmaligem Sehen bereits förmlich in sein Herz eingeschloffen und er ist sehr erfreut über Ihren Entschluß, Frau Geheimrath, den schwarzen See zu malen und über die Aussicht, bei der Gelegenheit ab und zu das gnädige Fräulein sehen zu können. Sie würden dem alten Manne eine große Freude bereiten, wenn Sie bald beginnen möchten."
„Das ist auch meine Absicht, ist bin selbst so sehr für das Sujet begeistert, daß ich kaum den Zeitpunkt erwarten kann, wo ich die Farben mische.1
„Der See macht einen eigentümlichen Eindruck", bemerkte der Geheimrath.
„Ein Unglücklicher, dem alle Hoffnungen verloren sind, namentlich ein unglücklich Liebender darf ihm nicht zu nahe kommen, er könnte eine zu große Anziehungskraft ausübrn. Ich denke mir aber doch, für einen solchen muß es eine Beruhigung sein,
daß der See nie wieder herausgiebt, war sich iü seine Arme wirft."
„Sie scheinen, Herr von Stolzenberg," rief Alexandra lachend aus, „sich mit solchen Gedanken schon getragen zu haben!"
„Wer hätte es wshl nicht, wenn auch nicht ernstlich, so doch in der Phantasie? Gestehen Sie, gnädige Frau, haben Sie sich nicht selbst schon einmal in solche Lage hineingedacht, wo Ihnen al« ultimum refugrium nichts Anderes übrig bliebe, als —"
„Der Selbstmord? Nein, wahrhaftig nicht'. Auf solche grauenhafte Gebiete verirrt sich meine Phantasie I nicht!" (Fortsetzung folgt )
Das verlorene Testament.
Von Leo Sonntag.
(Schluß.)
„Das glaube ich nicht", entgegnete Robert, „Alle : Frauen hängen am Geld, mehr als wir Männer. Den neuesten Beweis davon hat mir Flora gegeben. ? Wie schnell hat sie sich von mir abgewandt, al» es j sich zeigte, daß ich nicht der Erbe meines Onkels sei. Und doch ist diese Erfahrung fast den Verlust eines Vermögens werth. Denken Sie sich, ein Mädchen zu . heirathen, von der man sich gesiebt glaubt, um nachher zu entdecken, daß sie nur unsern Geldbeutel liebte! Das wäre mein Schicksal gewesen! Und deshalb schmerzt mich Flora'» Verlust nicht. Selbst wenn Fräulein Reger in edler Selbstverleugnung daran ; dächte, mir das Vermögen abzutreten, ich würde mich jetzt unter keiner Bedingung mehr entschließen, Flora Lucius meine Braut zu nennen. Unsere Wege sind geschieden! Doch, ich bin fest überzeugt, Sie irren sich. Wie ich Ihnen schon sagte, alle Frauen sind ! geldgierig, und Fräulein Reger wird wohl keine Ausnahme machen!" _ ,
Dr. Wilde mußte wohl seinem Clienten Recht ' geben, als Woche auf Woche, Monat auf Monat ver- i ging, ohne daß Martha auch nur den geringsten . Schritt that, um den jungen Mann, der so schwer ; enttäuscht worden, auch nur in etwa» zu ent- ’ schädigen . .
Robert litt unterdeffen keine Roth. Schon frühe ' hatte er das Talent verrathen, leichte, fesselnde feuille- : tonistischs Artikel zu schreiben, und diese«, sonst aus - Liebhaberei cultivtrt, verhalf ihm jetzt zu einer An- i stellung bei der Presse. Freilich gestattete ihm sein ; Verdienst nicht, so glänzend zu leben, wie er die» zu ■ Lebzeiten seine» Onkel», von dessen reichen Mitteln i unterstützt, gekonnt; doch er hatte ein sicheres behag- 5 lichs« Einkommen, und ohne Neid sah er die Erbin : seines Onkels in der eleganten Equipage an sich i vorüberrollsn.
„Sie ist eben egoistisch wie alle Frauen", dachte er, wenn er den Hut vor ihr zog und unwillkürlich das zarte blasse Gesichtchen bewunderte. „Man sollte eigentlich denken, daß die Etgenthümerin dieser Augen


