rkthsn. Ein solches Etablissement aus der Ver­sunkenheit wieder empor zu arbeiten, das war eine Aufgabe nach seinem Geschmack, und dazu hatte er nicht allein die Mittel, sondern ungemein praktisches Talent, combinatorischen Verstand und weitsehenden Blick. (Fortsetzung folgt.)

Die Were Mädchenschule und ihre Kestimmung.

Alle Diejenigen, welche sich für Mädchenbildung und zweckmäßige weitere Ausgestaltung des höheren Mädchenfchulwesens interessiren, möchten wir auf die kleine Brochüre aufmerksam machen, welche obigen Titel führt. Sie diente als Begleitschrift zu der Petition, welche von einer Anzahl Berlins Frauen der höchsten Gesellschaft dem preußischen Unterrichtsministerium eingereicht wurde. Die Petition enthält folgende Anträge:

Daß dem weiblichen Element eine größere Betheiligung an dem wissenschaftlichen Unterricht auf Mittel« und Oberstufen der öffentlichen höheren Mädchenschulen gegeben und namentlich Religion und Deutsch in Frauenhand gelegt werde, und daß von Staatswegen Anstalten zur Ausbildung "wissenschaftlicher Lehrerinnen für die Oberklassen der höheren Mädchenschulen mögen errichtet werden."

Die Begleitschrift weist in unwiderleglicher Weise die Berechtigung und Nothwendigkeit dieser Anträge nach. Sie hat deshalb auch allgemeine Beachtung und Zustimmung gefunden. Die meisten größeren politischen Zeitungen Berlins von Bedeutung haben Leitartikel darüber gebracht, und auch in den Provinzen, sowie in übrigen Theilen Deutschland'- ist die kleine Schrift mit lebhaftem Jntereffe ausge­nommen worden. Um zu zeigen, wie sie deurtheilt wird, greifen wir den Artikel der National- Zeitung heraus. Das Blatt schreibt wie folgt:

Die Gleichberechtigung der Lehrerinnen. Sechs Berliner Frauen haben im Auftrag eines größeren Frauenkreises dem Kultusminister eins Petition über­reicht, die später auch dem Abgeordnetenhaus« zugrhen soll, gestützt auf eine inzwischen veröffentlichte Denk­schrift von vortrefflicher Abfaffung. Sie stellen darin zwei bescheiden aussehende und auch wirklich nicht unbescheidene Bitten, von deren Erfüllung aber fast so etwas wie eine Umwälzung in dem höheren Mädchenunterricht vorausgefagt wird. Lehrerinnen sollm mehr als bisher neben den Lehrern an dem wissenschaftlichen Unterricht auf der Mittel- und Oberstufe der öffentlichen höheren Mädchenschulen betheilrgt werden, und damit dies geschehen könne, soll der Staat Anstalten zur Ausbildung wissenschaft­licher Lehrerinnen für die oberen Klaffen errichten.

Wenn das erste dieser beiden Gesuche triftig be- sunden und zugestanden wird, versteht sich das zweite von selbst. Alles kommt sogleich auf den Nachweis an, daß die höhere Mädchenschule beffcr fahren wird,

wenn wesentlich mehr von derselben, als in Deutsch­land, zumal in Preußen bisher geschah, weiblichen Lehrerinnen und Leiterinnen anvertraut wird.'

Den Bittstellerinnen ist es wesentlich hierum zu thun. Sie kämpfen nicht für das Erwerbs-Jntereffs des weiblichch Geschlechts, das sich ja auch für solche GleichberechiiMg geltend machen ließe, in einem der wenigen F/icher, welche ihm offen stehen, und welchem deßrckgen erdrückende Massen weiblicher Wesen zudrängen, die sich selbst zu erhalten genöthigt sind. Der fürsorgliche Gedanke vielmehr, welcher die Bitt- und Denkschrift durchdringt, ist der an die Ausbildung unserer Töchter. Durch den Anspruch der heutigen Mädchenlehrer auf fortdauernden Besitz der bevorrechteten Stellung, welche sie in den Staats­und Gemeideschulen einnehmen, wird sich hiernach Keiner bestimmen lassen, der eins so wichtige Frage nach den in ihr selbst liegenden Bedingungen und nicht nach äußeren Zufälligkeiten oder vagen Sym­pathien mit Standeskreisen zu entscheiden vermag.

Ohnehin käme die Erwerbs-Abgrenzung der Ge- schlechter in Betracht, so würde doch wohl ebensogut die Gerechtigkeit gegen die Individuen, wie eine ver­ständige socialpolitische Abwägung sich eher auf die Seite der Frauen neigen, welche in Deutschland mehr, als bei den meisten anderen gesitteten Völkern zurückgedrängt erscheinen von Erwerbszweigen, denen sie nicht wesentlicher schlechter als die Männer ge- wachsen sind. Aber wir haben es hier mit einer Anwaltsrede von Frauen für ihr Geschlecht zu thun, die diesen empfindlichen Punkt ganz außer Spiel läßt mit einer Schutzrede nicht für einen Theil der Lehrerinnen, sondern für alle Schülerinnen der höheren öffentlichen Schulen.

Schon Robert Mohl, sicher ein machtvoller und urtheilr fähiger Mann, hat in seinem Avfiatz über die Erziehung des weiblichen Geschlechts, der 1869 in seinen unter dem TitelPolitik" gesammelten kleineren Schriften wieder erschien, während er weib­lichen Unterricht im ganzen (nach damaligem Stande begreiflich) nicht hoch schätzte und sich die Lehrer­schaft überwiegend aus Männern zusammengesetzt dachte, dis. oberste Leitung und gesammts innere Führung von Mädchenschulen Vorsteherinnen zu übertragen empfohlen.Die Erziehung im engeren Sinns des Wortes", sagte er,der sittliche Einfluß auf Mädchen, die Bildung wünfchenswerther An­schauungen und Gewohnheiten bei ihnen ist ein« so wichtige Sache, daß sie wohl mit den Leistungen des Unterrichtes zum Mindesten auf die gleiche Linie gefetzt werden kann und muß. Nun aber kann es keinem Schatten von Zweifel unterliegen, daß diese Art von Einfluß durch Frauen weit besser und zum Theil eigentlich ganz allein ausgeübt werden kann. Manches Tadelnswerthe wird ein Mmn gar nicht bemerken; anderes kann nur eine Frau ohne Verletzung des Gefühls zur Sprache bringen, oder es wird nur ihr das nöthige Vertrauen geschenkt. Bei irgend herangewachsenen Mädchen und bei solchen, welche eine feinere Bildung