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schon aus bes Familie mitbringen, versteht sich dieses ganz von selbst" u. s. w.
Ma» wird bemerken, daß die Bitten der Petition i theils weiter, theils aber in dem wichtigsten, s brennendsten Punkte nicht so weit gehen wie Robert Mohls Darlegung. Die bittstellrnben Berliner \ Frauen dringen nicht auf Herausgabe der leitenden \ Stellen, obgleich sie auch darunter Mohl's Ansicht \ theilsn; aber sie fordern mehr Lehrerinnenstillen, j wozu sie sich seit der Zeit des v«rstobenen Gelehrten ; und Staatmanns durch dm Fortschritt in der Aus- | bildung von Lehrerinnen auch berechtigt erachten \ dürfen, und zwar besonders den Unterricht im \ Deutschen und in der Religion. Die Erziehung, i auf welche es ihnen wesentlich ankomwt, muß sich | in der Schule ja an den Unterricht knüpfen. Den l männlichm Lehrern mag bleiben, was vornehmlich | die Verstandesbildung betrifft; aber die Gemüths- | und Charaklerpflege falls der mehr mit den Mädchen " fühlenden Frau zu.
Außer auf den ehemaligen Reichs-Justizminister ! und badischen Bundertagsgesandten kann die Frauen- ? Petition sich nicht allein auf Schriftstellerinnen be- i rufen, wie die würdige, alte Betty Gleim (ihr heute । noch lesenswertheS Buch über „Erziehung und Unter- i richt des weiblichen Geschlechts" ist schon von 1810), die Zeitgenossinnen Tinette Homberg und Rosette Niederer, sondern auch auf erfahrene Schulmänner. Sie stellen ke>nen geringeren als Pestalozzi obenan, dessen Verlangen nach „Kraft-Entwickelung" man dem lähmenden „Schematismus der Jung-Herbartianer" gegenüber vernachlässige, und der das Mädchen „zu innerer Ruhe gebildet" haben will, während unsere Schule nicht machtvolle Frauen von edler Sitte er- i ziehe, sondern eben nur lehre. Sie setzen Diester- \ w-gs Wort: „Wir Männer verlangen Frauen, welche ; usiere Zwecke nicht nur verstehen, sondern sich zu deren Erreichung mit uns verbinden" — gegen das unglückliche Wort der Denkschrift einer Weimarer MädchensHullchrer - Versammlung von 1872, der demsche Mann dürfe vor allem nicht durch die geistige Kurzsichtigkeit und Engherzigkeit seiner Frau an dem häuslichen Herde gelangweilt werden, — ein übrigens nicht so schlimm gemeintes und hier allzu stark ausgepreßtes Wort, das nur empfindlich wird durch die eigene Engherzigkeit der Ablehnung, welche jene Versammlung dem Rechte der Lehrerinnen erwies. Der Schulinspektor Dammann nennt „die weibliche Natur nicht einen sanften und blassen Abdruck der männlichen, sondern einen selbstständigen Gottesgedanken, eineruin sich vollendeten Organismus, in welchem das Wesen der Menschheit anders, lieblicher und milder ausstrahlen soll als beim Mann." Der Berliner Schulrath Cauer, dem Niemand eine reiche Erfahrung im Mädchenschulwesen absprechen wird, fand es „sicherlich nicht wohlg-than, die Ein. Wirkung des männlichen Geistes auf der höchsten Stufe des Schullebens in den am meisten ent
scheidenden Entwickelungsjahren zu der ausschließlich herrschenden zu machen."
„Nicht nur für dir äußere Bildung, für die Gewöhnung zu feinerer Sitte können die Mädchen gerade in diesen Jahren, in denen die Schule mächtiger zu sein pflegt, als das Haus, auch jener weiblichen Führung und Vorbildung nicht entrathen — sondern mehr noch für ihr innerstes Gemüth«- und Geistesleben thut ihnen eine solche Anlehnung noth, eine Brratherin, der sie sich vertrauensvoll anschließen können, und dis auch am besten im Stande ist, die Kluft zu überbrücken, die zum größten Schaden Schule und Haus so häufig von einander trennt." Daß hierzu eine ansehnlichere Stellung in dem ganzen Schulwesen und ein Avtheil an dem höheren Unterricht gehört, nicht nur Turn, und Handarbeitstunden bedarf nach Cauer keines Beweises.
Die Denkschrift der Bittstellerinnen kritifirt auch scharf den verfrühten Roman, welchen die älteren Schülerinnen so leicht mit ihrem Lehrer bei stch durchsptelen, wo n'cht gar ein Lehrer mit der einen cd«r anderen seiner Schülerinnen. Es begreift stch, wenn Männer als solche, zumal Lehrer, Mädchen-Schullehrer, hiervon beinahe nur bte gute, schöne, angenehme Seite auffassen. Väter indessen wrrden eher den Müttern glauben, denen dieses Interesse nicht schulgemäß und der inneren Entwickelung ihrer Töchter nicht wshlthätig erscheint. Wir verweisen wegen der näheren Ausführungen auf die Denkschrift. Für das verständige Maß ihrer Bitten an den Kultusminister und das Abgeordnetenhaus bringt sie Beweise in Fülle bei — auch Erklärungen genug für ihren eigenen gelegentlich herben Ton gegenüber Paul de Legarde's konservativem Programm und anderen ungezogenen Schneidigkeiten der Gegner, die den Mann, nicht den Menschen, als den Herrn dec Erde betrachten. Zu solcher Anschauung hört die innere Berechtigung mit jedem Tage mehr aus. Die Frauen verdienen sich zusehends selbst durch öffentliche, gemeinnützige Leistungen Vertrauen auf ihre bisher gering geachtete Kraft."
So die National-Zeitung. Wer stch der großen Tragweite bewußt ist, welche die Froge der Mädcher- erziehung für die Wohlfahrt der ganzen Volkes besitzt — denn die Frau giebt der Familie ihr eigenartiges Gepräge, und auf der Familie ruht der Staat ", der wird er nicht unterlassen, sich näher mit derselben zu beschäftigen. Daß der drohenden Concarrenz »egen sich manche Lehrer der Anstellung gründlich ausgebildeter Lehrerinnen an Mädchenschulen widersetzen werden, ist leider zu erwarten und zu fürchten; jeder Unbefangene jedoch sollie anders und richtiger urtheilen, deshalb empfehlen wir die kleine Schrift) allen Lesern und Leserinnen auf's wärmste.
*) „Die höhere Mädchenschule und ihre Bestimmung." Begleitschrift zu einer Petition an das preußische Unterrichtsministerium- Berlin 1888. L. Oehmigke's Verlag (R. Appelius.)
Nchzctionr 8, Sch eh da, — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


