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Theater für die Rosamunds in meiner Operette eine paffende Vertretung ist."

Und da soll doch wohl nicht Ihre Patientin oder deren Schwester die Partie übernehmen?"

Gott bewahre! Aber sie haben eine Nichte, die Tochter des verstorbenen Bruders, ein Fräulein Helene Werner, die heute gekommen ist, um ihre Tanten zu besuchen. Ich war erstaunt, als die Tante Auguste vor einer Viertelstunde mit dem jungen Mädchen von dem Bahnhof kam und mir bei der Vorstellung ihr Name genannt wurde, in ihr eine Sängerin zu finden, über deren erstes und einziges Debüt in Hamburg die dortige Kritik in geradezu enthusiastischen Ausdrücken sich erging. Seitdem ich an meiner Operette arbrite, studire ich täglich fämmtliche Theaterkritiken durch, und ich weiß jetzt schon ganz genau, was jede Operettenbühne für erste und zweite Sterne besitzt. Auffällig war es mir, daß ich feit jener Zeit von dem Fräulein Helens Werner nirgends ein Sterbenswörtchen wieder ge­lesen. Doch vin ich heute darüber aufgeklärt. Der Vater der Sängerin, der plötzlich erkrankt war, bedurfte deren Pflege. Nach einiger Zeit war er gestorben und nachdem deffen Nachlaß regulirt und die Tochter in den Besitz eines wenn auch nur kleinen Vermögens gelangt war, hatte sie den Be­schluß gefaßt, einen Theil desselben zu benutzen, um ihre Stimme auf dem hiesigen Konservatorium noch weiter auszubilden und zugleich ihre Tanten zu br- suchtn. Ich kann Ihnen nicht sagen, Rohdenberg, wie hübsch das Mädchen ist, und wie ihre schlanke Figur und ihr ausdrucksvolles Gesicht sich für die Rolle der Rosamunde eignen. Sie hat dunkelbraunes Haar, feurige Augen von derselben Farbe und dabei einen Mund, um den einen Zug lagert, der ein Gemisch von Treuherzigkeit und lieblicher Unschuld ist."

Wie heißt e$ doch noch", sagte Siegfried,in der großen Arie des ersten Actes Ihrer Operette, ! sie fehen und lieben war Ems! Nach Ihrem Mienenspiel zu urtheilen, Langenbach"

Vielleicht haben Sie nicht Unrecht mir regt sich hier etwas im Herzen, was mir selber höchst verdächtig vorkommt; doch das ist vorläufig Neben­sache, die Hauptsache dagegen ist, daß es mir viel­leicht gelingen wird, Fräulein Helene Werner zu veranlassen, in meiner Operette hier zu gastiren, und dann, bin ich überzeugt, ist der Erfolg gesichert. Gott, wenn ich mir vorstelle, daß das kleine, alte, dicke Fräulein Roller, welches das Publikum sich nur noch aus Pietät und Gewohnheit gefallen läßt, die Rosamunde abkrähen müßte, so würde ich dabei Seelenleibschmerzen bekommen und das ganze Stück könnte durch diesen weiblichen Globus zu Grunds gehen! Aber nun noch eine Frage haben Sie heute Abend etwas vor?"

»Nein, nichts Besonderes."

Wollm Sie mir dann nicht eine Stunde Ihre - Zeit widmen? Ich kann jetzt die Vollendung meines 8

Werkes nicht erwarten und möchte so rasch wie möglich fertig werden."

Sehr gerne."

Und nach gethaner Arbeit gehen wir, wenn er Ihnen Recht ist, in die Rüter'sche Restauration, um noch einen Schoppen Bier zu trinken. Der blonde Kellner sagte mir heute Morgen, daß sie eine Sendung Culmbacher Bier bekommen, welches ganz vorzüglich sei."

Concedo, mi amice! Dort stehen Cigarren, be­dienen Sie sich, währenddeß ich mich von meiner Großmutter verabschiede."

Siegfried entfernte sich, kam aber schon nach wenigen Minuten wieder zurück und die beiden Freunde verließen das Haus.

Sechstes Kapitel.

Der Geheime Commsrzienrath Wolter war ein grober, kräftig gebauter Mann von reichlich vierzig Jahren. Sein volles Haar von dunkelblonder Farbe zeigte noch kein graues Fädchen, ebensowenig der Vollbart; sein Gesicht mit der etwas gekrümmten Nase, den zusammengezogenen Brauen und den un. zähligen Blatternarben machte beim ersten Anblick einen finstern, fast abstoßenden Eindruck, der jedoch beim Sprechen namentlich aber durch den eigenthüm- lichen riefen Blick seiner blauen Augen sogleich wieder verschwand. Diese großen Augen, deren Blick aus tiefer Seele heraufzukommen schien und aus denen zu gleicher Zeit Schärfe des Verstandes her- vorleuchiete, ließen die durch dis Narben erzeugt» Häßlichkeit übersehen und das Antlitz, wenn auch nicht schön, so doch interessant und gewinnend er­scheinen.

Wolter war, wie man erfahren hatte, ein Ham­burger von Geburt, war als junger Mensch zu einem Verwandten nach Südafrika gegangen, der ihn zu sich gerufen, um ihm später das sehr einträgliche Geschäft zu übergeben, das größtentheils in einem Tauschhandel mit den Hottentotten bestand. Er ward der Schwiegersohn dieses reichen Onkels und sehr bald deffen Erbe. Eine Reihe von Jahren, in denen sein Vermögen sich beträchtlich vermehrte, setzte er das Geschäft allein fort, da starb seine Frau, die ihm ein einziges Kind geschenkt, und nun, von Sehnsucht nach civilisirten Verhältniffen erfaßt, beschloß er, nach Europa zurückzukehren. Zunächst ging er nach Hamburg, aber ein Leben ohne Be­schäftigung machte ihn krank und melancholisch, er würde, das fühlte er, nur geistig und körperlich ge­sunde«, wenn er thätig sein konnte, und zwar un-. unterbrochen von Morgens bis Abends. Nun ging er auf die Suche, um etwas zu finden, was feinen Ansprüchen genügen würde. In der Zeitung las er, daß hier in unmittelbare Nähe dieser Stadt eine zu einer Concursmafle gehörende, große chemische Fabrik verkauft werden solle. Dieselbe hatte früher einen europäischen Ruf gehabt, war aber durch die Unfähigkeit und Verschwendungssucht eines jugend­lichen Erben in kurzer Z.it in gänzlichen Verfall ge-