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„Ich Habs Verträum zu Ihnen", versicherte Paula.
„So gestehe mir, daß Du sie liebst", fuhr Prell fort.
Er sprach flüsternd, hastig, drängend.
„Ich habe sie Beide gern."
„Gern — gern, Du liebst sie. Und wenn einer von ihnen um Deins Hand anhielte, so würdest Du ihn nicht zurückweisen. Speich — sprich!"
„Ich weiß es nicht, was ich ihm würde", gab Paula zur Antwort. „Ich Habs selbst noch nicht daran gedacht."
„Haha!" rief der Doktor lachend. „Welches Mädchen dächte nicht daran, wenn es weiß, daß zwn Herren ihm in so auffallender Weise den Hof machen — Du mußt daran denken, Paula. Du darfst Dich nicht von dem Augenblicke hinrnßen lassen — es gilt das Glück Deines ganzen Lebens, Du mußt es reiflich überlegen. Thu' es — thu' es, ehe Du Dich bindest....!"
Der Wagen hielt in diesem Augenblicke an, der Kutscher sprang vom Bocke und öffnete die Thür. Prell half Paula saus dem Wagen, die sich sofort auf ihr Zimmer begab, um den Ballstaat abzulegen und sich zur Ruhe zu begeben.
Prell schritt noch lange Zeit im Zimmer auf und ab. Er dachte nicht an den Schlaf. Die Arme hatte er auf den Rücken gelegt, die Augen hielt er auf den Boden geheftet, so scharfblickend, so starr, als ob er einen Gegenstand dort suche.
Rur zuweilen fuhr er mit drr Rechten über die Stirn.
Die Stirn brannte ihm. Er schien vor Auf« regunz kaum athmen zu können.
Dann und wann stand er einen Augenblick still, als habe er den Gedanken, dem er nachjagte, gefunden, als habe er einen Entschluß gefaßt — allein sofort setzte er seine Wanderung durch dar Zimmer wieder fort.
Dar Morgenlicht schimmerte bereits in die Stube herein. Er bemerkte es nicht. Was hatten auch feine brütenden Gedanken damit zu thun! All' die lichten Strahlen konnten die Aufregung nicht von ihm nehmen und er vermochte sie nicht zu beherrschen.
Sein Gesicht war bleich, verzerrt. Die Hände hatte er krampfhaft geschloffen.
Erst als Tritte vor seiner Thür hörbar wurden und ihm verriethen, daß die Dienerin aufgestanden war, warf er sich in seinen Seffel. Er war erschöpft und dennoch kam keine Müdigkeit über ihn.
Acht Tage nach dem Balle mochten verflossen sein, da trat Berger am Nachmittag zu Prell in da» Zimmer.
„Es ist mir lieb, Herr Doktor, daß ich Sie zu Haus treffe", sprach er. „Ich habe mit Ihnen zu sprechen."
Prell forderte ihn auf, Platz zu nehmen. Er schien zu errathen, war den jungen Kaufmann zu ihm führte.
Berger zögerte mit dem, war er dem Doktor
sage« wollte. Eine leichte Unruhe vermochte er nicht zu verbergen.
„Was wünschen Sie denn?" fragte Prell lächelnd.
„Ich komme zu Ihnen, als dem Vormunds Paulas", sprach Berger, indem er mit drr Hand über dis Stirn fuhr, um die Verlegenheit, die ihn ergriffen hatte, zu verscheuchen. „Mit Ihnen möchte ich zunächst einen Gegenstand besprechen, von dem das Glück meines ganzen Lebens abhängt."
„Ich erraths es", warf Prell ruhig lächelnd ein.
„Es kann Ihnen auch kaum ein Gcheimniß ge- blieben fein, daß ich Paula liebe", fuhr Berger, dis Verlegenheit immer mehr überwindend, fort. „Ich liebe sie schon lange und ich Habs mich geprüft, meine Liebe ist wahrhaft. Trotzdem würde ich mit dem Schritte, der mich heute zu Ihnen führt, viel» leicht noch gezögert haben, wenn ich nicht befürchtete, daß ein Anderer mir zuvorkommen könne. Ja, Herr Doktor, ich will Paula meins Liebe gestchm, will sie bitten, mir ihr Herz und ihre Hand zu fchrnken, zuvor möchte ich indeß hoffen, daß ich auf Ihrs Unterstützung rechnen darf."
Prell zögerte eine» Augenblick mit der Antwort, dann streckte er dem jungen Manne dis Hand entgegen.
„Ich sichere Ihnen Beides gerne zu, Herr Berger", sprach er, „ich will Ihnen sogar gestehen, daß ich für die Tochter münes verstorbenen Freundes, die unter meinem Schutze steht, keinen anderen Mann als Sie wünsche. Unter Ihrer Obhut wird Paulas Glück gesichert sein!"
„Ich werde ihr jeden Wunsch zu erfüllen suchen", unterbrach ihn Berger, „ich werde ihr Leben so angenehm als möglich gestalten; es fehlt mir ja nicht an Mttteln! Wird aber auch Paula mir ihr Herz schenken — wird sie mich nicht zurückweisen?"
„Sind Sir Ihrer Sache so ungewiß?" b.merkte Prell lächelnd.
„Ich habe Paula meine Liebe noch mit keinem Wort gestanden, allein sie muß es wrffm, daß ich sie liebe."
, Es wäre ihr sonst ein Geheinmiß geblieben, was bereits die ganze Stadt weiß!" rief der Dokror lachend. ,Ja, Paula müßte blind sein", fügte er hinzu.
„Wollen Sie mit Paula sprechen?" warf Berger fragend ein.
„Ich?" rief Prell erstaunt. „Nein — wer ein ä Mädchen heirathen will, muß auch den Muth haben, | es ihr zu gsstchen. Kommen Sie — ich will Sie l zu ihr begleiten."
Eins peinigende Unruhe ergriff den jungen Kauf- l mann. Dem Wendepunkt seines Glückes trat er \ entgegen. Mit so viel Muth und so festen Hoffnun- s gen hatte er sich diesem Haufe genähert, und jetzt l schwankten die Hoffnungen — er dachte an Hell- l mann — wenn jenen Paula nun mehr liebte, wenn l sie ihn zurückwies! Er wußte nicht einmal mehr, I was er Paula sagen, wie er das Geßändniß seiner 1 Liebe anbringen sollte, und doch hatte er sich diese


